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Olympia 2012 Das Fiasko der Schwimmer
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21:16 28.07.2012
Schwimmerin Britta Steffen schwamm mit ihrem Team im Quartett über 4 x 100 Meter nur auf Platz 9. Quelle: dpa
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London

Wenigstens seinen Weltrekord durfte Paul Biedermann behalten. Rund neun Stunden nach der bitteren Vorlauf-Pleite schwamm Olympiasieger Sun Yang in einer ganz anderen Dimension als der am Vormittag klar gescheiterte WM-Dritte. Nach seinem Sieg in 3:40,14 Minuten über 400 Meter Freistil kletterte der chinesische Champion auf die Beckenleine und reckte triumphal die Arme in die Höhe. Dass er Biedermanns Bestmarke nicht erreicht hatte, war ihm am Samstag in London reichlich egal. Biedermann konnte sich aber auch nichts dafür kaufen, in den Ranglisten weiter als Nummer 1 geführt zu werden.

Nach seinem frühen Aus war Biedermann kaum etwas zu entlocken, dagegen sprach Britta Steffen ausgiebig über das Scheitern der von ihr angeführten Freistil-Staffel. Wie für ihren Freund war auch für die Doppel-Olympiasiegerin mit dem Quartett über 4 x 100 Meter der erste Start auch gleich der letzte am Eröffnungstag im Aquatics Center. Steffen rang sich trotz des verbummelten Staffel-Wettkampfs noch ein Lächeln ab. „Jetzt ist es vorbei und wir gucken weiter nach vorne“, sagte die Doppel-Olympiasiegerin. „Es war der erste Tag, schlechter kann es nicht werden, schauen wir mal.“

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Zu den geschlagen gehörte auch Michael Phelps. Der 14-malige Olympiasieger aus den USA schlug beim triumphalen Erfolg seines Landsmannes Ryan Locht in 4:05,18 Minuten über 400 Meter Lagen nur als Vierter an. Schon im Vorlauf hatte sich der Rekord-Olympionike wie Biedermann schwergetan, aber immerhin so gerade noch das von US-First-Lady Michelle Obama in der Halle beobachtete Finale erreicht.

Die Olympischen Spiele in London wurden mit einer spektakulär schrillen Show eröffnet.

Anfangs lief auch bei dem deutschen Schwimm-Traumpaar Steffen/Biedermann noch alles nach Plan. Nach 50 und 100 Metern lag Biedermann sogar unter seinem Weltrekord. Auch die Durchgangszeit zur Rennhälfte von 1:52,41 Minuten war gut. Doch dann zog die Konkurrenz vorbei, Biedermann wirkte schwerfällig und konnte nicht mehr kontern. „Hinten raus konnte ich es nicht mehr halten“, erklärte Biedermann. Nach 3:48,50 Minuten fehlten über 400 Meter 1,24 Sekunden zum Endlauf - Platz 13 lautete das bittere Resultat für den Weltrekordhalter.

Steffen hatte als Startschwimmerin (54,43 Sekunden) des Quartetts über  4 x 100 Meter auf Rang zwei übergeben, am Ende reichte es nur zum enttäuschenden neunten Platz. Fast eine Sekunde war das Quartett mit ihr, Silke Lippok, Lisa Vitting und Daniela Schreiber zu langsam für die Medaillenentscheidung. „Scheinbar war das teilweise von uns zu viel Reserve. Da alle anderen Nationen scheinbar voll geschwommen sind. Damit haben wir die A...-Karte, dass wir als Neunte raus sind“, schilderte Schreiber – und musste mehrfach traurig schlucken.

Die Schwimmer suchten die Schuld bei sich, die Verantwortlichen nahmen die ersten Pleiten im Londoner Becken dagegen auf ihre Kappen. „Für unsere Schwimmer war es ein rabenschwarzer Tag“, räumte Leistungssportdirektor Lutz Buschkow ein. Jetzt müsse man „aus dem Tal noch mal Gas geben“, um „ein ordentliches Olympia-Ergebnis“ zu erzielen.

Ob Biedermann über seine Paradestrecke 200 Meter Freistil konkurrenzfähig ist, in der am Sonntag die Vorläufe anstehen, ist fraglich. „Ich muss mich erstmal eine Stunde sammeln. Morgen geht es weiter“, sagte der 25-Jährige und verließ schnell die Katakomben des Aquatics Centre. Oben schaute derweil Großbritanniens Queen Elisabeth II. im blauen Kostüm bei den Vorläufen vorbei.

Alles andere als königlich waren die Marschrouten der deutschen Team-Leitung aufgegangen. „Weil wir Kraft sparen wollten, wollten wir mehr über die Beine machen. Das war ein taktischer Fehler“, erklärte Biedermann-Trainer Frank Embacher. „Wir werden morgen wieder angreifen, da bin ich zuversichtlich. Jetzt werden wir erstmal zwei Stunden das böse Wort mit Sch... ins Handtuch brüllen und dann ist wieder alles gut.“

Mit der eigenen Leistung war Steffen, die schon in Peking 2008 die Bilanz alleine retten musste, indes nicht unzufrieden. Die Zeit sei für einen Vorlauf eigentlich „total in Ordnung“ gewesen, sagte die Berlinerin. Mit großem Respekt berichtete sie über die Reaktion ihres Liebsten nach dem Vorlauf-Schock. „Er hat mich ganz klar angeguckt und gesagt, das war scheiße, jetzt gucke ich aber, was ich daraus lernen kann. Da war er für mich ein ganz Großer in dem Moment.“

dpa

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