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Olympia 2012 Storl stößt knapp am Olympia-Sieg vorbei
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10:18 04.08.2012
David Storl feiert seine Silbermedaille. Quelle: dpa
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London

Erst 22 Jahr', Olympiasieger um ein Haar: David Storl hat die Goldmedaille im Kugelstoßen um läppische drei Zentimeter verpasst. Dennoch bescherte der Weltmeister aus Chemnitz den deutschen Leichtathleten in London eine starken Auftakt. Der 126 Kilogramm schwere Storl wuchtete am Freitagabend die 7,257 Kilo schwere Kugel auf 21,86 Meter und ließ alle Routiniers im Ring alt aussehen - bis auf Tomasz Majewski: Der 30 Jahre alte Pole triumphierte mit 21,89 Meter wie schon vor vier Jahren in Peking. Bronze gewann Ex-Weltmeister Reese Hoffa aus den USA mit 21,23 Meter.

„Ich habe hier Silber gewonnen, das ist ein Riesenerfolg. Ich hoffe, dass ich Tomasz in vier Jahren mehr ärgern kann“, sagte der Olympia-Zweite und wollte erst gar keine Enttäuschung aufkommen lassen: „Ich freue mich riesig über Silber und kann das gar nicht glauben.“

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Es wäre der erste Olympiasieg für den Deutschen Leichtathletik-Verband seit Sydney 2000 gewesen, als Heike Drechsler und Nils Schumann innerhalb weniger Minuten Gold holten. Erstmals seit fast einem Vierteljahrhundert stand wieder ein deutscher Kugelstoßer bei Sommerspielen auf dem Treppchen: Am 23. September 1988 in Seoul hatte der Berliner Ulf Timmermann gewonnen. Dank Storl übertraf das 77-köpfige DLV-Team gleich am ersten Wettkampftag seine miserable Bilanz von Peking mit nur einmal Bronze für Speerwerferin Christina Obergföll.

Der jüngste Kugelstoß-Weltmeister der Sportgeschichte hatte sich schon bei der Qualifikation am Morgen unbeeindruckt von der Kulisse von 80 000 Zuschauern gezeigt. Mit nur einem Stoß auf 21,15 Meter kam er weiter und zeigte das Victory-Zeichen.

Am Abend legte das „Jahrtausendtalent“ (Europameisterin Nadine Kleinert) nach – und wie: Gleich im ersten Versuch schockte er die im Durchschnitt zehn Jahre ältere Konkurrenz mit der persönlichen Bestweite von 21,84 Metern. Im nächsten Durchgang legte er noch zwei Zentimeter drauf – und stieß wie zur Drohung wieder einen Kampfschrei aus. Doch Majewski konterte im dritten Versuch mit 21,87, Storl konnte ihn nicht mehr übertrumpfen. Majewski schaffte vor seiner Ehrenrunde noch zwei Zentimeter mehr. Ex-Europameister Ralf Bartels aus Neubrandenburg hatte am Morgen mit 20,00 Metern die Medaillenvergabe verpasst.

Weitsprung-Europameister Sebastian Bayer darf nach einer Zitterpartie in der Qualifikation auf eine Medaille hoffen. Der Hamburger kam mit schwachen 7,92 Metern als Zwölfter gerade noch ins Finale an diesem Samstag. Christian Reif aus Ludwigshafen, der EM-Goldmedaillengewinner von 2010, sprang genau die selbe Weite, flog aber aufgrund des schlechteren zweiten Versuchs raus.

In der ersten Laufentscheidung gewann Äthiopiens Ausdauer-Ass Tirunesh Dibaba wie schon 2008 in Peking Olympia-Gold über 10.000 Meter. Sie setzte sich in 30:20,75 Minuten klar vor Sally Jepkosgei Kipyego und Weltmeisterin Vivian Jepkemoi Cheruiyot, beide aus Kenia, durch. Sabrina Mockenhaupt von der LG Sieg kam als 17. in Ziel.

Euphorisch feierten die Briten ihre Siebenkampf-Hoffnung Jessica Ennis: Als die Weltmeisterin von 2009 um 10.29 Uhr aus dem Startblock schoss, schien das Gebrüll von den Rängen die 26-Jährige über die Hürden zu tragen. Mit 12,54 Sekunden legte Ennis eine glänzende Zeit vor - „Weltrekord“ für Siebenkampf und britischer Rekord über 100 Meter Hürden.

Einen Start nach Maß erwischte auch Lilli Schwarzkopf (LG Rhein-Wied), die mit 13,26 Sekunden persönliche Bestzeit rannte. Nach Hürdensprint, Hochsprung, Kugelstoßen und 200 Metern lag sie mit 3855 Punkten als beste Deutsche auf Rang acht, war aber nicht zufrieden und schimpfte: „Ich brauche meinen Trainer hier, und nicht den Bundestrainer. Ich bin doch keine Maschine.“ Ennis führte nach dem ersten Tag mit 4158 Zählern vor Austra Skujyte aus Litauen (3974). Die WM-Dritte Jennifer Oeser aus Leverkusen und die angeschlagene Neubrandenburgerin Julia Mächtig kamen nicht in Tritt und belegten in der Zwischenwertung die Plätze zwölf und 32.

Ex-Europameisterin Verena Sailer kam im 100-Meter-Vorlauf in 11,12 Sekunden weiter: „Cool. Das war knapp, aber geschafft ist geschafft“, sagte die Mannheimerin. Sang- und klanglos in der ersten Runde ausgeschieden sind Silvio Schirrmeister (Chemnitz) über 400 Meter Hürden und Steffen Uliczka (Kiel) über 3000 Meter Hindernis. Der Berliner Carsten Schlangen hingegen steht im Halbfinale über 1500 Meter.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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