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Olympia 2012 Ole Bischof hofft auf neuen Coup
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11:36 30.07.2012
Hofft auf Edelmetall: Ole Bischof.
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London

Der 12. August 2008 wird Ole Bischof für immer unvergesslich bleiben. „Dieser Tag hat mein Leben verändert. Ich kann nur jedem wünschen, dass er einmal im Leben so glücklich ist, wie es mir damals vergönnt war“, sagt der Judo-Olympiasieger im überschwänglichen Rückblick auf seinen Gold-Coup von Peking. Nun hofft der 32-Jährige in London auf den nächsten großen Wurf. „Ich bin gut drauf. Ich weiß, dass es klappen kann“, sagte Bischof vor seinem Wettkampf am Dienstag. „Aber das ist kein kleines Spiel.“

Wahrlich nicht. Wie groß die Konkurrenz in seiner Gewichtsklasse bis 81 Kilogramm ist, musste auch Bischof in den vergangenen Jahren immer wieder erfahren. Lange hing selbst die nationale Qualifikation für den Routinier am seidenen Faden, der Berliner Sven Maresch machte dem Olympiasieger mächtig zu schaffen. Doch am Ende setzte sich Bischof durch - und sieht plötzlich sogar beste Vorzeichen für seine erneute Olympia-Mission: „Ich bin in der Weltrangliste auf Platz vier - das war ich vor Peking auch.“

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Doch lieber vertraut der 32-Jährige, der von Männer-Bundestrainer Detlef Ultsch immer wieder als „vorbildhafte Persönlichkeit“ gelobt wird, seinen eigenen Stärken. „Ich habe meinen Teil getan. Ich habe viel gearbeitet, hart trainiert. Ich bin dahin gegangen, wo es richtig wehtut“, beschreibt Bischof die Vorbereitung auf seinen wichtigsten Wettkampf nach dem Olympia-Triumph von Peking.

„Ich will die Spiele genießen“

Alles ist getan - nun zählt nur noch das Geschehen auf der Judo-Matte. „Ich will die Spiele genießen“, betont der 32-Jährige und weist jedwede Erwartung von außen zurück. „Ich lasse mir keinen Druck einreden. Und es hat doch in Deutschland noch kein Judoka geschafft, zweimal hintereinander ganz oben zu stehen.“

Nach seinem Sprung ganz oben aufs Olympia-Treppchen in Peking führte Bischof ein ungewohntes Leben im Rampenlicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel, Ex-Bundespräsident Horst Köhler und sogar ein Auftritt in der Millionenshow „Schlag den Raab“ - der Judoka genoss die Sonnenseiten des Sportler-Lebens. Nicht nur in Deutschland, auch in den USA tingelte Bischof durch Judo-Clubs und gab Trainingsstunden. „Wenn ich Vorbild sein kann, ist das schön.“

Auch finanziell hat sich der goldene Coup durchaus ausgezahlt. „Es lässt sich leben. Und vielleicht gebe ich mal einen Euro mehr Trinkgeld“, gestand der „Randsportler“ einmal. Randsportler, das hört Bischof übrigens gar nicht gerne: „Randsport ist für mich die Formel 1. Das machen ja nur 20 bis 100 Leute. Judo machen in Deutschland dagegen schon wahnsinnig viele Leute - 200.000 bis 250.000.“

Irgendwann war aber Schluss mit lustig. „Es waren schon sehr, sehr viele Anfragen“, sagt Bischof im Rückblick. Und neben all dem Trubel und seinem Volkswirtschaftsstudium gab es ja auch noch Judo. 2009 konnte Bischof mit Bronze die erste WM-Medaille erkämpfen, doch so richtig hat er erst mit Beginn des vergangenen Jahres den Schalter für seinen Sport umlegen können.

Mit Erfolg. „Wenn es drauf ankommt, bin ich da und zeige Leistung. Auf mich ist Verlass.“ Was bei anderen großspurig klingen würde, klingt beim Olympiasieger nüchtern, glasklar. Eben ganz wie sein erfolgreiches Judo, das er am Dienstag noch einmal möglichst so abrufen will wie in Peking. „Ich setze meinen Fokus allein hier auf London“, versichert Bischof. „Was danach kommt, wird die Zeit zeigen. Ich werde mit gebührendem Abstand zu den Sommerspielen über meine sportliche Zukunft entscheiden.“

dpa/tmn