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Olympia 2012 Auch deutsches Turnteam geht leer aus
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21:02 30.07.2012
Auch seine tolle Leistung am Reck konnte dem deutschen Team nicht zur Medaille verhelfen: Fabian Hambüchen und die anderen deutschen Turner gehen leer aus. Quelle: dpa
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London

Philipp Boy war ein einziges Nervenbündel, da konnte auch der spektakulär turnende Fabian Hambüchen nichts mehr für die deutsche Muskelriege retten. Im Teamfinale der Olympischen Spiele haben die deutschen Turner die erhoffte Medaille klar verpasst. Vor 16 500 Zuschauern in der ausverkauften Londoner North Greenwich Arena kamen die Deutschen am Montagabend mit 268,019 Punkten nur auf den enttäuschenden siebten Platz. Nach verpatztem Auftakt endete eine zwischenzeitliche Aufholjagd mit dem erneuten Absturz von Philipp Boy am Reck. „Ich bin unheimlich sauer auf mich: Shit happens“, meinte der Cottbuser völlig frustriert.

Der Titel ging nach 2000 und 2008 zum dritten Mal an die Chinesen, nur Sechste in der Qualifikation. Mit 275,997 Punkten setzten sie sich vor den Japanern durch, die nach dem Wettkampf erfolgreich gegen die Wertung von Mehrkampf-Weltmeister Kohei Uchimura am Seitpferd protestierten. So verbesserten sie sich mit 271,952 Punkten noch vom vierten auf den zweiten Platz. Die euphorisch gefeierten Europameister aus Großbritannien (271,711), die sich bereits minutenlang über Silber freuten, mussten sich dagegen mit Bronze begnügen. Die Ukrainer (271,526) rutschten sogar aus den Medaillenrängen und belegten Platz vier.

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Die Hoffnung der Deutschen auf Edelmetall schien schon zum Auftakt am „Zitter“-Pferd gestorben, als Andreas Toba und Philipp Boy schwer patzten. „Wenn man so in den Wettkampf kommt, macht man sich das Leben selber schwer“, bedauerte Toba. Doch Hambüchen und Co. kämpften mit Ehrgeiz weiter, bis das erneute Boy-Desaster am Reck alle Hoffnungen schwinden ließ. Es war der siebte Absturz des durch Verletzungen völlig indisponierten Boy im achten Reck-Wettkampf der Saison. „Ich habe seit Herbst vorigen Jahres eine Blockade im Kopf und weiß nicht, wie ich sie lösen kann“, gestand der Vizeweltmeister danach unumwunden ein.

Boy hatte sich im Vorkampf eine Einblutung im Sprunggelenk zugezogen und nach eigener Aussage noch am Tag zuvor kaum mit dem rechten Fuß auftreten können. Teamarzt Hans-Peter Boschert hatte mit Ultraschall und schmerzstillenden Spritzen versucht, die Schmerzen zu lindern. „Bis gestern Abend war unklar, ob ich überhaupt turnen kann. Ich habe weiter wahnsinnige Schmerzen, doch das Hauptproblem ist nicht der Fuß: Das sind Herz und Kopf“, räumte er ein. Immer wieder schüttelte er den Kopf und konnte die Welt nicht mehr verstehen.

Fabian Hambüchen, der sich als einziger individuell auf die Spiele vorbereitet hatte, setzte dagegen cool seinen erfolgreichen Weg in London fort. An allen Geräten blieb er ohne Fehl und Tadel, turnte am Reck mit Perfektion seine schwierige Übung mit Ausgangswert 7,5 sicher in den Stand. 16,166 Punkte waren der verdiente Lohn, mit denen er gleich ein Zeichen für den Medaillenkampf am Königsgerät setzte. „Es war noch nicht alles perfekt, aber ich habe ja im Mehrkampf und im Reckfinale zu zeigen, was ich kann. Mit meinen fünf Geräten waren ich heute zufrieden“, meinte er und analysierte: „Aber drei Fehler im Team waren eben zu viel. Alle sind wir nur Menschen, Fehler passieren jedem. Aber die Punktzahl, mit der hier Medaillen weggingen, hatten wir im Training schon mehrfach erreicht.“

Cheftrainer Andreas Hirsch hatte gegenüber der Qualifikation die Mannschaft auf einigen Positionen dem Final-Modus angepasst, in dem drei Turner an jedes Gerät gingen und auch in die Wertung kamen. So turnten Hambüchen und Nguyen nicht am Pauschenpferd, Boy verzichtete auf Ringe und Barren. Doch zwei Stürze bei vier Geräten brachten ihn zur Verzweiflung. Dennoch wird er jetzt nicht wie in Peking frustriert abreisen, sondern will sich in London noch einige Veranstaltungen anschauen.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

30.07.2012
30.07.2012
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