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WM 2010 Boateng legt im Bruder-Zwist nach
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14:31 16.06.2010
Energiegeladen: Kevin-Prince Boateng bei seinem starken WM-Debüt bei Ghanas 1:0-Sieg gegen Serbien. Quelle: afp
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Kevin-Prince Boateng will sich bei der WM von seiner besten Seite zeigen, aber im Zwist mit Halbbruder Jerome konnte sich Ghanas neuer Fußball-Liebling eine weitere kleine Spitze doch nicht verkneifen. „Mich zu kritisieren, um sich selber ins rechte Licht zu rücken - das bin ich gewohnt“, stichelte der Mittelfeldspieler in der „Sport Bild“ (Mittwoch) wenige Tage vor dem möglichen ersten Bruderduell der WM-Geschichte am 23. Juni.

Damit spielte Kevin-Prince Boateng auf Jeromes Reaktion nach seinem üblen Foul im englischen Cup-Finale gegen Michael Ballack an. Der Außenverteidiger vom Bundesligisten Hamburger SV hatte gesagt, dass der Tritt eigentlich eine Rote Karte hätte nach sich ziehen müssen. Dies nahm ihm der als Heißsporn bekannte Kevin-Prince so übel, dass seitdem Eiszeit zwischen den Halbbrüdern herrscht.

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Und das könnte noch lange so bleiben. „Ich möchte zu Jerome nichts mehr sagen. Nur so viel: Dass wir keinen Kontakt mehr haben, hat seine Gründe“, giftete Kevin-Prince Boateng. Während der 23-Jährige die Familien-Affäre eher bissig und schmallippig kommentierte, wollte sein Schwärmen über die „Black Stars“ im WM-Quartier in Sun City fast kein Ende mehr nehmen. „Ich danke Gott und meinem Vaterland, dass sie mir diese großartige Gelegenheit gegeben haben, meine Fähigkeiten der Welt zu zeigen“, sagte Boateng der ghanaischen Zeitung „Daily Graphic“ (Mittwoch).

Im Training im benachbarten Mogwase-Stadion sah man dem gebürtigen Berliner an, wie wohl er sich im Kreise seiner Nationalelf-Kollegen fühlt. Beim Kurzpass-Spiel scherzte er immer wieder mit dem Leverkusener Hans Sarpei. Und auch beim gemeinsamen Gebet, mit dem die Westafrikaner ihr tägliches Training beginnen, öffnete sich sofort der Kreis, als der Portsmouth-Profi als Letzter dazustieß. „Es fühlt sich an, als wäre er schon sehr lange dabei. Er genießt es im Team, daher sind wir froh, dass wir ihn haben“, sagte Nationalcoach Milovan Rajevac.

Nicht zuletzt dank Boatengs starkem WM-Debüt beim 1:0-Sieg gegen Serbien sind die Ghanaer zuversichtlich, schon am Samstag in Rustenburg gegen die angeschlagenen Australier den Einzug ins Achtelfinale perfekt zu machen. „Wir werden gegen sie das machen, was wir gegen die Serben gemacht haben - wir werden sie überhaupt nicht spielen lassen“, tönte Linksverteidiger Sarpei, der zum Auftakt ein „Super-Spiel“ von Boateng gesehen hatte.

Doch beileibe nicht überall hört man nur lobende Worte über Boateng. In Deutschland haftet ihm - nicht erst seit seinem Tritt gegen Ballack und dessen WM-Aus - der Ruf des „Bad Boys“ an. Und dass er immer wieder gegen seinen 18 Monate jüngeren Halbbruder Jerome stichelt, lässt die Schar der Bewunderer in seinem Geburtsland auf ein Minimum schrumpfen.

Oliver Bierhoff weiß, dass Jerome die kleinen Verbal-Attacken immer wieder an sich abprallen lassen muss. „Es ist natürlich nicht leicht für ihn, wenn er auf den anderen reagieren muss. Das ist nicht immer angenehm“, hatte der Manager der deutschen Nationalmannschaft zuletzt gesagt, aber auch betont: „Jerome ist klar im Kopf. Deshalb machen wir uns keine Sorgen.“

Darauf ließ auch Jerome Boatengs besonnene Reaktion auf das Brutalo-Foul seines Halbbruders schließen. Im ersten Trainingslager auf Sizilien hatte er betont, der Tritt sei keine Absicht gewesen und erklärt: „Er ist mein Bruder, und er wird immer mein Bruder bleiben.“ Doch derzeit herrscht Eiszeit im Hause Boateng - zumindest so lange, wie Ghanas Jung-Nationalspieler seine Sticheleien fortsetzt.

dpa

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