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WM 2010 Deutschland spielt am Sonntag gegen England
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20:45 25.06.2010
Von Heiko Rehberg
Gegen England setzt der Kapitän Philipp Lahm auf Angriff. Quelle: afp
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Ein Löwenwitz von Joachim Löw. Mehr geht eigentlich nicht vor dem Fußball-WM-Achtelfinalspiel zwischen Deutschland und England am Sonntag (16 Uhr, live in der ARD) in Bloemfontein. Das Spiel ist der erste große Höhepunkt des Turniers in Südafrika, zu Hause in Deutschland wird es der Sonntag des Jahres. Die Partie trägt das sparsam vergebene und deshalb besonders wertvolle Etikett „Klassiker“. Das Spiel ist auf beiden Seiten vollgepackt mit Vorfreude, Erwartungen, Wünschen oder Befürchtungen, da gibt es nichts Besseres als einen Bundestrainer, der mit einem spontanen Witz wenigstens für einen Augenblick etwas Luft aus dem Ball lässt.

Am Freitagmorgen hatten die deutschen Nationalspieler eine zweieinhalbstündige Safaritour in den „Lionspark“ gemacht, es war Abwechslung und Erlebnis, bevor es Sonntag gegen die „Three Lions“ aus England geht. „Ich habe eine gute Nachricht von der Tour“, sagte Löw, „keiner unserer Spieler ist von Löwen gefressen worden.“

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Was Sie sonst noch vor dem Klassiker in Bloemfontein wissen müssen, erklären wir im Frage- und Antwortspiel.

Die wichtigste Personalie zuerst: Kann der angeschlagene Bastian Schweinsteiger am Sonntag gegen England spielen?
Wenn Löw hinter seinen Einsatz – genau wie hinter den des Verteidigers Jerome Boateng – ein „ganz großes Fragezeichen setzt“, dann ist das kein taktisches Verwirrspielchen, sondern bedeutet: Schweinsteigers Oberschenkelverletzung ist ein ernstes Problem. Kapitän Philipp Lahm glaubt zwar, „dass Bastian spielen wird, weil er ein Kämpfer ist“. Doch die Verletzung zwang den Münchener auch am gestrigen Freitag zur Trainingspause, obwohl die Nationalmannschafts-Mediziner ihn „rund um die Uhr“ (Löw) behandeln. Der Bundestrainer wird bis kurz vor dem Anpfiff warten müssen, was der 25-Jährige signalisiert. Einen angeschlagenen Schweinsteiger wird er nicht einsetzen. „Mit 90 Prozent Einsatz und Gesundheit wird es gegen England nicht reichen“, sagte Löw.

Was würde Schweinsteigers Ausfall bedeuten?
„Sein Ausfall wäre für unser Spiel natürlich nicht von Vorteil“, wiederholte Löw gestern. Übersetzt bedeutet das: Müsste Schweinsteiger passen, wäre das eine sportliche Katastrophe. Sein Ausfall würde die deutsche Mannschaft dort treffen, wo sie am empfindlichsten ist und am meisten geschwächt – im defensiven, zentralen Mittelfeld. Dort gibt es nach dem Verletzungspech von Simon Rolfes, Michael Ballack, Christian Träsch und Heiko Westermann und dem Verzicht auf Torsten Frings und Thomas Hitzlsperger nur noch Schweinsteiger und Sami Khedira. Dass gerade in diesem Bereich am Sonntag mit den Engländern Steven Gerrard und Frank Lampard zwei Weltklassespieler auftauchen werden, macht die Sache kompliziert.

Welche Alternativen hätte Joachim Löw, um Schweinsteiger zu ersetzen?
Der Bundestrainer brachte Toni Kroos ins Spiel, indem er sagte, „dass ich mir seinen Einsatz durchaus denken kann“. Kroos hat im Trainingslager in Südtirol einen guten Eindruck hinterlassen, er ist technisch gut und schussstark. Aber er hat bislang nur fünf Länderspiele gemacht, davon drei Minuten im Testspiel gegen Bosnien (3:1) und neun Minuten im WM-Spiel gegen Ghana (1:0) auf dieser „Sechser“-Position, die er im Verein noch nie bekleidet hat. Kroos ist kein Balleroberer wie Schweinsteiger, Khedira müsste die Hauptlast in der Defensive schultern. Dennis Aogo, eigentlich Linksverteidiger, wäre die andere Alternative. Philipp Lahm, der ein einziges Mal diese Rolle gespielt hat, zufälligerweise beim 2:1-Sieg in England, wird von Löw nicht vom Flügel wegbeordert.

Was ist im Achtelfinale für ein Spiel zu erwarten?
„Jugendliche Spielfreude gegen Erfahrung und individuelle Klasse.“ Unter dieses Motto hat Bundestrainer Löw das Duell gestellt, Ersteres nimmt er für seine Mannschaft in Anspruch. Sein Assistent Hansi Flick hat zwar versucht, England die Favoritenrolle zuzuschieben, doch selbst die deutschen Spieler sehen das anders. „Es ist ein 50:50-Spiel“, sagte Verteidiger Arne Friedrich. Mit anderen Worten: Alles ist möglich. Die Engländer sind bei dem Turnier bislang teilweise zu ihrem alten „Kick and Rush“-Stil zurückgekehrt, für die deutsche Mannschaft bedeutet das, sich auf viele hohe Bälle und Kofballduelle einzustellen. Diese Spielweise dürfte Verteidiger Per Mertesacker entgegenkommen, von dem Löw nach einer schwachen Partie gegen Ghana sicher ist, „dass er gegen England zeigen wird, warum auf ihn Verlass ist“.

Miroslav Klose steht nach seiner Sperre wieder zur Verfügung. Wird er auch spielen?
Auch wenn Löw sich nur entlocken ließ, dass Klose unter seiner Gelb-Roten Karte gegen Serbien „stark gelitten“ habe, gilt es als sicher, dass er für Cacau in die Anfangsformation zurückkehrt, schon aufgrund seiner enormen Kopfballstärke. Ein Zwei-Mann-Sturm mit Klose und Cacau wäre nur möglich, wenn der Bundestrainer – gezwungen durch Schweinsteigers Ausfall – auf ein 4-4-2-System umstellt.

Wenn es zum Elfmeterschießen kommt: Wer würde für Deutschland schießen?
Garantiert Schweinsteiger und Lukas Podolski, wenn sie nicht verletzt oder ausgewechselt worden sind. Andere Kandidaten sind Mesut Özil, Khedira, Kroos und Thomas Müller.