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Olympia 2012 Ovtcharov macht es Roßkopf nach
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17:17 02.08.2012
Dimitrij Ovtcharov hat Bronze im Tischtennis gewonnen. Quelle: dpa
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London

Erst schaute er ungläubig, dann löste sich die Anspannung von Dimitrij Ovtcharov in einem Schrei. Als zweiter deutscher Tischtennisspieler gewann der 23-Jährige am Donnerstag in London eine olympische Einzelmedaille. In einer dramatischen Partie besiegte der Angriffsspieler vom russischen Club Fakel Orenburg im Spiel um Platz drei Chuang Chih-Yuan aus Taiwan in sechs Sätzen mit 12:10, 9:11, 8:11, 13:11, 11:5, 14:12. „Ich kann es wirklich nicht glauben“, sagte Ovtcharov. „Ich habe so oft zurückgelegen und hatte so viele Chancen. Und dann war es vorbei.“

Erster Gratulant der Nummer zwölf der Weltrangliste war Bundestrainer Jörg Roßkopf, der 1996 in Atlanta ebenfalls die Bronzeplakette geholt hatte. „Ich habe noch viel Zeit. Vielleicht kann ich ihn noch übertrumpfen“, meinte Ovtcharov lächelnd. Vor vier Jahren hatte er immerhin Silber mit den DTTB-Herren in Peking geholt.

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Anerkennung für Ovtcharov gab es von seinem Freund Timo Boll, der von der Zuschauertribüne aus mitfieberte. „Das ist großartig für Dima und die ganze Sportart. Chuang hatte das Spiel im Griff, aber Dima die besseren Nerven“, sagte der Düsseldorfer, der die von ihm angestrebte Medaille durch das Aus im Achtelfinale verpasst hatte.

Wenige Stunden vor dem Bronze-Match hatte Ovtcharov im Halbfinale gegen Weltmeister Zhang Jike (China) noch Lehrgeld gezahlt. Doch er steckte die 1:4-Pleite gegen den Top-Favoriten gut weg und bewies Nervenstärke. Immer wieder holte er gegen Chuang Rückstände auf und wehrte insgesamt 13 Satzbälle ab.

„Ich war noch nie so gut auf ein Turnier vorbereitet“, sagte der willensstarke Spieler, der immer die Einzel-Medaille als persönliches Ziel ausgegeben hatte. Vom frühen Aus seines Kollegen Boll ließ er sich nicht schocken. „Ich bin nur auf mich fokussiert“, sagte „Dima“.

Er wurde in Kiew geboren und zog im Alter von vier Jahren mit seinen Eltern nach Tündern bei Hameln. Sein Vater Mikhail, ein früherer sowjetischer Nationalspieler, war sein erster Trainer. Er ist bei vielen Turnieren dabei und auch heute noch eine Art Heimtrainer. „Diesmal haben wir die Variante ohne meinen Vater gewählt“, berichtete Ovtcharov, der erst am Freitag Familie und Freundin in  London erwartet.

Vater Mikhail und Mutter Tatiana drückten im heimischen Tündern die Daumen. Auf einen kurzfristigen London-Trip nach dem Einzug in das Halbfinale hatte der Vater verzichtet. „Das hat doch bisher sehr gut funktioniert. Daran sollten wir also nichts ändern“, sagte der Vater.

Ovtcharov, der sein Geld beim russischen Verein Fakel Orenburg verdient, hatte sich wie immer gewissenhaft und mit Akribie auf den anstrengenden Finaltag vorbereitet. Er führt Buch über jeden Gegner. Für seine zweite Medaille verließ er sogar das olympische Dorf. Am Mittwochabend quartierte er sich für eine Nacht in einem Hotelzimmer in der Nähe der ExCeL-Arena ein. Und diese Maßnahme verfehlte die erhoffte Wirkung nicht.

„Das Abhaken des ersten Spiels und dann wieder bei Null anfangen, das ist purer Stress. Ich kenne das aus eigener Erfahrung“, erklärte Bundestrainer Roßkopf. Im Mannschafts-Wettbewerb, der bereits an diesem Freitag (20 Uhr) mit dem Spiel gegen Schweden beginnt, soll trotz Ovtcharovs Triumph Boll weiterhin der Team-Leader bleiben. „Ich mache mir keine Gedanken über eine Wachablösung. Das braucht sehr viel Zeit“, erklärte der Coach. „Es liegt viel Erfahrung zwischen beiden. Dima ist einfach jünger.“

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.