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Olympia 2012 Zünftig in die Hose
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22:32 29.07.2012
„Wir dachten, das wird eine sichere Kiste": Startschwimmerin Britta Steffen. Quelle: dpa
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London

Mit halber Kraft, so hatten sich die Trainer des Deutschen Schwimmverbandes (DSV) das ausgemalt, sollten Britta Steffen, Silke Lippok, Lisa Vitting und Daniela Schreiber über 4x100 Meter Freistil ins Finale schwimmen. Heraus kam ein ernüchternder 9. Platz und das Aus in der Vorrunde – als das Quartett aus Australien später olympisches Gold vor den Niederlanden und den USA sammelte, konnten die mitfavorisierten deutschen Schwimmerinnen im Aquatics Centre nur von oben zuschauen.

„Selbst ausgedacht haben wir uns die Taktik nicht“, maulte Schreiber. Doch ein wenig Selbstüberschätzung war auch bei den Sportlerinnen spürbar. „Wir hatten gehofft, dass wir relativ locker ins Finale kommen und uns noch Reserven lassen. Wahrscheinlich waren das zu viele Reserven. Nun haben wir die A-Karte“, grummelte die 23-Jährige. Auch Startschwimmerin Steffen gab sich angesichts der Pleite erstaunlich locker: „Mit der Zeit vom letzten Jahr haben wir eigentlich gedacht, dass wir sicher ins Finale kommen. Wir haben gedacht, wenn wir da mitschwimmen und Daniela hinten drauf, das wird eine sichere Kiste.“

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So sicher war es dann aber doch nicht. Zwar schlug Steffen nach 54,43 Sekunden als Zweite an, doch Lippok konnte der Konkurrenz nicht folgen. Das DSV-Quartett wurde auf Platz 6 durchgereicht, Vitting und Schreiber konnten nicht mehr viel retten. Aus der Traum von einer Olympiamedaille.

„Nach dem 3. Platz bei der Weltmeisterschaft in Schanghai sind wir davon ausgegangen, dass wir leistungsstärker sind“, räumte Mannschaftsleiter Buschkow ein. „Es gab die interne Ansage, Britta sollte 90, 95 Prozent geben, Silke Lippok und Lisa Vitting volle Kraft und Daniela Schreiber einen taktischen Endspurt, dass es fürs Finale reicht. Das ist natürlich zünftig in die Hose gegangen.“

Dabei hätten die Verantwortlichen des DSV allein nach der wechselvollen Laufbahn von Franziska van Almsick wissen müssen, dass Pokern wenig bringt. Erinnert sei an die Weltmeisterschaft 1994 in Rom, als die Berlinerin als Vorlaufneunte über 200 Meter Kraul bereits draußen war, dann nur durch den spektakulären Verzicht von Dagmar Hase ins Finale rutschte – und dort mit Weltrekord gewann. Weitere Beispiele ließen sich beliebig anfügen.

Bleibt abzuwarten, ob der Fehlstart in die Olympischen Spiele nun abstrahlt, oder ob es bei einem Ausrutscher bleibt. Bislang galt die Faustregel: Immer wenn die Freistilstaffel der Frauen zu Beginn patzt, geht anschließend fast das gesamte DSV-Team baden. Das war 2000 in Sydney so, 2004 in Athen und 2008 in Peking. In China konnte sich nur Steffen gegen den Trend stemmen.

Eines haben die DSV-Trainer und Buschkow in London immerhin begriffen: „Zum Taktieren reicht das Leistungspotenzial unserer Mannschaft  nicht aus. Wir müssen immer mit voller Kraft schwimmen.“

Jens Trommer

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