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WM 2010 „Ich will nicht den Gute-Laune-Peter spielen“
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21:10 20.05.2010
Bei ihm rollt's: Fußball-Nationalspieler Sami Khedira.
Bei ihm rollt's: Fußball-Nationalspieler Sami Khedira. Quelle: dpa
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Herr Khedira, bei der Frage, wer Michael Ballack im defensiven Mittelfeld ersetzt, hat Joachim Löw sehr schnell Ihren Namen genannt. Hat der Bundestrainer auch schon mit Ihnen persönlich darüber gesprochen?
Direkt noch gar nicht, nein.

Wäre es für Sie denn eine Überraschung, wenn es auf Sie hinausliefe?
Was heißt Überraschung ... Ich habe immer wieder betont: Wenn ich dabei bin, will ich nicht nur auf der Bank sitzen oder den Gute-Laune-Peter spielen, sondern meine Leistung auch auf dem Platz umsetzen. Und das könnte jetzt der Fall sein.

Was ist aus Ihrer Sicht schwerer zu ersetzen: der Fußballer Ballack oder die Führungsfigur Ballack?
Beides. Er hat in den vergangenen Jahren das Spiel der deutschen Mannschaft sehr, sehr geprägt, war in den Turnieren eine der entscheidenden Figuren. Und seine Persönlichkeit ist schwer zu ersetzen, wenn man sie überhaupt ersetzen kann.

Im Spiel des VfB Stuttgart sind Sie eine sehr dominante Figur. Müssen Sie sich in der Nationalmannschaft ändern?
Wenn man auf den Platz geht, dann versucht man, sein Potenzial abzurufen. Egal, ob im Verein oder in der Nationalmannschaft. Natürlich ist das Niveau hier viel höher. Aber ich denke, es ist mir bislang ganz gut gelungen, mich da anzupassen.

Sie würden mit Bastian Schweinsteiger zusammenspielen – eine Kombination, die es noch nicht gegeben hat. Reichen zwei Freundschaftsspiele und ein weiteres Trainingslager aus, um sich einzuspielen?
Wir wissen alle, dass zwei Wochen nicht lang sind, vor allem, wenn man noch nie zusammengespielt hat. Aber letztlich ist es wichtig, dass jeder Einzelne ein gutes taktisches Verständnis mitbringt, und ich glaube, das wäre bei uns beiden der Fall. Bastian hat ja während der Saison gezeigt, dass er hervorragend auf dieser Position spielen kann, auch strategisch gut. Und ich spiele die Position seit etwas mehr als zwei Jahren beim VfB. Deswegen würde es sicher schnell klappen, sollte es auf diese Kombination hinauslaufen.

Wann sollte sich Joachim Löw festlegen?
Den Zeitpunkt muss der Trainer entscheiden. Die Münchener Spieler kommen erst in ein paar Tagen, dann muss man im Training und in den Spielen sehen, wie es funktioniert. Aber ich denke, intern hat der Trainer seine Favoriten längst im Kopf.

Beim VfB entwickeln Sie auf der Position im defensiven Mittelfeld großen Offensivdrang, und Sie sind torgefährlich: Sind Ihnen die Parallelen zu Michael Ballack bewusst?
Ich mache ungern Vergleiche mit anderen Spielern. Und vor allem nicht mit Michael Ballack. Denn was er erreicht hat und was er in den vergangenen Jahren für den deutschen Fußball getan hat – da wäre es nicht gerecht, mich mit ihm zu vergleichen. Ich habe meine eigene Spielweise, aber natürlich schaue ich mir auch die Stärken von Weltklassespielern an, und da gehört Michael Ballack dazu.

Bei wem finden Sie denn noch Dinge, die Sie sich abschauen können?
Xavi vom FC Barcelona interpretiert die Position aus meiner Sicht derzeit am besten. Er spielt relativ unspektakulär, hat aber eine enorme Ballsicherheit. Ich habe in der Champions League gegen ihn gespielt, und ich kann mich nicht erinnern, dass er mal den Ball verloren hat oder einen Fehlpass gespielt hat. Es ist beeindruckend für mich, wie viele Ballkontakte er hat und wie wenige Ballverluste. Die gehen gegen null. Aber auch Frank Lampard und eben Michael Ballack – das sind Spieler, die über Jahre hinweg auf hohem Niveau optimal ihre Aufgabe ausgefüllt haben.

Sie wirken sehr abgeklärt, spüren Sie überhaupt keine Anspannung?
Mir war bewusst, dass Michael Ballack und Bastian Schweinsteiger gesetzt sein werden, weil sie hervorragende Spieler und Persönlichkeiten sind. Aber ich habe mich nie verrückt machen lassen oder mir den Kopf zerbrochen, ob ich nun spiele oder nicht. Ich habe versucht, meine Arbeit abzuliefern und dem Trainer zu zeigen: Wenn er mich braucht, dann bin ich da. Es ist einfach eine Vorfreude, die ich spüre, keine größere Nervosität. Es macht mir Spaß, auf hohem Niveau Fußball zu spielen – in der Champions League oder bei der WM. Das ist das Größte, das es gibt. Warum soll ich mich verrückt machen?

Sami Khedira kann zum Überflieger in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft werden. Obwohl Khedira erst 23 Jahre alt ist, zählt er beim VfB Stuttgart zu den Leistungsträgern, seit ihn der damalige Trainer Armin Veh im Herbst 2006 in den Profikader beförderte. Khediras Spiel ist selten spektakulär, doch gerade darin liegt seine Stärke: Mit einfachen Aktionen kann er einer Partie Tempo und Takt geben. Das ist auch Bundestrainer Joachim Löw aufgefallen, der Khedira erstmals im August 2007 ins Aufgebot der Nationalmannschaft berief. Nach einer Fußverletzung verschob sich sein Länderspieldebüt allerdings auf den September 2009 (2:0 gegen Südafrika).

Löw hält viel von Khedira, der bei der WM vermutlich den verletzten Michael Ballack im defensiven Mittelfeld ersetzen wird. Ob er seine Leistung aus der Bundesliga auch auf das Niveau einer Weltmeisterschaft übertragen kann, ist allerdings die Frage. Denn große internationale Erfahrung hat Khedira nicht: Mit dem VfB spielte er zwar in der Champions League, doch das deutsche Nationaltrikot trug er erst dreimal. In seiner jungen Karriere hat Khedira bereits einige Titel gewonnen. Mit den Schwaben wurde er 2007 deutscher Meister, die deutschen „U 21“-Europameister führte er 2009 als Kapitän an. Khedira wurde am 4. April 1987 als Sohn eines tunesischen Vaters und einer deutschen Mutter in Stuttgart geboren und spielt seit der E-Jugend für den VfB.

Aufgezeichnet von Stefan Knopf

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