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Olympia 2012 Ein Sieger, den die Radsport-Welt nicht wollte
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06:15 01.08.2012
Gold für Alexander Vinokurov (Mitte), Silber für Rigoberto Uran Uran (links) und Bronze für Alexander Kristoff. Quelle: dpa
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London

Die Pfälzerin meinte den Sieg von Alexander Winokurow. Das Straßenrennen der Männer gewann ausgerechnet der ehemalige Telekom-Profi, der wie kein anderer Fahrer des Peletons für die schwärzeste Zeit seiner Sportart steht, die Anfang unseres Jahrhunderts ihre Glaubwürdigkeit verlor. Es ist der zweite Nackenschlag für den Radsport innerhalb weniger Wochen, nachdem der Luxemburger Fränk Schleck bei der Tour positiv getestet worden war.

Die Blutdoping-Sperre des Kasachen vor fünf Jahren trug neben vielen anderen Anlässen mit dazu bei, dass ARD und ZDF aus der Live-Berichterstattung der Tour de France ausstiegen. Doch bei Olympia war das ZDF wieder live dabei, als der 38-Jährige das komplette Feld und auf den letzten Metern den überforderten Kolumbianer Uran austrickste.

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Zweimal war Winokurow schon zurückgetreten: 2007 wegen fehlender Motivation nach seiner positiven Dopingprobe, 2011 nach einem Oberschenkelhalsbruch. Doch immer wieder schlug das 1,76 Meter kleine, 69 Kilo leichte und wahnsinnig zähe Stehaufmännchen zurück. Die Reaktion des dreifachen Vaters fiel wie immer in solchen Fällen aus. Die Frage nach seiner Doping-Vergangenheit fand er in der Stunde seines größten Triumphes unangemessen, da es sich um ein abgeschlossenes Kapitel handele. „Wichtig ist, dass meine Familie und mein Land immer hinter mir standen und mir die Kraft gaben zurückzukommen“, sagte Winokurow, der – obwohl nur einmal erwischt – vom Heidelberger Doping-Papst Werner Franke als Serientäter bezeichnet wird.

Der Tour-Sieg des Briten Bradley Wiggins und der fest eingeplante Sprint-Erfolg seines Landsmannes Mark Cavendish hatten ein Millionen-Publikum an die Strecke gelockt. „Mir dröhnen noch Ohren vom Lärm “, bekannte der Thüringer John Degenkolb. Auch Tour-Etappensieger André Greipel erlebte eine Stimmung wie nie zuvor in seinem Leben.

Überall standen Massen, es gab keine Stelle zum Pinkeln“, stellte der Rostocker fest. Doch die Euphorie wich bei den Gastgebern sowie den Deutschen großer Enttäuschung. Die beiden favorisierten Teams hatten keinen Fahrer in der 26 Mann starken Spitze dabei, waren sich aber auch viel zu sicher, die Gruppe noch einzufangen. Greipel meinte: „Wir haben uns zu sehr auf die Engländer verlassen. Und vorn waren sich die gut 20 Mann so sehr einig, wie man es selten erlebt. Zu acht hatten wir gegen die keine Chance.“

Degenkolb gab den Engländern die Schuld an der inkonsequenten und missglückten Aufholjagd: „Sie waren am letzten Berg zu langsam.“ Das hatte seinen Grund, befürchteten sie doch, bei einer Attacke am Box Hill ihren Sprinter Cavendish abzuhängen und damit Greipel in die Karten zu spielen. Der Ostseestädter gewann den Spurt des Hauptfeldes, landete auf Rang 27 und spekulierte danach ein wenig, was möglich gewesen wäre: „Das ist sicher nicht vergleichbar mit einem Spurt um Gold. Aber ich war es meinen Jungs schuldig voll zu sprinten. Ich bin die letzten 300 Meter allein von vorn gefahren und hatte 20 Meter Vorsprung. Das sagt alles.“

Über Winokurow meinte Greipel nur: „Das war der letzte Sieg seiner Karriere.“ Wenn er sich da mal nicht täuscht. Der Kasache erklärte zwar für Mittwoch erneut seinen Rücktritt. Doch das hat bei ihm nichts zu sagen. Der WM-Kurs im September in den Niederlanden ist wie maßgeschneidert für den Olympiasieger, den die Radsport-Welt nicht wollte.

Frank Schober

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