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WM 2010 FIFA- Präsident will Debatte über technische Hilfsmittel
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18:00 29.06.2010
FIFA-Präsident Joseph Blatter Quelle: dpa
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FIFA-Boss Joseph Blatter hat sich für die skandalösen Pannen-Pfiffe bei der Fußball-WM entschuldigt und das Schiedsrichter-Thema zur Chefsache erklärt. Der Schweizer kündigte in Johannesburg einschneidende Referee-Reformen noch in diesem Jahr an. „Das ist ein großes Thema. Die Zukunft des internationalen Fußballs ist mit der Kontrolle des Spiels verbunden“, sagte Blatter am Dienstag zu seiner Kurskorrektur, „es wäre unsinnig, sich darüber keine Gedanken zu machen. Wir müssen dieses Thema wieder diskutieren.“ Die Unparteiischen selbst mussten dazu schweigen, ihr FIFA-Obmann José Maria Garcia Aranda bügelte die Kritik an den Spielleitern erneut ab. So geriet der Medientag der „Sündenböcke“ in Pretoria zur Farce.

Immerhin scheint die Skepsis gegenüber technischen Hilfsmitteln für sichtlich überforderte Referees angesichts der dramatischen Fehlleistungen und enttäuschter Fans in aller Welt verflogen. Keine zehn Tage nach dem WM-Finale von Johannesburg sollen die Regelhüter des International Football Association Boards (IFAB) bei ihrem eigentlich für Finanzfragen angesetzten Treffen in Cardiff wieder über den Chip- Ball und andere mögliche Reformen debattieren. Bis zum Herbst will Blatter das ganze Schiedsrichter-Wesen auf den Prüfstand stellen: „Im Oktober, November werden wir ein neues Modell hervorbringen, mit dem das Spitzen-Schiedsrichterwesen verbessert wird.“

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Vor knapp vier Monaten hatte die FIFA-Linie noch ganz anders geklungen. „Die Frage war, sollen wir Technik im Fußball zulassen, und die Antwort war ganz klar: Nein! Die Technologie muss aus dem Spiel herausgehalten werden“, hatte Generalsekretär Jêrome Valcke nach der IFAB-Sitzung im März gesagt. Das Regelgremium, dem vier FIFA-Vertreter und je ein Mitglied der nationalen Verbände aus England, Wales, Schottland und Nordirland angehören, hatte alle technischen Hilfsmittel untersagt. „Wir können die Entscheidung nicht rückgängig machen, jetzt müssen wir nach vorne schauen“, sagte Blatter. Ohne konkrete Aussagen wurde deutlich, dass er einen Video- Beweis weiterhin ablehnt. „Schiedsrichter-Fehler kann man auch mit 100 Kameras nicht verhindern“, sagte der FIFA-Boss.

Die Unparteiischen durften sich bei der Fragerunde auf dem Trainingsplatz in Pretoria dazu nach FIFA-Anweisung nicht äußern. „Kein Kommentar. Das müssen andere entscheiden“, sagte Wolfgang Stark (Ergolding), der einzige deutsche WM-Referee. Fast wortgleich waren die Statements seiner Kollegen und Arandas. Der Spanier bezeichnete die Leistungen seiner Spielleiter erneut als „exzellent: Es gab nur vier, fünf Fehlentscheidungen in insgesamt 54 Spielen.“ Einem Journalisten wurde das alles zu bunt: „Wir sind hier nicht in Nordkorea. Warum sagen Sie nicht einfach ihre Meinung?“, forderte er Aranda auf. Wenigstens der englische Unparteiische Howard Webb traute sich: „Ich bin für alle Hilfsmittel offen, die uns glaubwürdiger machen“, sagte Webb.
Bei den Verbänden Englands und Mexikos, die durch die Schiri- Fehler offensichtlich benachteiligt wurden, hat sich Blatter sogar persönlich entschuldigt. „Ich habe ihnen gesagt: Es tut mir leid, was geschehen ist“, erzählte der FIFA-Boss von seinem „Kniefall“. Die Sühne-Aktion des Präsidenten sei von den Teams gut aufgenommen worden. Materielle und emotionale Schäden aber bleiben. „Es ist ein ökonomischer Aspekt und ein sozialer Aspekt. Deswegen ist das Schiedsrichter-Wesen so wichtig“, betonte Blatter.

Im Achtelfinale zwischen Deutschland und England (4:1) hatte Schiedsrichter Jorge Larrionda aus Uruguay ein klares Tor von Frank Lampard nicht gegeben, obwohl der Ball rund 40 Zentimeter hinter der Linie aufgesprungen war. In der Partie Argentinien gegen Mexiko (3:1) übersah Schiedsrichter Roberto Rosetti beim Führungstreffer der Südamerikaner eine klare Abseitsstellung des Torschützen Carlos Tevez. „Das waren keine Fünf-Sterne-Spiele der Schiedsrichter“, sagte Blatter. Beide Referees fehlten beim Medientag.

dpa

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