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WM 2010 Bastian Schweinsteiger provoziert Argentinier vor dem Viertelfinale
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07:28 01.07.2010
Von Heiko Rehberg
Seit Mittwoch ist jedem klar: Bastian Schweinsteiger ist kein Freund des argentinischen Fußballs. Quelle: dpa
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Bastian Schweinsteiger ist bei dieser Fußball-Weltmeisterschaft nicht zu stoppen. Nicht auf dem Platz, nicht auf dem Podium. Eine halbe Stunde lang hatte Bundestrainer Joachim Löw gestern im WM-Quartier der deutschen Nationalmannschaft versucht, alle Klippen zu umschiffen vor dem Viertelfinalduell am Sonnabend (16 Uhr, live im ZDF) gegen Argentinien. Löw erwartet in Kapstadt ein enges, ein emotionales, ein packendes Spiel, und weil erstmals zahlreiche Reporter aus Japan, Spanien und Argentinien im deutschen Lager vorbeischauten, vermied der Bundestrainer – zum Beispiel bei Fragen nach den Schwächen des Gegners – jedes Wort, das ihm später als Provokation hätte ausgelegt werden können.

Als Löw ging, kam Thomas Müller und dribbelte bei Erkundigungen nach Diego Maradonas Trainerqualitäten an allen Stolperfallen souverän vorbei. Auf ihn folgte Schweinsteiger, und der machte alle Bemühungen seines Chefs und seines Mitspielers zunichte. Schweinsteiger spielte mit Lust und Laune den Einheizer und Provokateur, erstmals bekam man außerhalb des Spielfeldes einen kleinen Einblick, was Löw meinte, als er Schweinsteiger „den emotionalen Führungsspieler“ genannt hatte.

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Der 25-Jährige ist, so darf man das getrost formulieren, kein Freund des argentinischen Fußballs und der südamerikanischen Mentalität. Bei ihm hat diese Abneigung eine Vorgeschichte, sie hängt mit einem Spiel zusammen, das gestern vor vier Jahren in Berlin stattfand. Wie am Sonnabend in Kapstadt war es ein WM-Viertelfinale gegen Argentinien, Deutschland gewann mit 4:2 im Elfmeterschießen; an das, was danach passierte, hat Schweinsteiger noch viele Erinnerungen. „Die Handgreiflichkeiten stecken bei uns noch in den Köpfen drin“, sagte er. Enttäuscht über die Niederlage zettelten die Argentinier damals noch auf dem Spielfeld eine Rangelei an, bei der Leandro Cufre Per Mertesacker in den Unterleib trat. Selbst Harald Stenger, Medienchef des Deutschen Fußball-Bundes, mischte vor vier Jahren auf dem Platz mit, „als Schlichter“, wie er gestern betonte; Mittelfeldspieler Torsten Frings langte als „Rächer“ von Mertesacker wie ein Boxer mit der Faust nach Julio Cruz und wurde später vom Weltverband FIFA für das Halbfinale gegen Italien (0:2 nach Verlängerung) gesperrt. Mit Frings, das haben Schweinsteiger und Co. später immer wieder erzählt, wäre das Spiel gegen Italien nicht verloren gegangen.

Wenn man so will, hat Argentinien bei Schweinsteiger das Gefühl ausgelöst, beim Sommermärchen im eigenen Land um das Final-Happy-End gebracht worden zu sein. Der Stachel sitzt tief, noch vier Jahre später, das ist vor dem erneuten Aufeinandertreffen zu spüren. Und weil Vizekapitän Schweinsteiger, anders als Kapitän Philipp Lahm, vor der WM in Südafrika nicht noch schnell einen Kompaktkurs in Diplomatie belegt hat, machte er keinen Hehl aus seiner Abneigung.

Schweinsteiger berichtete von argentinischen Fans, die sich auf der Tribüne auf Plätze gesetzt hätten, „für die sie gar keine Karten besaßen“. Und sie wären nicht einmal aufgestanden, als man sie darauf hingewiesen habe. Andere Fans hätten dafür stehen müssen. „Aber das ist so ein bisschen ihre Mentalität.“

Er ließ offen, ob das bei einem WM-Spiel in Südafrika passiert war oder zuletzt im März beim Freundschaftsspiel in der Münchener Allianz-Arena. Auch wer Bekanntschaft mit der argentinischen Hartnäckigkeit gemacht hatte, erwähnte Schweinsteiger nicht, vieles spricht dafür, dass es Freunde oder Bekannte von ihm waren.

Doch der Bayer war noch nicht am Ende. Ohne explizit danach gefragt worden zu sein, berichtete er von den Beobachtungen, die er bei Argentiniens WM-Spielen am Fernsehgerät im Mannschaftshotel gemacht hatte, zuletzt beim 3:1-Achtelfinalsieg gegen Mexiko. „Wie sie gestikulieren, wie sie versuchen, den Schiedsrichter zu beeinflussen – das gehört sich nicht und ist respektlos. Aber die Argentinier sind so.“ Den argentinischen Reportern, die später eine Übersetzung vom Deutschen Fußball-Bund bekamen, dürften bei diesen Sätzen die Ohren geklingelt haben – und das Medienecho in den großen Zeitungen von Buenos Aires lässt sich unschwer vorstellen.

Schweinsteiger sagte noch, dass er sich am Sonnabend in Kapstadt „ein gutes Auge des Schiedsrichters“ wünsche. Und Schweinsteiger, der kleine Provokateur, sagte: „Ich hoffe, dass es uns gelingt, uns nicht provozieren zu lassen.“