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WM 2010 Kader-Auslese beendet: Löw will auf die WM-Welle
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16:00 01.06.2010
Schwierige Entscheidung: Einen Spieler muss Bundestrainer Joachim Löw vor der WM noch aussortieren. Quelle: dpa
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Einen sortierte Joachim Löw noch aus - in Frankfurt aber soll seine WM-Elf das erhoffte „Wintermärchen“ von Südafrika einläuten. Nach 21 Tagen Trainingslager, unzähligen Vorbereitungsstunden und bitteren Verletzungen wollen Bastian Schweinsteiger & Co. im letzten Test am Donnerstag gegen Bosnien- Herzegowina wieder eine schwarz-rot-goldene Welle lostreten. „Wir brauchen Fans, die uns nach vorn peitschen. Nur mit ihnen können wir weit kommen“, sagte Schweinsteiger und kündigte für die Zuschauer in der Frankfurter Arena und vor den TV-Geräten die erste WM-Elf an: „Ich denke schon, dass wir mit der Mannschaft auftreten werden, die gegen Australien spielen könnte.“

Im stürmischen Sizilien und vor allem im Frühsommer von Südtirol ist im jungen deutschen Team in drei Wochen eine fast trotzige Stimmung entstanden, die den dreimaligen Weltmeister trotz des Verletzungspechs vom dem ersten WM-Gruppenspiel am 13. Juni in Durban an zu einer Überraschung treiben soll. „Der Kader ist immer enger zusammengerückt“, betonte Bundestrainer Löw, der zunächst noch eine „brutale Entscheidung“ treffen musste. Statt am Sonntag mit dem nagelneuen Lufthansa-Airbus 380 mit ans Kap zu fliegen, muss einer der bisher 24 WM-Kandidaten den Zwangsurlaub antreten.

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Nach dem morgendlichen Üben in Südtirol hatte einiges darauf hingedeutet, dass in dem Leverkusener Stefan Kießling doch noch einer der sechs Stürmer die WM-Niete gezogen hat. Der 26-Jährige trainierte sichtbar verhalten, fasste sich immer wieder an sein linkes Knie. Und als die Kollegen zum Abschluss einen Kreis bildete und ihren Schlachtruf „Power - Within“ (Kraft von innen) schmetterten, stand ausgerechnet Kießling in der Mitte. Aber auch andere konnten sich bis zum entscheidenden Gespräch mit Löw noch nicht sicher sein.

„Für denjenigen ist es sehr enttäuschend, nachdem er drei Wochen hart gearbeitet hat. Aber die Welt geht trotzdem nicht unter. Das spornt auch wieder für die nächsten Aufgaben an“, sagte Vize-Kapitän Schweinsteiger zu der harten Entscheidung. Nach den Verletzungen von Michael Ballack, Christian Träsch und Heiko Westermann hatte sich der Kader bereits von 27 auf 24 Spieler reduziert. Für Mitternacht hatte der Fußball-Weltverband FIFA die Meldefrist für die 23-Mann-Kader aller 32 WM-Teams festgesetzt.

Wie schon nach den verletzungsbedingten Abschieden wurde auch nach dem bitteren Auswahl-Verfahren schnell nach vorne geblickt. „Am Ende muss sich auch der Spieler vor Augen führen, dass es eine Ehre und Auszeichnung war, hier dabei gewesen zu sein“, erklärte Bierhoff nüchtern, bevor für den deutschen Tross an diesem Mittwoch von Bozen aus der kurze Flug nach Frankfurt und das Abschlusstraining für die WM-Generalprobe anstehen.

Der Manager, der selbst 1998 und 2002 bei WM-Turnieren als Profi dabei war, warnte davor, die gelöste Atmosphäre als Garant für eine reibungslose und erfolgreiche Endrunde zu sehen. „Die Stimmung ist gut, dass muss jetzt aber auch mit Leistungen auf dem Platz umgesetzt werden“, forderte Bierhoff bei nochmals schönstem Sonnenschein in Eppan und ergänzte: „Teamgeist wird sich in schwierigen Situationen erweisen, nicht in der Sonne.“

WM-Projektleiter Löw präsentierte sich in den Vorbereitungstagen trotz aller bleibenden Fragezeichen und Baustellen entspannt und zugleich sehr fokussiert. Über einen Fluch, der über seinem Team liegen könnte, denke er gar nicht nach. „Wir werden uns weiter nicht beirren lassen“, sagte der Bundestrainer, der seinen Plan bisher ohne Kompromisse durchgezogen hat. Löw demonstriert mehr denn je seine Unabhängigkeit, Fragen nach seiner persönlichen Zukunft nach der WM werden aktuell gar nicht mehr gestellt.

Für das letzte Testländerspiel am Donnerstag (20.30 Uhr/ARD) in Frankfurt gegen Bosnien-Herzegowina ist der Einsatz von Manuel Neuer unklar. Der 24 Jahre alte Torwart leidet an einem Magen-Darm-Infekt. „Wir gehen davon aus, dass er es noch schafft“, sagte Bierhoff.

Schweinsteiger, der nach dem Ausfall von Michael Ballack die Chefrolle im deutschen Mittelfeld übernehmen muss, erwartet ein schweres Spiel gegen die starken Bosnier um die Bundesliga-Stars Edin Dzeko, Zvjezdan Misimovic (beide Wolfsburg), Vedad Ibisevic und Sejad Salihovic (beide Hoffenheim). „Wenn es nicht so gut laufen sollte, wäre es kein Beinbruch. Aber wir wollen natürlich ein gutes Spiel zeigen und gewinnen“, erklärte der Münchner.

„Auf jeden Fall ist es ein wichtiger Test. Erstens geht es darum, eine Formation einzustudieren und nochmals gewisse Spieler zu sehen. Dann wollen wir aber auch eine Begeisterung im eigenen Land hervorrufen“, sagte Bierhoff, der sich zum Abschluss in Südtirol nochmals herzlich bei den Menschen in Eppan bedankte. „Es waren hervorragende Gastgeber“, betonte der Manager. Zur letzten Trainingseinheit öffnete der DFB spontan die Tore der Sportzone Rungg, mehr als 1000 Schüler aus Eppan und einige Hundert Touristen konnten die deutschen Stars endlich live erleben.

dpa