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WM 2010 Deutsche Elf lässt keine Zweifel am Achtelfinale
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18:10 21.06.2010
Von Heiko Rehberg
„Enttäuschung ja. Aber keine tiefe Niedergeschlagenheit“: Nach der Niederlage gegen Serbien richtet Joachim Löw (Mitte) den Blick auf das Spiel gegen Ghana. Thomas Müller, Arne Friedrich, Marko Marin und Philipp Lahm (im Uhrzeigersinn) hören dem Bundestrainer konzentriert zu. Quelle: afp
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Das Aufwachen nach einem Tag, an dem fast alles schiefgegangen ist, kann oft schmerzhaft sein. Der blöde Vortag steckt noch in den Knochen und im Kopf, der Schädel brummt, in Gedanken hängt man dem nach, was falsch gelaufen ist. Joachim Löw dagegen sagte nach der 0:1-Niederlage der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft gegen Serbien: „Ich bin trotz aller Enttäuschung mit einem guten Gefühl aufgewacht.“ Keine Kopfschmerzen, kein Magengrummeln. Und entspannt eingeschlafen sein dürfte der Bundestrainer am Sonntag und Sonnabend ebenfalls.

Löw hatte sich gemeinsam mit Urs Siegenthaler, dem Fachmann für gegnerische Mannschaften und Spieler, in Rustenburg ein Bild vom letzten Gruppengegner Ghana gemacht. Was beide beim 1:1 gegen Australien zu sehen bekamen, wird Löw in seiner Auffassung vor dem entscheidenden Gruppenspiel gegen die „Black Stars“ am kommenden Mittwoch (20.30 Uhr, live in der ARD) in Johannesburg bestärkt haben: „Wir werden das Achtelfinale erreichen.“

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In den zwei Tagen nach dem 0:1 gegen die Serben hat die deutsche Mannschaft versucht, Zweifel an einem Überstehen der Vorrunde gar nicht erst aufkommen zu lassen. „Enttäuschung ja. Aber keine tiefe Niedergeschlagenheit.“ Mit diesen Worten beschrieb Löw die Stimmungslage im Team in den ersten Stunden nach der vermeidbaren Niederlage.

Am Wochenende wich der letzte Rest von Enttäuschung dann der festen Überzeugung, stark genug zu sein, um sich von dem Rückschlag nicht aus der Bahn werfen zu lassen. „Wir lassen uns nicht aus der Ruhe bringen“, sagte der Bundestrainer. In einer Mannschaftssitzung hat er seine Spieler aufgefordert, auf das Positive aus dem Serbien-Spiel zu schauen. „Ich habe ihnen gesagt: ,Leute, wir können aus der 2. Halbzeit Dinge mitnehmen, die uns Selbstbewusstsein geben, die zeigen, welche unglaubliche Moral und Willenskraft wir haben.‘ Ich habe bei niemandem einen Anflug von Resignation gesehen. Warum auch?“

Den Kurs für die Stunden bis zum Anpfiff am Mittwoch hat Löw vorgegeben: „Wir müssen mutig sein. Und konzentriert.“ Sorgen, dass die junge deutsche Mannschaft an dem Druck scheitern könnte, den die Angst vor einem Vorrundenaus erzeugt, macht sich der 50-Jährige nicht. „Drucksituationen in einem Turnier sind nicht zu vermeiden, auch nicht in den Gruppenspielen“, sagte er.

Bei der Europameisterschaft 2008 hatte sich die deutsche Mannschaft vor dem letzten Gruppenspiel gegen Österreich (Happy End mit 1:0) in eine ähnliche Situation hineinmanövriert, damals durch eine 1:2-Niederlage gegen Kroatien. Obwohl Serben und Kroaten eine ähnliche Spielweise bevorzugen, findet Löw den Vergleich mit damals unpassend. „Viele der heutigen Spieler waren vor zwei Jahren gar nicht dabei. Gegen Kroatien waren wir bei der EM völlig chancenlos und viel zu passiv. Das war jetzt gegen die Serben nicht so. Da waren wir mehr als 60 Minuten lang die bessere Mannschaft, ohne den Platzverweis für Miroslav Klose hätten wir nicht verloren.“

Dass es gegen Serbien einiges gab, was verbesserungsbedürftig ist, daraus machte Löw kein Hehl: „Wir hatten in der Anfangsphase das Heft des Handelns nicht in der Hand. Das hat mir nicht so gefallen. Serbien war doch wie ein angeschlagener Boxer, da muss man Treffer landen.“ Löw selbst hatte mit seinen Einwechslungen kein Glück; Cacau, Marko Marin und der erschreckend teilnahmslose Mario Gomez konnten dem deutschen Spiel keinen neuen Dreh geben. „Da hätte ich mir mehr erhofft“, sagte der Bundestrainer.

Am Mittwoch gegen Ghana muss Löw seine Elf verändern, durch den Ausfall des gesperrten Klose mindestens auf einer Position. Seine Überlegungen behielt er für sich und verwies auf die „zwei ganz wichtigen Trainingszeiten“ heute und morgen. Dass Cacau den Posten von Klose übernimmt, würde naheliegen – und wird bei einem Trainer wie Löw, der gerne tüftelt und überrascht, vielleicht gerade deshalb anders kommen. Holger Badstuber, gegen Serbien überfordert, wird als erster Kandidat für die Ersatzbank gehandelt, doch Löw stellte sich vehement vor den 21-Jährigen („Ich bitte, etwas vorsichtig mit ihm umzugehen, wir haben nicht allzu viele Talente dieser Art“), was nur zwei Rückschlüsse erlaubt: Das ausdrückliche Lob soll Badstuber helfen, eine Schaffenspause zu verkraften. Oder es soll ihm signalisieren: Bleib ruhig, du spielst auch gegen Ghana wieder.

Festgelegt hat sich der Bundestrainer nur beim Thema Elfmeter; gegen Serbien hatte Lukas Podolski einen verschossen. Mit einem Augenzwinkern sagte Löw: „Es könnte durchaus sein, dass Bastian Schweinsteiger den nächsten Elfmeter schießt.“