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Olympia 2012 Deutsches Team auf Peking-Level
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17:40 05.08.2012
Timo Boll im Spiel gegen den Österreicher Werner Schlager im Viertelfinale der Olympischen Spiele. Quelle: dpa
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London

Die Supermächte enteilen, neue Kräfte drängen nach - der deutsche Spitzensport muss um seine Stellung in der Welt mehr denn je fürchten. Während sich zur Halbzeit der 30. Olympischen Spiele in London die USA und China einen Zweikampf um Position eins in der Medaillenwertung liefern, kämpft Deutschland um seinen Platz in der Weltspitze. Es wird schwer, den fünften Rang von Peking 2008 erfolgreich zu verteidigen.

„Nach den Olympischen Spielen muss die Leistungssportförderung auf den Prüfstand kommen. Das ist hier der härteste Wettbewerb, den es je gegeben hat", meinte DOSB-Präsident Thomas Bach. Zeitnah nach dem Ende der London-Spiele wird es eine Analyse mit allen Verbänden geben - im Hinblick auf Rio de Janeiro 2016.

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Andere Länder sind enteilt oder haben aufgeholt. Gastgeber Großbritannien hat einen Großangriff auf die Top Drei gestartet, Südkorea marschiert nach vorn, Frankreich ist wiedererstarkt. Russland zählt weiter zu den fleißigsten Medaillensammlern. Dazu kommen Staaten wie Kasachstan und Nordkorea, die sich auf wenige goldträchtige Sportarten konzentrieren.

Asien spielt, wie weltpolitisch und wirtschaftlich, auch im Sport zunehmend eine wichtigere Rolle. Da gibt es eine sehr klare Orientierung und Konzentration auf Leistung und das führt zu einer klaren Fokussierung auf Medaillengewinne", analysierte Bach. Bis Sonntagmittag hatten bereits 58 verschiedene Länder Medaillen gewonnen. In Peking waren es am Ende der Spiele 87 Länder.

Immerhin bewegt sich das deutsche Team bei der Zahl der Medaillen auf dem Level von Peking. Damals hatten die Sportler am Ende 41 Mal Edelmetall eingesammelt (16 Gold, 10 Silber, 15 Bronze). Die bisherige Ausbeute von fünf Gold-, zehn Silber- und sechs Bronzemedaillen (gesamt 21) brachte nach dem achten Wettkampftag vorerst den sechsten Platz im Länder-Klassement ein.

„Ich kann ein überwiegend positives Zwischenfazit ziehen. Wir haben mehr als 20 Medaillen und mehr als 40 Finalplätze von eins bis acht - das zeigt, dass wir breit aufgestellt sind. Diese Breite ist unser Markenzeichen und soll es auch bleiben", betonte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper, Chef de Mission des 391-köpfigen deutschen Teams.

Ein Superstar, wie es 2008 die zweimalige Schwimm-Olympiasiegerin Britta Steffen war, fehlt diesmal. Dafür hatte das Team durch die Kontakte der Ruderin Nadja Drygalla zu einem mutmaßlichen Rechtsextremisten eine Affäre mit politischer Dimension zu verkraften.

Euphorie ist angesichts der sportlichen Bilanz nicht angebracht. In der ersten Hälfte der 16-tägigen Leistungsshow des Weltsports waren die Schwachstellen der Mannschaft des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) nicht zu übersehen.

Die medaillenlosen Beckenschwimmer und Schützen erlebten ein Debakel. Auch die Fechter enttäuschten und hatten bis zum Sonntag nur das Degen-Silber durch Britta Heidemann auf ihrem Konto. Der Verbesserungsbedarf in den Mannschafts-Ballsportarten stand schon vor den Spielen fest. Deutschland ist in London nur mit seinen beiden Hockey-Teams und den Volleyball-Männern vertreten.

Zu den Lichtblicken zählten nach der Enttäuschung von Peking die Ruderer mit zweimal Gold durch den Achter und den Doppelvierer der Männer. Die Feierlaune wurde aber durch die Vorgänge um Achter-Ruderin Drygalla vermiest. Die Radsportler überzeugten sowohl auf der Straße als auch auf der Bahn. Die Judoka blieben ohne Gold, hatten aber mit je zweimal Silber und Bronze eine größere Ausbeute als 2008.

Das Mehrkampf-Silber von Turner Marcel Nguyen und Tischtennis-Bronze von Dimitrij Ovtcharov zählten zu den Überraschungen. Die Leichtathleten haben schon nach dem zweiten Wettkampftag mit zweimal Silber mehr erreicht als vor vier Jahren - in Peking holte nur Speerwerferin Christina Obergföll Bronze.

In der zweiten Woche wird es schwer, den seit 1992 anhaltenden Abwärtstrend zu stoppen. Damals in Barcelona hatte die erste deutsche Mannschaft seit der Vereinigung 82 Mal Edelmetall geholt. Die Hoffnungen in London tragen vor allem die Dressurreiter, Diskuswerfer Robert Harting, die Speerwerferinnen oder die Stabhochspringerinnen, Lena Schöneborn im Modernen Fünfkampf, die Kanuten, die Hockey-Herren und die Turner.

dpa

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