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WM 2010 Capello und England-Stars am Pranger
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13:52 28.06.2010
„The Time’s up, Fab“ titelt die Online-Ausgabe der englischen Boulevardzeitung „The Sun“. Quelle: dpa
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Die Zeitungen meinten damit aber nicht Schiedsrichter Jorge Larrionda, der der englischen Fußball-Nationalmannschaft bei ihrem 1:4 (1:2)-Debakel im WM-Achtelfinale gegen Deutschland ein klares Tor verweigert hatte. Am Pranger stehen nach diesem schmerzhaften WM-K.o. allein die englischen Spieler und ihr Trainer Fabio Capello.

„Zeit zu gehen, Fabio! Verzieh Dich, und nimm Deine Spieler mit“, titelte das Boulevardblatt Sun. Superstars wie Wayne Rooney oder Steven Gerrard hatten derart schlecht gespielt bei diesem Turnier und Capello genauso hilflos gewirkt bei der Suche nach einem Gegenrezept, dass dies in der Rückschau sogar eine Skandal-Entscheidung wie die des Referees aus Uruguay in den Schatten stellte.

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Im Minutentakt wurde Capello bei der Pressekonferenz nach dem Spiel gefragt, ob er nun zurücktreten wird. Aber der Italiener sagte zunächst nur: „Ich habe mich noch nicht entschieden. Ich werde ein Gespräch mit dem Verbandspräsidenten führen, weil ich wissen will, ob er noch hinter mir steht oder nicht.“ Schon in diesen ersten Minuten nach der Partie hatten sich in Bloemfontein zwei Fronten gebildet:

Die englischen Fans weinten im Stadion oder beschimpften ihr Team, die Medien forderten umgehend Capellos Kopf. Einige Spieler und der Trainer versuchten dagegen, sich mit ihrer Schiedsrichter-Kritik aus einer der schmachvollsten Stunden des englischen Fußballs zu retten.

„Die Leistung war unfassbar“, schimpfte Capello. „Es war für die Spieler schwierig, kühlen Kopf zu bewahren.“ John Terry („Das Tor zum 2:2 hätte das Spiel geändert“) oder der verhinderte Torschütze Frank Lampard („Der war bestimmt ein Yard drin“) klangen ähnlich. Die Medien werteten dies als Versuch, vom eigenen Versagen abzulenken.

So schrieb die „Times“: „In der Vergangenheit gab es immer praktische Sündenböcke, auf die sich englische Frustrationen richten konnten - Peter Bonetti, Diego Maradona, David Beckham, Phil Neville, Cristiano Ronaldo oder Urs Meier. Aber die Fehlschläge in Serie zwingen uns, genauer hinzusehen. Es liegt nicht an ihnen. Es liegt an uns.“

In der Tat hat die vermeintlich „goldene Generation“ um Lampard, Terry (beide Chelsea), Steven Gerrard (Liverpool) und Wayne Rooney (Manchester United) mit ihren Clubs fast alles gewonnen, mit der Nationalelf aber nichts. 2002 und 2006 schieden sie im Viertelfinale aus, bei der EM 2008 waren sie gar nicht erst dabei. Immer, wenn es für England um etwas geht, enttäuschen die „Fab Four“ - sei es, weil sie jedes Mal überspielt sind nach einer harten Saison im Verein, oder weil die Premier League kaum brauchbare Mitspieler hervorbringt. Die meisten Schlüsselpositionen sind dort mit Ausländern besetzt.

Nur Rooney ist mit 24 Jahren jung genug für einen weiteren Anlauf. Für viele andere englische Spieler starb mit dieser Vorführung durch ein spielerisch klar besseres deutsches Team die letzte Hoffnung auf den WM-Titel. Entsprechend konsterniert schlichen sie in Bloemfontein aus dem Stadion. Nur Lampard, Gerrard, Cole und James stellten sich den Fragen der Medien. Viele andere wie Rooney trugen Kopfhörer, blickten ins Leere und eilten in den Bus. Wenn es nicht gerade um den Schiedsrichter ging, verhielten sich die „Three Lions“ eher wie die berühmten drei Affen: Nichts sehen, nichts hören, nichts sprechen.

Capello hatte nach dem Abpfiff auf jeden von ihnen gewartet und ihm die Hand gegeben. Der Schulterschluss zwischen Trainer und Stars funktionierte in Südafrika nur nach dem Debakel und nicht davor. Der große Analytiker scheiterte bei der WM an etwas, das er in Mailand oder Madrid immer gut beherrschte - aus guten Einzelspielern ein noch besseres Team zu formen.

Ein Rauswurf Capellos wäre teuer für den Verband. Erst kurz vor der WM hatte die FA seinen Vertrag bis 2012 verlängert und eine Ausstiegsklausel gestrichen. Die Medien hoffen auf einen Rücktritt des 64-Jährigen: „Fabi-Go“, titelte „The Mirror“.