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Olympia 2012 Deutsches Team verfehlt unrealistisches Medaillenziel
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22:09 10.08.2012
Von Carsten Schmidt
 Auch Zehnkämpfer Pascal Behrenbruch konnte die Medaillenerwartungen nicht erfüllen. Quelle: dpa
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London

Zu diesem Zeitpunkt war der CSU-Politiker noch zuversichtlich, dass er ein Urteil des Berliner Verwaltungsgerichts aussitzen kann, das die Veröffentlichung der Zielvereinbarungen seiner Behörde an den deutschen Sport gefordert hatte. Aus diesen Papieren ergab sich, wie sich am Nachmittag herausstellte, das Gegenteil der Friedrich-Aussagen: Die deutschen Sportler haben mit bisher 39 Medaillen – das sichere Edelmetall der Hockeymänner vom heutigen Sonnabend schon eingerechnet –  die Ministeriumsprognosen von 86-mal Edelmetall deutlich verfehlt.

86 Medaillen in London: Ein solches Ergebnis hätte dem deutschen Leistungssport nicht nur eine Steigerung des Peking-Ergebnisses von 2008 um mehr als 100 Prozent beschert, sondern auch das beste Olympiaresultat seit der Vereinigung 1990. Diese Zahl liegt zudem klar höher als der Ansatz in der bisherigen Sprachregelung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Dessen Generaldirektor Michael Vesper hatte in der Öffentlichkeit verkündet, das Ziel läge bei 41 Medaillen wie in Peking.
Die Zielvereinbarungen widerlegen nun aber sowohl den Minister als auch den DOSB, auch wenn sich Vesper in Schadensbegrenzung versucht. „Es handelt sich hierbei um Ziele, auf die sich jeder einzelne Sportfachverband mit dem DOSB zu Beginn des olympischen Zyklus vor vier Jahren verständigt hat“, sagte er.  „Dies als konkrete Medaillenplanwirtschaft zu interpretieren, wäre naiv und ginge an der Sachlage vorbei.“

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Für die Fachverbände, die diese „Medaillenchancen“-Vorgabe nach Lesart des DOSB allerdings nicht erfüllen können, werden sich vom Herbst an Probleme ergeben. Sie müssen vermutlich mit weniger Geld auskommen, das betrifft vor allem Fechter, Schwimmer, Schützen und Segler. Und mancher Funktionär empfand die Vereinbarung eher als Diktat. Es habe harte Diskussionen statt offener Gespräche gegeben, sagte Frank Hensel, Generalsekretär des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), und ergänzte: „Vor allem dann, wenn es darum ging, das Medaillenziel zu definieren. Da sind die hohen Vorgaben des DOSB mit einem etwas größeren Realismus seitens der Sportverbände zusammengeprallt. Wir haben die Zielvereinbarung letztlich unterschrieben, damit wir handlungsfähig bleiben. Wir hatten keine andere Wahl.“

Die verblüffend ambitionierte Zielvereinbarung befördert eine Diskussion über die Sportförderung, die schon länger schwelt. „Wir setzen in Deutschland eher auf die duale Karriere, aber gerade das ist eher kontraproduktiv. Die Belastung der Athleten wird falsch eingeschätzt“, sagte Diskus-Olympiasieger Robert Harting. Zuvor hatten die Bahnradfahrer beklagt, dass die Konkurrenz aus Großbritannien weit mehr Geld erhalte und deshalb auch größere Erfolge sammele.

Es gibt allerdings auch Stimmen, die gerade im Fall der Briten die Nachhaltigkeit sportlicher Siege bezweifeln. Deren Premierminister David Cameron fordert jetzt schon noch mehr Anstrengungen im Schulsport. Er hat das Beispiel anderer Olympiagastgeber vor Augen, die vier Jahre später im Medaillenspiegel abstürzten – insbesondere Griechenland.rt Friedrichs Ministerium mit rund 130 Millionen Euro bei. Die Bundeswehr lässt sich seine Sportsoldaten zusätzlich rund 30 Millionen Euro kosten, von der Deutschen Sporthilfe kamen über die Jahre insgesamt 14,3 Millionen Euro dazu.

(mit: dpa)

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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