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Olympia 2012 Schwimmern droht olympische Nullnummer
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22:37 01.08.2012
Kann es nicht fassen;: Britta Steffen scheitert im Halbfinale über 100 Meter Freistil. Quelle: dpa
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London

Die große Zeit von Britta Steffen über 100 Meter Freistil ist vorbei. Nach 54,18 Sekunden und Rang zwölf war für die Doppel-Olympiasiegerin das Halbfinale am Mittwochabend im Aquatics Centre Endstation. Zwar bleibt der 28-Jährigen noch das Rennen über 50 Meter Freistil, doch in der gezeigten Form ist die Weltrekordlerin in London auch dort chancenlos. So droht den deutschen Schwimmern droht eine olympische Nullnummer wie 1932 in Los Angeles.

Lange schaute Britta Steffen aus dem Wasser auf die Anzeigetafel, bis sie sich aus dem Becken quälte. Auf einem Tisch vor den TV-Interviewern sitzend verfolgte sie das zweite Halbfinale, das ihr Aus besiegelte. „Vielleicht ist meine Zeit einfach vorbei, was die 100 Meter betrifft“, sagte sie - und das trotz alledem mit einem Lächeln. „Ich habe alles gegeben, ich habe gekämpft wie eine Wildsau“, fügte sie hinzu und freut sich als Zuschauerin auf „ihr“ Finale. Daniela Schreiber scheiterte als 15. in 54,39 Sekunden ebenfalls klar am Einzug in den Endlauf, war aber mit ihrer Leistung „zufrieden“.

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Mit ihrer Jahresbestzeit von 53,65 Sekunden aus dem Staffel-Rennen der deutschen Meisterschaften im Mai in Berlin wäre Steffen als Fünfte in den Endlauf eingezogen. „Natürlich ärgert mich das“, sagte sie, hatte aber keine Erklärung parat: „Der Sport ist nicht planbar.“ Ihr Scheitern sei „kein Weltuntergang, durch mich ist auch nicht der Weltfrieden gefährdet. Also ist so weit alles okay.“ Auch für die anderen Deutschen war das Halbfinale Endstation: Über 200 Meter Rücken scheiterten Jan-Philip Glania und Yannick Lebherz, zudem verfehlte Markus Deibler das Finale über 200 Meter Lagen.

Der Knoten bei der deutschen Mannschaft ist geplatzt: An einem fast silbernen Tag holten die Atheleten einmal Gold, fünfmal Silber und einmal Bronze.

Ungarns Weltmeister Daniel Gyurta gewann die 200 Meter Brust. Mit mit Weltrekord von 2:07,28 Minuten holte er die erste Schwimm-Medaille für die bisher so enttäuschten Magyaren. Den fünften London-Weltrekord schwamm bereits im Halbfinale über 200 Meter Brust Rebecca Soni (USA) in 2:20,00. Über 200 Meter Schmetterling setzte Jiao Liuyang mit olympischen Rekord von 2:04,06 Minuten den Siegeszug von Chinas Frauen fort. Die 100 Meter Freistil der Männer entschied Nathan Adrian (USA) nach einem packenden Rennen in 47,52 Sekunden mit einer Hundertstel Vorsprung für sich. Die amerikanische Frauen-Staffel gewann über 4 x 200 Meter in 7:42,92 Minuten vor Australien, dem Sieger der Spiele von Peking 2008.

Steffen hatte das vorzeitige Ende auf ihrer Lieblingsstrecke früh vorhergesehen. Nach Rang 14 und 54,42 Sekunden schwante ihr, dass sie wenige Stunden später „vielleicht nicht mehr zur Weltspitze“ gehören würde. Doch auch damit könne sie „ganz gut leben“, bemerkte die Berlinerin, die mit ihrer Vorhersage recht behielt.

Weder der WM-Medaillentrumpf Paul Biedermann noch die höher eingeschätzte Britta Steffen stachen. Vielleicht gelingt ihr über 50 Meter oder einer Lagen-Staffel noch der „Lucky Punch“. Aber auf den ersten Blick ist niemand in Sicht, der wie in Helsinki 1952 wenigstens eine Bronzemedaille holt. In Peking vor vier Jahren hatte Steffen mit Doppel-Gold die Bilanz der deutschen Schwimmer gerettet.

Zwar kam Britta Steffen nach dem Krankheitsjahr 2010 wieder zurück, holte in Europa und auch national Titel. Bei den  Europameisterschaften auf Lang- und Kurzbahn allerdings nicht gegen die ganz große Konkurrenz. Die WM 2011 in Shanghai ging mit fluchtartiger Abreise nach dem Vorlauf völlig in die Hose - und trotz des Optimismus’ den sie verbreitete, lief es auch über die 100 Meter in London nicht. Dabei hatte sie aus dem vierwöchigen Trainingslager auf Teneriffa Mut für Olympia geschöpft. „Es kann noch mal richtig, richtig gut werden“, hatte sie gesagt - ein Trugschluss.

Fair verhielt sie sich aber schon nach der Vorlauf-Enttäuschung. Von der „Sportlerin des Jahres 2008“ gab es Lob für die Konkurrenz. „Ich erkenne einfach an, dass die anderen wahnsinnig schnell schwimmen und das gefällt mir. Ich finde es sau gut, dass die Entwicklung weiter geht“, betonte die Doppel-Weltmeisterin von 2009.

Dass der Druck nach den Enttäuschungen der ersten Tage besonders groß gewesen sei, empfand Steffen „nicht, weil man kann die Leistung der anderen nicht beeinflussen. Ich kann auch nur mein eigenes Zeug machen.“ Wie bei Freund Paul Biedermann reichte das nicht zu einer Medaille. „Es ist schwer für mich, die Situation gerade zu verkraften, wie das gelaufen ist“, sagte der Olympia-Fünfte.

dpa/sag

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