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WM 2010 Klose, Podolski, Müller schießen Deutsche ins Viertelfinale
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08:23 28.06.2010
Von Heiko Rehberg
Machten ein starkes Spiel: Thomas Müller (links) mit Mesut Özil. Quelle: dpa
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Für ein solches Fußballspiel der deutschen Nationalmannschaft muss man erst einmal die richtigen Worte finden: 4:1 gegen England im Achtelfinale einer Weltmeisterschaft in Bloemfontein, traumhafte Tore, leichtfüßige Kombinationen, eine Mannschaft zeitweise wie im Rausch. Was ist das? Wunderbar? Großartig? Oder „grandios“, wie es Joachim Löw nannte, der in 52 Länderspielen als Bundestrainer zuvor dieses Wort noch nie benutzt hatte? Das alles passte, doch die schönste Beschreibung kam von Thomas Müller, dem jungen Mann, der ein Tor vorbereitet (das 2:0 von Lukas Podolski) und zwei Treffer (3:1, 4:1) selbst erzielt hatte. Als er gefragt wurde, wie er die Leistung der deutschen Mannschaft fand, sagte Müller: „Das war heute eine geile Kiste.“ Grandios, dieser Müller!

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Dieses Spiel in Bloemfontein wird in Deutschland keiner so schnell vergessen, unabhängig davon, wie das Viertelfinale gegen Argentinien oder Mexiko am kommenden Sonnabend (Anpfiff um 16 Uhr) in Kapstadt ausgeht. Siege gegen England sind etwas für die Fußballgeschichtsbücher, bei einer Weltmeisterschaft war es erst der dritte Sieg nach 1970 und 1990 gegen den alten sportlichen Rivalen von der Insel. Alle zwanzig Jahre kommt offensichtlich Großes dabei heraus, wenn Deutschland gegen England spielt. Und dieses Achtelfinale war zugleich eines für die Hitliste mit den zehn besten Spielen einer deutschen Nationalmannschaft überhaupt.

„Wahnsinn, dieses Ergebnis“,
schwärmte Müller, „es war doch nicht irgendjemand, gegen den wir gewonnen haben.“ Und dass die 51. Partie der Weltmeisterschaft in Südafrika die bislang mitreißendste des gesamten Turniers war, versteht sich bei dem bisher eher mäßigen Niveau von allein.

Diese 90 Minuten waren anders als alles vorher in Südafrika. In ihnen steckten atemberaubende Szenen für drei Spiele. Und von der Dramatik gab es auch reichlich, selbst wenn dies das letztlich klare Resultat kaum erahnen lässt.

Nach den Toren von Miroslav Klose (20. Minute) und Podolski (32.) sah es nach einer klaren Angelegenheit für die Deutschen aus. Doch dann leistete sich Torwart Manuel Neuer in der 37. Minute seinen ersten WM-Patzer, als er nach einer Flanke von Steven Gerrard orientierungslos im Strafraum herumsprang und Matt Upson den Anschlusstreffer zum 1:2 erlaubte. Was dann folgte, waren furiose zwei Minuten, von denen Müller später sagte, dass „das Spiel dort zwischenzeitlich auf der Kippe stand“.

Es war eine „kritische Phase“ (Löw), in der Frank Lampard direkt nach dem 1:2 das 2:2 erzielte. Eigentlich. Bei seinem Schuss prallte der Ball von der Unterkante der Latte deutlich hinter die Linie, selbst hoch oben auf den Tribünen war das zu sehen. Doch Schiedsrichter Jorge Larrionda entschied auf kein Tor. Statt mit einem 2:2 rettete sich die deutsche Elf mit einem knappen Vorsprung in die Kabine, wo der nicht gegebene Treffer auch ein Thema war, genau wie später bei Englands Trainer Fabio Capello, der von einer „unglaublichen Fehlentscheidung“ sprach. „Wir haben schon erfahren, dass der Ball wohl drin war“, sagte Müller.

Auch Löw sprach die Szene an und gab die Devise aus: weiter nach vorn spielen, die Lücken in der englischen Defensive nutzen. Genau das tat seine Mannschaft auf sensationelle Art und Weise und verschaffte sich mit Müllers 3:1 in der
67. Minute die entscheidende Rückendeckung. Sein 4:1 drei Minuten später war dann nur noch die Zugabe eines wunderbaren Fußballabends, über den Deutschland noch lange sprechen wird. Und von dem die Engländer am liebsten nichts mehr hören wollen werden.

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