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WM 2010 Deutsche Elf muss um Einzug ins Achtelfinale zittern
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23:04 18.06.2010
Von Heiko Rehberg
Konsterniertes Trio: Thomas Müller, Lukas Podolski und Mesut Özil (von links) haben sichtlich Mühe, die Niederlage gegen die Serben zu begreifen. Quelle: afp
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Es brodelte in Joachim Löw, auch wenn er sich bemühte, das möglichst gut zu verbergen. Bis der Bundestrainer nach der 0:1-Niederlage der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Serbien die erste Frage beantworten musste, hatte er ein bisschen Zeit, und man sah Löw oben auf dem Podium im Nelson-Mandela-Bay-Stadion an, dass er in diesem Moment die entscheidenden Szenen der schmerzhaften WM-Niederlage in seinem Kopf noch einmal abspulte: die Gelb-Rote Karte für Miroslav Klose in der 37. Minute, der Gegentreffer von Milan Jovanovic eine Minute später, der vergebene Elfmeter von Lukas Podolski nach einer Stunde.

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„Vieles ist diesmal gegen uns gelaufen“, sagte Löw, „das alles wegzustecken, ist nicht ganz einfach.“ Innerhalb von fünf Tagen hat das WM-Drehbuch für die deutsche Mannschaft eine neue Rolle vorgesehen: Nach dem überzeugenden 4:0-Auftakterfolg gegen Australien schien sie, auch wenn das sehr wagemutig war, zum Kreis der Titelfavoriten zu gehören. Nach dem vermeidbaren 0:1 gegen unangenehme, aber gewiss nicht Furcht einflößende Serben gehört Deutschland zu den Nationen, die plötzlich damit rechnen müssen, dass das große Turnier in Südafrika für sie schneller als gedacht beendet ist.

„Natürlich sind wir mehr unter Druck“, sagte Löw vor dem dritten und letzten Vorrundenspiel gegen Ghana am kommenden Mittwoch in der „WM-Hauptstadt“ Johannesburg. Wie die Konstellation an diesem Tag genau aussehen wird, hängt davon ab, wie die Afrikaner am heutigen Sonnabend gegen Australien spielen. Doch Löw interessiert das nur am Rande. Er sagte: „Die Mannschaft ist enttäuscht. Aber wir werden uns jetzt nicht zu nervös machen lassen. Und wir werden die nächste Runde erreichen.“ Es war Löws Versprechen für die Millionen Fans in der Heimat, die nach der Ernüchterung von Port Elizabeth nun wieder rätseln dürfen: Wie gut ist diese Mannschaft wirklich? Und wie nervenstark ist sie in einem Spiel, das eine Grenzsituation zwischen Vorrundenaus und Achtelfinale sein wird?

So hat HAZ-WM-Reporter Heiko Rehberg das Spiel Deutschland - Serbien gesehen:

Gegen Serbien spielte das Schicksal der deutschen Mannschaft gleich einen Doppelstreich. Bis zur 37. Minute hatte sie nicht so mutig, schnell und entschlossen gewirkt wie gegen Australien, größere Schwierigkeiten besaß sie gegen den vorsichtigen Gegner aber nicht. Doch dann entstand Problem Nummer 1: Miroslav Klose hatte früh (12. Minute) die Gelbe Karte gesehen, eine viel zu harte Entscheidung des schwachen spanischen Schiedsrichters Alberto Undiano, der in der Folgezeit eine Vorliebe für die Farbe Gelb entwickeln sollte. Leider auch in dieser 37. Minute, als Klose sich ein zweites Foul leistete, „das die Mannschaft nach hinten geworfen hat“ (Kapitän Philipp Lahm): Der Stürmer flog mit Gelb-Rot vom Platz. Und fast postwendend entstand Problem Nummer 2, denn eine Minute später führte Serbien mit 1:0.

Es war eine lange Fehlerkette, die zu dem Treffer führte. Ihren Anfang nahm sie bei Linksverteidiger Holger Badstuber, der Milos Krasic nicht am Flanken hindern konnte, fortgesetzt wurde sie von Per Mertesacker und Philipp Lahm, die Nikola Zigic nicht an der Kopfballablage stören konnten. Und da, wo Torschütze Jovanovic stand, am Fünfmeterraum, war leider niemand, der das Schlimmste hätte verhindern können.

Korrigieren können hätte das Missgeschick Lukas Podolski, in der 60. Minute schien er wild entschlossen, das Handelfmetergeschenk des Serben Nemanja Vidic anzunehmen. Podolski lief an, schoss nach unten rechts, doch Serbiens alles andere als sicherer Torwart Vladimir Stojkovic hatte die Ecke geahnt und konnte abwehren. An einem Tag, an dem vieles schief lief, passte das irgendwie.