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WM 2010 „Es hilft ja nichts, dass du Lampard anschaust, als wäre er Gott“
Sportbuzzer Themen WM 2010 „Es hilft ja nichts, dass du Lampard anschaust, als wäre er Gott“
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08:43 01.07.2010
Von Heiko Rehberg
Großer Sport und große Sprüche: Thomas Müller. Quelle: dpa
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Die erste Begegnung mit Diego Maradona war ein besonderes Erlebnis für Thomas Müller. Am 3. März hatte er in München sein erstes Länderspiel gemacht, gegen Maradonas Argentinier (0:1). Nach der Partie saß Müller im Trainingsanzug auf dem Podium im Münchener Presseraum, um von seinem Einstand zu berichten, als Maradona zur Tür reinkam, Müller sah und gleich wieder wild gestikulierend und schimpfend davonzog. Ob Argentiniens Trainer den Kollegen Joachim Löw erwartet hatte oder den jungen Mann für einen Balljungen hielt, weiß Müller auch nicht, erzählte er am Mittwoch. „Er hat mich dann weggeschickt, es ist viel Wirbel darum gemacht worden, aber das war kein Problem für mich.“

Am Sonnabend um 16 Uhr sehen sich M & M, Müller und Maradona, in Kapstadt wieder, mittlerweile dürfte sich auch bis zum argentinischen Trainer herumgesprochen haben, wer dieser Mensch war, der es damals gewagt hatte, sich vor ihm auf die große Bühne zu setzen. Müller hat bei der WM bislang drei Tore erzielt und mit furiosen Leistungen auf sich aufmerksam gemacht, Lionel Messi, Argentiniens Weltfußballer, eigentlich vorgesehen für die Rolle des Superstars in Südafrika, gelang in vier WM-Spielen kein Treffer.

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Es ist viel passiert im Leben von Thomas Müller seit der letzten Begegnung mit Maradona. Er erzählte davon, dass „ich nach dem England-Spiel in den Fokus gerückt bin und merke, was da alles auf einen einprasselt“. Im März beim 0:1 gegen Argentinien war Müller ein internationaler Lehrling. Wenn er Sonnabend im Viertelfinale wieder gegen die Argentinier spielt, dann kann der 20-Jährige auf zwei Titel (deutsche Meisterschaft, Pokalsieg) und ein Finale in der Champions League verweisen. Müllers Aufstieg ist rasant, den meisten anderen Spielern würde dabei vermutlich so schwindlig, dass sie sich einen Knoten in die eigenen Beine spielen würden. Müller dagegen läuft und schießt weiter unbekümmert drauflos und hat außerdem die besten Sprüche in der deutschen Mannschaft auf Lager, ohne ein platter Sprücheklopfer zu sein. In der aktuellen Müller-Sprüche-Hitliste steht folgender Satz auf Platz 1: „Wer mich kennt, der weiß, dass ich mehr meinem Instinkt folge als Anweisungen von Trainern.“

Als alle Welt noch staunte über seine Leistung und seine zwei Treffer gegen die Engländer mit ihren Stars wie Steven Gerrard, Frank Lampard oder Wayne Rooney, sagte Müller, dass „es ja nichts hilft, dass du einen Lampard anschaust, als wäre er Gott“. Doch er kann auch anders. Am Mittwoch sagte Müller, dass es ihn freuen würde, wenn es bei ihm so weiterliefe in Südafrika. „Wenn ich aber gegen Argentinien kein Tor mache und wir trotzdem das Halbfinale erreichen, wäre mir das auch lieb.“

Miroslav Klose kennt Müller vom FC Bayern, er sagte, dass der zwölf Jahre jüngere Kollege „noch nicht den Schädel hat, sich Gedanken zu machen“. Gegen diese Sichtweise protestierte Müller. „Natürlich mache ich mir Gedanken“, sagte er. „Aber ich versuche mir nicht einzubilden, dass ich der Größte bin.“ Zur Untermauerung verwies er darauf, dass er nur 1,86 Meter groß sei, Per Mertesacker aber 1,98. Ein echter Müller!

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