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WM 2010 Bundestrainer Löw will sofort auf Erfolgswelle
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15:39 11.06.2010
Gibt den Ton an: Bundestrainer Joachim Löw. Quelle: dpa
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Der Bundestrainer sieht sein Team bereit für die schwierige Mission am Kap, will aber keine konkrete Zielvorgabe verteilen, um vor allem seinem WM-unerfahrenen Personal nicht noch mehr Druck aufzubürden. „Ein Ziel bei einem Turnier ist immer, jedes Spiel zu gewinnen. Aber ein Muss ist es für mich nicht“, sagte Löw am Freitag der Nachrichtenagentur dpa.

Ein Sieg im Auftakt-Match gegen Australien am Sonntag (20.30 Uhr/ZDF und Sky) ist für Löw und seine jungen Spieler dennoch enorm wichtig. „In einem Turnier bewegt man sich auf einem schmalen Grat. Da entscheiden wenige Situation über den Verbleib im Turnier, über Erfolg und Enttäuschung. Ein Erfolgserlebnis zum Start wäre wichtig für das Selbstbewusstsein“, betonte der Chefcoach. Kapitän Philipp Lahm ist sogar schon vor dem Tag X überzeugt, dass die neue deutsche Elf mit einer Mischung aus jugendlichem Elan und durchaus vorhandener Erfahrung in Südafrika „Großes“ leisten kann: „Das ist die Mannschaft, die am meisten Qualität hat von allen Nationalmannschaften, in denen ich bisher gespielt habe.“ Gleich das erste Spiel in Durban wird eine harte Nuss. „Alles andere als ein Spektakel“, sondern einen harten Abnutzungskampf erwartet Löw gegen die Australier. „Sie haben Leidenschaft und eine fast schon perfekte Defensiv-Organisation. Da haben sich schon andere Nationen die Zähne ausgebissen“, warnte der Bundestrainer. Vor vier Jahren hatten die „Socceroos“ im WM-Achtelfinale den späteren Weltmeister Italien am Rande des K.o. - nur ein schmeichelhafter Elfmeter rettete damals die Azzurri.

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Mit Akribie, Konzentration, aber auch viel Lust hat Löw vor seinem 50. Länderspiel als Bundestrainer am Feinschliff gearbeitet. „Es ist eine schöne Herausforderung, im Konzert der Großen mitzuspielen“, gab Franz Beckenbauer der Generation Özil & Co. mit auf den Weg, der mindestens ins Halbfinale führen soll. Vize-Kapitän Bastian Schweinsteiger warnte davor, die guten Eindrücke aus der Vorbereitung zu überschätzen: „Das ist schon noch ein Unterschied. Bei der WM darf man sich nicht viele Fehler erlauben.“ Löws Startelf steht, auch wenn sein Assistent Hansi Flick am Freitag nochmals von „zwei, drei Positionen“ sprach, über die der Trainerstab noch nachdenken würde. „Für einen Trainer ist das Gold wert, wenn er weiß, dass er Spieler hat, die in einem Spiel sofort da sind, sofort ins Spiel finden“, erklärte dagegen Löw auf die Frage nach der Bedeutung der Joker Cacau, Thomas Müller und Marko Marin.

Mit den unterschiedlichen Spielertypen habe er in der Offensive Möglichkeiten: „Marin ist körperlich besser geworden, Cacau hat sich stark gezeigt, auch Müller, der reinkam in der zweiten Halbzeit gegen Bosnien, hat sich sofort integriert“, betonte der 50-Jährige.

Löw selbst hat nach schwierigen und aufregenden Monaten in Südafrika mehr zu gewinnen als zu verlieren. Nur bei einem Aus schon nach den drei Gruppenspielen gegen Australien, Serbien (18. Juni) und Ghana (23. Juni) würde die Bundestrainer-Zeit des Schwarzwälders wohl ohne größere Debatten zu Ende gehen. Bei bisher 16 WM-Teilnahmen ist Deutschland noch nie in der Vorrunde gescheitert. Von der K.o.-Runde an hält Löw, der in den vergangenen Wochen seine totale Unabhängigkeit vom Verband zeigte, alle Trümpfe in der eigenen Hand. Schon jetzt ist er der punktbeste der bisher zehn Bundestrainer.

„Ich bin die Ruhe selbst. Ich freue mich, dass es losgeht“, sagte Löw. „Die Situation ist jetzt vergleichbar mit der von 2006, als Jürgen Klinsmann Bundestrainer war“, erklärte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach nach den mit viel Getöse und Vorwürfen geplatzten Vertragsgesprächen zu Jahresbeginn. Bei Löw, dessen Kontrakt mit Turnierende ausläuft, sind vor allem durch die Indiskretionen Narben geblieben. Das neue Werben von Verbands-Präsident Theo Zwanziger interessierte den Freiburger in Südafrika wenig, abgeschlossen ist das Kapitel DFB aber für Löws Zukunfts-Planung noch nicht.

„Das ist komplett ausgeblendet. Wir spielen nicht für den Trainer, wir spielen für unser Land, für unser Team“, erklärte Schweinsteiger zur Trainerfrage. In seinem 75. Länderspiel soll der Münchner die Rolle als Mittelfeldchef für den verletzten Michael Ballack ausfüllen. Allerdings unterstrich Kapitän Lahm auch nochmals die große Bedeutung, die Löw gerade beim aktuellen Team des dreimaligen Weltmeisters zukommt. „Es ist sehr, sehr wichtig, dass ein guter Trainer an der Spitze steht. Wir haben viel Qualität, aber die müssen wir auch auf dem Platz umsetzen.“

Beckenbauer macht vor dem 93. WM-Spiel eines deutschen Teams der neuen Spielergeneration Mut. „Ich sehe jetzt keine übermächtige Mannschaft“, sagte der Ex-Teamchef. Nur einmal hat das DFB-Team 1982 in Spanien ein WM-Auftaktspiel verloren, mit 1:2 gegen Algerien. Bei den letzten fünf Ouvertüren gab es immer Siege. Beim 8:0-Schützenfest gegen Saudi-Arabien 2002 hatte Miroslav Klose drei Treffer beigesteuert, vor vier Jahren schlug Klose beim 4:2 gegen Costa Rica zweimal zu. Gegen Australien soll der Münchner wieder explodieren.

dpa

Heiko Rehberg 10.06.2010