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WM 2010 Das deutsche Nationalteam macht sich auf nach Südafrika
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20:00 04.06.2010
Bereit für große Taten: Das deutsche Fußball-Nationalteam. Quelle: dpa
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Mit einem „guten Gefühl“, sagte Joachim Löw und rührte nachdenklich mit dem Löffel in einer Tasse Kaffee. Die letzte Übersetzung des Kollegen Safet Susic auf der Pressekonferenz hatte der Bundestrainer noch im Ohr: „Deutschland ist der große Favorit und wird Gruppenerster, Australien nur Vierter“, sagte der Coach von Bosnien-Herzegowina. Gute Gefühle der Republik werden Löw und die deutsche Nationalelf begleiten, wenn sie am Sonntagabend in Frankfurt im neuen Riesenflieger Airbus A380 nach Südafrika abheben werden. Gute Gefühle nach einem „richtigen Härtetest“ (Löw) sind schön, aber eben noch lange keine Garantie für ein gutes Abschneiden bei einer Weltmeisterschaft. Wer wüsste das besser einzuschätzen als Joachim Löw.

Immerhin: Guten Mutes und voller Selbstvertrauen kann die jüngste deutsche Nationalmannschaft bei einer WM das Auftaktspiel am 13. Juni in Durban gegen Australien angehen. Das war schon klasse, wie sie nach dem 0:1-Rückstand gegen Bosnien-Herzegowina durch Edin Dzeko mit einem Sturmlauf im Hochgeschwindigkeitstempo das Spiel in der 2. Halbzeit zu einem 3:1-Sieg drehte durch ein Traumtor Philipp Lahms sowie zwei von Bastian Schweinsteiger eiskalt verwandelte Foulelfmeter.

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Noch nie hatte ein WM-Vorbereitungsspiel der deutschen Mannschaft derartigen Härte-Charakter. Die euphorisierende Stimmung im Stadion, die große und lärmende bosnische Anhängerschar, der Ehrgeiz der Bundesliga-Profis Dzeko, Misimovic, Ibisevic und Salihovic, die Deutschen zu ärgern, der Wille und die Entschlossenheit des Löw-Teams, nach drei Wochen Trainingsdrill zu demonstrieren, was es drauf hat; all das machte das Spiel zu einer schmissigen Abschiedsparty.

Die Erkenntnisse nicht nur des Bundestrainers: Die Startelf der 2. Halbzeit drängt sich anders als die Anfangsformation für den WM-Auftakt auf. Thomas Müller und Cacau, die die schwachen Piotr Trochowski und Miroslav Klose ablösten, empfahlen sich für einen Einsatz von Beginn an. Dennoch tut sich Löw, wie er zugab, „schwer, schon von einer Stammformation zu reden“. Doch die der 2. Halbzeit ist die aggressivste, spielerisch beste, kombinationssicherste und im hohen Tempo effektivste.

Der linke Verteidigerposten des jungen Bayern Holger Badstuber nach dessen erst zweiten Länderspiel, dem ersten von Beginn an, dürfte die einzige noch offene Stelle sein. Neu-Kapitän Philipp Lahm ist rechts – siehe Traum-Tor – genau so stark wie links. Warum also wechseln? Die Innenverteidigung Per Mertesacker/Arne Friedrich hat sich mit seiner Routine gefunden und gibt keinen Anlass, sie auseinanderzureißen. Auch beim zweiten Paar, Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira im Zentrum des Spiels, wächst zusammen, was zusammen gehört.

Fazit: Löw hat die „aktive Betriebsamkeit der 2. Halbzeit“ gefallen. Der „enorme Wille“ und „die hohe Belastbarkeit, die die jungen Spieler körperlich verkraften“, seien die Stärke der Mannschaft. Am nächsten Sonntag wird sich zeigen, wie stark die deutsche Elf wirklich ist.

Hartmut Scherzer