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Olympia 2012 Spezialtechnik klappt im rechten Moment
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18:22 03.08.2012
Judoka Andreas Tölzer hat seine erste olympische Medaille gewonnen. Quelle: dpa
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London

Gegen diese Technik war kein Kraut gewachsen. Als Judo-Schwergewicht Andreas Tölzer in der ExCel-Arena im Kampf um Bronze  seinen Kontrahenten Itar Makaraw am Boden hatte und den „Tölzer-Umdreher" brachte, war es um den Weißrussen geschehen. Der „Bulle von Gladbach“ griff mit seiner rechten Hand unter dessen Ärmel hindurch, schnappte sich im zweiten Versuch das Revers des Gegners und dreht ihn in die Rückenlage.

Makaraw zappelte zwar noch, kam aber aus dem eisenharten Griff des rheinischen Hünen nicht mehr heraus. 25 Sekunden später war der Kampf zu Ende. Für Tölzer, den Vizeweltmeister der vergangenen beiden Jahre,  war es  im dritten Anlauf die erste olympische Medaille. „Jetzt bin ich glücklich. Ich fühle mich wie ein Sieger, bin wahnsinnig stolz“, jubelte er und wischte sich den Schweiß von der Stirn. 

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Nach dem Halbfinale, wenige Minuten zuvor, hatte das noch ganz anders ausgesehen. Tölzer fand nicht in den Kampf, kassierte in der Verlängerung gegen  den Russen Alexander Michajlin wegen Passivität die zweite Verwarnung und verlor. „Das Urteil war korrekt. Er hat eine Chance verschenkt, nicht das umgesetzt, was er versprochen hatte", schimpfte Bundestrainer Detlef Ultsch. „Ich hab' mit der Welt gehadert, sagte Tölzer, der so das erhoffte Finale gegen den späteren Sieger Teddy Riner aus Frankreich verpasste.

In der kurzen Pause bis zum Kampf um Bronze folgte eine Ansprache des Trainers, die bei Tölzer offenbar Wirkung zeigte. „Woran es im Halbfinale lag, weiß ich nicht. Aber dann habe ich mich sicher gefühlt“, erzählte der 1,92 Meter große und 145 Kilogramm schwere Athlet, der in der Bundesliga für den TSV Abendsberg auf die Matte geht.

Für den Deutschen Judo-Bund war es in London die vierte Medaille, Ultsch sprach von einer ausgezeichneten Bilanz. „Wir sind der stärkste deutsche Kampfsportverband. Über die Bronzemedaille von Tölzer freue ich mich genauso sehr wie über die Silbermedaille von Ole Bischoff“, sagte er. 

Ein besonderes Dankeschön gab es von Tölzer für den Potsdamer Schwergewichtler Robert Zimmermann. „Er hat sich super verhalten, sich in den Dienst der Mannschaft gestellt und mir die gesamte Zeit als Trainingspartner zur Verfügung gestanden, auch hier in London“, erzählte der 32-Jährige. Ob Zimmermann irgendwann in Tölzers Fußstapfen treten kann, ließ der glückliche Medaillengewinner offen. „Ich denke noch längst nicht ans Aufhören, möchte noch Weltmeister werden“, so Tölzer. „Aber jetzt wird erst einmal gefeiert. Ich will die nächsten Wochen und Monate genießen.“

Jens Trommer

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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