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Olympia 2010 Vancouver unter Schock: Georgischer Rodler tödlich verunglückt
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23:24 12.02.2010
Wenige Stunden vor der Eröffnung der Winterspiele verunglückte der georgische Rodler Nodar Kumaritaschwili beim Training. Quelle: dpa
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Der 21-Jährige war am Freitag im Training auf der anspruchsvollen Eispiste in Whistler kurz nach der Ziellinie nach einem Fahrfehler gestürzt und aus der Bahn katapultiert worden. Er prallte gegen einen Stahlträger der Bahnüberdachung. Rettungskräfte vor Ort begannen sofort mit Reanimierungsmaßnahmen. Nach Angaben des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) erlag Kumaritaschwili seinen Verletzungen.

„Das ist furchtbar“, sagte IOC-Vizepräsident Thomas Bach. „Die ersten Gedanken sind bei seiner Familie und seiner Mannschaft. Das wirft einen tragischen Schatten auf die Eröffnung der Spiele, die mit so viel Vorfreude erwartet worden sind.“ Es ist der erste Todesfall in der Geschichte der Winterspiele während eines Wettkampfs. 1992 in Albertville war bei der Demonstrationssportart Geschwindigkeitsskifahren der Schweizer Nicholas Bochatay ums Leben gekommen. Er war bei der Fahrt zum Finale mit einer Pistenraupe kollidiert. 1964 in Innsbruck war der britsche Rodler Kazimierz Skrzypezki zwei Wochen vor Beginn der Spiele im Training tödlich verunglückt.

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Kumaritaschwili verlor in der Thunderbird-Kurve, der letzten Schwierigkeit der schnellsten Rodelbahn der Welt, die Kontrolle über seinen Schlitten. Er prallte mit Hinterkopf und Rücken gegen die Bahnbegrenzung. Kurz vor dem Unfall wurde seine Geschwindigkeit mit 144 Stundenkilometern gemessen. Das Training wurde nach dem Unglück sofort abgebrochen. Die Unterhaltungsmusik an der Strecke wurde sofort abgeschaltet.

Der an der Bahn befindliche dreimalige Olympiasieger Georg Hackl reagierte noch vor der Todesnachricht als Augenzeuge des Unfalls fassungslos. „Ich bin schockiert. Das ist schwer zu verarbeiten“, sagte der Nachwuchscoach sichtlich bewegt. Ein neben Hackl stehender Kameramann beobachtete den Unfall ebenso und schrie laut auf. Danach meinte er bereits, so einen Unfall könne man nicht überleben. Das kanadische Fernsehen zeigte Bilder des fürchterlichen Unfalls, der kurz darauf zudem bereits bei „Youtube“ im Internet zu sehen war. Schon am Donnerstagabend (Ortszeit) war es im Whistler Sliding Centre zu einem schweren Sturz gekommen. Die Rumänin Violeta Stramaturaru verlor bei ihrem Unfall das Bewusstsein und musste mit Verdacht auf Gehirnerschütterung behandelt werden. Beim Weltcup-Finale 2009 und bei der internationalen Trainingswoche zu Beginn des Olympiawinters war es immer wieder zu Stürzen gekommen, die Athleten hatten teils große Probleme. Auch Gold-Favorit Armin Zöggeler kam auf der hoch anspruchsvollen Bahn zu Fall.

Ob die für den heutigen Sonnabend geplanten ersten beiden von vier Läufen der olympischen Männer-Entscheidung wie geplant stattfinden, war offen. „Wir müssen das Unfassbare erst einmal verarbeiten. Wir müssen uns jetzt erstmal mit unseren Sportlern reden“, sagte der österreichische Trainer Rene Friedl.