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WM 2010 Ballack grüßt nur noch aus der Ferne
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21:28 21.05.2010
Ausnahmezustand in Eppan: Die deutschen Fußball-Nationalspieler – hier der Pattenser Per Mertesacker – hatten bei ihrer Ankunft in Südtirol alle Hände voll zu tun.
Ausnahmezustand in Eppan: Die deutschen Fußball-Nationalspieler – hier der Pattenser Per Mertesacker – hatten bei ihrer Ankunft in Südtirol alle Hände voll zu tun. Quelle: ap
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Sie haben an fast alles gedacht in der Südtiroler Gemeinde Eppan. Als der Bus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am Freitagnachmittag durch die engen Gassen des kleinen Weinörtchens Girlan kurvte, war es sonnig und 25 Grad warm, der Wetterbericht verspricht für das Pfingstwochenende 28 Grad und wenige „harmlose Wolken“. Mit den deutschen Nationalspielern kam auch der Sommer, der bislang nicht nur um Deutschland, sondern auch um das sonnenverwöhnte Südtirol einen großen Bogen gemacht hatte.

Die Gemeinde hat in der „Sportzone Rungg“ mitten im Montiggler Wald extra einen neuen Naturrasenplatz angelegt; der alte Hartplatz des FC Eppan wurde zum Parkplatz für die 230 Journalisten umfunktioniert, die bis zum 2. Juni vom Trainingslager der deutschen Elf berichten. 100 freiwillige Helfer, vom Sicherheitspersonal über die Feuerwehr bis zum Hundeführer, wurden in den vergangenen Wochen speziell für die prominenten Gäste geschult.

Nur eines haben sie vergessen, man sieht es sofort an der Einfahrt zum Sportzentrum, wo ein großes Schild mit einem Mannschaftsfoto die deutschen Spieler willkommen heißt, natürlich zweisprachig, wie sich das in Südtirol gehört. „Willkommen in Eppan“, steht auf dem Schild, „Benvenuti ad Appiano“. Doch das Bild der „Ritiro della Nazionale Germanica“, der deutschen Nationalelf, ist nicht mehr aktuell. Vorne sitzt noch erwartungsvoll schauend der verletzte Torwart Rene Adler, in der hinteren Reihe steht zwischen Mario Gomez und Per Mertesacker der verletzte Kapitän Michael Ballack. Ballack ist nur auf dem Bild in Südtirol, mitgereist ist er nicht. Am Morgen hatte er sich auf Sizilien von der Mannschaft verabschiedet, Ballack flog von Palermo nach Mallorca, wo er am Sonntag bei der Sendung „Wetten dass...?“ zu Gast ist. Die Kollegen flogen nach Verona, von dort ging es mit dem Bus weiter nach Eppan.

Bevor sich die Wege trennten, hatten sich die Nationalelf-Kollegen noch auf dem Gips von Ballack am rechten Fuß verewigt. „Ich hoffe, dass du mit uns bald wieder auf dem Platz stehst“, sagte Mertesacker im Namen des Mannschaft. Ballack bat darum, seine Verletzung „nun schnell abzuhaken. Der Blick muss wieder nach vorne gehen. Ihr seid ein starkes Team.“ Auch der Bundestrainer erlaubte sich nur einen kurzen Blick zurück. „Über den Sport hinaus ist ein Stück Zusammenhalt entstanden, von dem wir jetzt in Südtirol und später auch in Südafrika profitieren werden“, sagte Joachim Löw.

Der Bundestrainer ist ein Großmeister der Vorbereitung, er weiß, dass der Erfolg bei der Weltmeisterschaft in Südafrika von der Arbeit vorher abhängt. Und weil von Montag an dann auch die sieben Spieler des FC Bayern München dabei sein werden, sieht die Trainingsarbeit in Südtirol anders aus als auf Sizilien. „Wir werden weniger im Fitness-Raum sein und mehr auf dem Trainingsplatz stehen. Das Einüben von taktischen Varianten und Spielzügen soll im Mittelpunkt stehen“, sagte Löw. „Es ist für unser Team immer wichtig, dass wir vor Turnieren gewisse Abläufe im Spiel präzise üben und genau einstudieren.“ Automatismen nennt das der Bundestrainer, was konkret bedeutet: Abwehrchef Mertesacker muss wissen, was Torhüter Manuel Neuer bei Ecken macht, ob er rauskommt oder auf der Linie bleibt. Bastian Schweinsteiger soll lernen, wie sich die Stürmer bewegen und wohin sie den Ball haben wollen. Und so weiter und so weiter.

Damit das nicht alles morgen in der Zeitung steht oder im Internet auf Video zu sehen ist, hat Löw den Trainingsplatz mit einem grünen Sichtschutzzaun umgeben. Dass in dieser Hinsicht nicht alles ganz perfekt ist, hängt mit der Gegend zusammen. Wo Berge sind, gibt es immer eine Möglichkeit zum Ausblick, in diesem Falle zum Einblick. Die Jungs vom Boulevard kriegen so etwas schnell raus. Mal schauen, was die Hundeführer davon halten.

Aus Eppan berichtet Heiko Rehberg

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