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WM 2010 Die Spekulationen um die Zukunft Joachim Löws
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12:27 09.07.2010
Von Heiko Rehberg
Was nun Herr Löw? Quelle: ap
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Es war nur ein kleiner Worteinschub, zwischengeparkt in einen unspektakulären Satz bei der Pressekonferenz nach dem mit 0:1 verlorenen WM-Halbfinale der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Spanien. Joachim Löw saß kurz vor Mitternacht auf dem Podium, und was er zu sagen hatte, wäre fast untergegangen, weil das vor ihm stehende Mikrofon nicht richtig funktionierte.

Der Bundestrainer hatte relativ gefasst von der „großen Enttäuschung“ seiner Mannschaft berichtet, noch immer gekleidet mit einem Sakko über dem blauen Pullover, der diesmal kein Glück gebracht hatte und nun wohl in die Wäsche kommt. Nach einem ausführlichen Lob für den verdienten Sieg der Spanier war der 50-Jährige wieder bei seiner Mannschaft angelangt, als der Satz fiel, der alle aufhorchen ließ: „Diese Mannschaft wird, egal mit welchem Trainer, zusammenbleiben.“ Egal mit welchem Trainer: Das sind vier überraschende Worte, wenn man weiß, dass Joachim Löw morgen Abend mit dem Abpfiff des Spiels um Platz 3 in Port Elizabeth gegen Uruguay ohne Vertrag dasteht, genau wie sein Assistent Hansi Flick, Bundestorwarttrainer Andreas Köpke und Teammanager Oliver Bierhoff.

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Sonntagmittag wird Löw im WM-Quartier in Erasmia gemeinsam mit Theo Zwanziger, dem Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), eine WM-Abschlusspressekonferenz geben. Dabei werden beide verkünden, dass sie sich – zurück in Deutschland – zu neuen Vertragsverhandlungen treffen werden, nachdem die erste Runde im Frühjahr wegen unterschiedlicher Vorstellungen mit einem Abbruch geendet war. Und mit einem gewaltigen Imageschaden für den Verband, da Details der Gespräche in sehr kleiner Runde an die Öffentlichkeit lanciert worden waren – und zwar nicht vom Bundestrainer.

Wenn sich aber beide Seiten erst nach der WM zusammensetzen wollen und noch keine Entscheidung gefallen ist, was hat Löw mit seinem Satz in Durban bezwecken wollen? Oder war er ihm, in der Enttäuschung über das verpasste Finale, rausgerutscht? Zumindest davon geht keiner aus, der Löw besser kennt. Wenn der Satz aber nicht einem unkonzentrierten Augenblick entsprang, was war dann das Ziel, das der 50-Jährige damit verfolgte, wohl wissend, dass die Reporter aus aller Welt ihn in die Schlagzeilen hieven werden?

Im Grunde gibt es nur zwei Möglichkeiten: Löw wollte den Verband und vor allem die Öffentlichkeit schon einmal schonend darauf vorbereiten, dass er nicht mehr Bundestrainer sein möchte und wie Jürgen Klinsmann vor vier Jahren nach kurzer Bedenkzeit seinen Abschied erklären wird. Oder Löw wollte den Druck vor den Vertragsgesprächen erhöhen, in der Gewissheit, dass ihn eine überwältigende Mehrheit der deutschen Fußballfans als Bundestrainer behalten will und DFB-Chef Zwanziger immer die Buhmann-Rolle zufallen wird, wenn er es nicht schafft, Löw bis mindestens zur EM 2012 zu halten.

So oder so ist dem in der Vergangenheit unglücklich agierenden Verbandspräsidenten das Thema komplett aus dem Ruder gelaufen. Im Frühjahr glaubte sich Zwanziger noch in der Rolle des Stärkeren, durch die erfolgreiche WM und den Zuspruch für Löw und sein Team auch aus den in der Vergangenheit Nationalelf-kritischen Bundesligavereinen, muss der Funktionär hilflos warten, was Löw für Bedingungen stellt – wenn er tatsächlich bleiben will.

Manager Bierhoff, vom Verband kritisch beäugt, hat bereits signalisiert, dass er „nur mit Löw“ weitermachen würde. Zwanziger sollte sich darauf einstellen, dass Löw das ähnlich sieht und den Verbleib von Bierhoff und des gesamten Teams bis zu Medienchef Harald Stenger zur Bedingung erhebt. Die Frage wird dann sein, welchen Preis Zwanziger zahlen will – nicht nur beim Gehalt.