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Olympia 2012 Putin sieht Peters beim Bronze-Sieg zu
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18:32 02.08.2012
Dimitri Peters zog nur im Halbfinale den Kürzeren. Der Judoka holte die 15. deutsche Medaille. Quelle: dpa
London

Nach seinem Medaillencoup kannte Judoka Dimitri Peters auch neben der Matte kein Erbarmen und setzte auf den Schultern von Bundestrainer Detlef Ultsch zum Bronze-Ritt an. „Als ich sein breites Kreuz gesehen habe, habe ich mir gedacht: Jetzt aber“, schilderte der 28 Jahre alte Vater von zwei Kindern am Donnerstag in London seine spontane Huckepack-Aktion vor den Augen des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Auch danach war der Niedersachse, der in Russland geboren ist, kaum zu bremsen: „Ich bin wahnsinnig glücklich. Ein Traum ist in Erfüllung gegangen.“

Peters Sieg im Bronze-Kampf gegen den Usbeken Ramziddin Sayidov bescherte dem Deutschen Judo-Bund (DJB) die dritte Olympia-Medaille in London. „Dima hatte einfach einen Traumtag. Einfach toll“, jubelte Präsident Peter Frese. „Er hat so oft unter Wert verloren. Aber heute war er richtig stark.“ Zuvor hatten schon Peking-Olympiasieger Ole Bischof und Überraschungsfrau Kerstin Thiele jeweils Silber gewonnen.

Nur ein Mann war im olympischen Wettkampf für den Vater eines sechs Jahre alten Sohnes und einer zwei Jahre alten Tochter, der als Kind aus Sibirien nach Deutschland gekommen war, zu stark: Im Halbfinale unterlag Peters dem russischen Weltmeister Tagir Chajbulajew - allerdings nur durch Kampfrichter-Entscheid nach Verlängerung. „Es kann schon sein, dass da Putin den Ausschlag gegeben hat“, scherzte Peters. Der Russe sicherte sich wenig später auch Gold - sehr zur Freude von Putin, der mächtig Beifall klatschte.

Peters wollte „mit einem guten Ergebnis von der Matte gehen“, wie er vor seinem Olympia-Debüt recht bescheiden angemerkt hatte. Auf der Matte war dann von Zurückhaltung nichts mehr zu sehen: Erst räumte der bullige Athlet in seinem Auftaktkampf den israelischen Altmeister Ariel Zeevi, immerhin Olympia-Dritter 2004, nach nur 42 Sekunden aus dem Weg. „Das ist eigentlich sein Problemgegner“, staunte Ultsch.

Im zweiten Kampf tat sich Peters, der Olympia in Peking knapp verpasst hatte, gegen den Letten Jevgenijs Borodavko lange schwer. Doch er ließ sich nicht entmutigen und schlug auch diesen in der Verlängerung. „Ich habe da schon fast einen Herzkasper gehabt“, sagte Ultsch. Im Pool-Finale gegen den Niederländer Henk Grol, der sich am Ende wie in Peking Bronze sicherte, war der Bundestrainer dann restlos begeistert vom Auftritt seines Athleten. „Das war eine sensationelle Leistung“, sagte Ultsch. „Er hat jetzt schon drei Weltklasse-Leute geschlagen.“

Peters, dessen Familie den Bronze-Auftritt von daheim aus verfolgte, hatte sich die Taktik von Kerstin Thiele abgeschaut, die am Mittwoch Silber gewonnen hatte. Auch der Rotenburger ging nach seinen Kämpfen wortlos an den Journalisten vorbei, konzentrierte sich lieber auf die nächste Aufgabe - und sprach wie Thiele erst, als die Medaille unter Dach und Fach war. „Ich konnte am Ende alle meine Kräfte noch einmal mobilisieren.“

Der 28-Jährige durfte wie zuvor schon Bischof und Thiele jubeln, die eigentlich höher eingeschätzte Heide Wollert schlich dagegen mit Tränen in den Augen davon. Die Olympia-Siebte von Peking, die mit einer Medaille geliebäugelt hatten, verlor in der Klasse bis 78 Kilogramm ihren ersten Kampf gegen Daria Pogorzelec und war bedient. „Ein Fehler - und dann war es schon vorbei“, sagte die Leipzigerin.

Drei Medaillen haben die so schleppend in die Sommerspiele gestarteten deutschen Judokas nun bereits vor dem letzten Wettkampftag am Freitag geholt - eine wahrlich starke Ausbeute. Und zum Abschluss kommt noch der vermeintlich stärkste Trumpf: Schwergewichtler Andreas Tölzer. „Er kämpft um den Olympiasieg“, versprach Bundestrainer Ultsch. Da soll dann auch Bronze-Mann Peters helfen - beim Warmmachen als Sparring-Partner.

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Dimitri Peters im Interview

Fragen an Judoka Dimitri Peters nach dem Gewinn von Olympia-Bronze am Donnerstag in London.

Sie sind für einen ungeheuer starken Wettkampf mit Bronze belohnt worden. Wie fühlt sich das an?
Unglaublich! Ich bin wahnsinnig glücklich. Ein Traum ist für mich in Erfüllung gegangen. Ich habe am Ende noch einmal all meine Kräfte mobilisieren können.

Nach ihrem Sieg im kleinen Finale haben Sie sich auf die Schultern von Bundestrainer Detlef Ultsch geschwungen. Hatten Sie keine Angst um ihn?

Nein. Als ich sein breites Kreuz gesehen habe, habe ich mir gedacht: Jetzt aber! Aber im Ernst – zu so einem Mann wie unserem Bundestrainer schaut man einfach nur auf.

Wie groß war die Enttäuschung nach dem verlorenen Halbfinale?

Im ersten Moment war ich schon traurig, dass ich das Finale verpasst habe. Natürlich. Es kann schon sein, dass da Wladimir Putin den Ausschlag gegeben hat

Sie hatten nur 15 Minuten bis zum Bronze-Kampf. Wie macht man das?

Ich musste mich komplett runterfahren und erholen – so gut es geht. Aber dann habe ich mich auf den nächsten Kampf eingestellt. Und ich habe es noch einmal abrufen können.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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