Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Olympia 2010 Patzer des Trainers kostet Kramer den Olympiasieg
Sportbuzzer Themen Olympia 2010 Patzer des Trainers kostet Kramer den Olympiasieg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:46 24.02.2010
Kaum zu halten vor besänftigen: Sven Kramer nach seiner Disqualifikation. Quelle: afp
Anzeige

In 12:54,50 Minuten knackte der 23-jährige Friese zwar zunächst den vom Sudkoreaner Lee Seung-Hoon vorgelegten Olympischen Rekord von 12:58,55 deutlich, doch Kramers Missgeschick brachte den Asiaten in die Gold-Position. Silber ging an den Russen Ivan Skobrew (13:02,07), Bronze an den Niederländer Bob de Jong (13:06,72).

Ausgerechnet im olympischen Finale musste Kramer seine erste Pleite auf den langen Kanten seit dem 24. Dezember 2006 in Kauf nehmen. „Ich bin stinksauer auf meinen Coach, er hat mich falsch eingewiesen“, schimpfte Kramer und verschwand mit hochrotem Kopf in den Katakomben. Zugleich war wenige Stunden zuvor auch Patrick Beckert zum „Pechvogel von Richmond“ avanciert. Der 19-jährige Erfurter verpasste wegen eines ausgeschalteten Handys nach einer zu kurzfristigen Absage des Italieners Enrico Fabris die große Chance, als Nachrücker noch in das Feld zu rutschen. „Wir haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, aber wir haben Patrick erst 17 Minuten vor dem Rennen telefonisch erreicht. Da ging natürlich nichts mehr“, berichtete Teamchef Helge Jasch.

Anzeige

„Eine so späte Abmeldung erachte ich als sehr unfair. Er hätte sich die Schlittschuhe im Auto anziehen müssen und wäre ohne eine Einlaufrunde in einen olympischen Wettkampf gegangen“, schilderte Beckerts Heimtrainer Stephan Gneupel die Situation. „Auf so etwas ist niemand vorbereitet.“ Sein Schützling saß zum kritischen Zeitpunkt noch beim Frühstück im Olympischen Dorf.

Modell-Athlet Kramer musste durch den peinlichsten Fehler seiner Laufbahn sein Vorhaben aufgeben, in die Spur von Norwegens Eis-König Johann Olav Koss zu treten, der 1994 als letzter Eisschnellläufer dreimal Gold bei Olympia gewann. Auch sein Plan, mit drei Goldmedaillen den großen Ard Schenk (3/1/0) als erfolgreichsten Athleten des Eisschnelllauf-Mutterlandes in der Olympia-Geschichte abzulösen, ist vorzeitig geplatzt.

In Turin hatte Kramer als 19-Jähriger schon Silber über 5000 Meter und Bronze im Team erkämpft. Zum Auftakt war der zwölfmalige Weltmeister mit seinem Sieg über 5000 Meter dem Südkoreaner noch überlegen gewesen. Diesmal aber ließ sich der ehemalige Shorttracker aus Südkorea feiern. Der für München startende Sachse Marco Weber kam als einziger Deutscher im Finalfeld in 13:35,73 Minuten auf den zehnten Rang. „Das war viel weniger, als ich mir vorgenommen hatte“, sagte Weber. Vor dem Lauf hatte er den unbedingten Willen zu einer Top-Ten-Platzierung bekundet und die Fortsetzung seiner Karriere an das Abschneiden in Richmond geknüpft.

dpa