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WM 2010 Kommission soll Frankreichs WM-Blamage untersuchen
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14:51 22.06.2010
Ruhe bewahren nach all der Aufregung: Finesstrainer Robert Duverne mit den Spielern Quelle: dpa
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Nach den Chaos-Tagen im französischen WM-Team wird der Skandal ein politisches Nachspiel haben. Unabhängig vom Ausgang des dritten Gruppenspiels an diesem Dienstag gegen Gastgeber Südafrika soll eine „unabhängige Kommission“ die WM-Blamage untersuchen, teilte Sportministerin Roselyn Bachelot mit. Zuvor hatte sie die französischen Nationalspieler mit einer emotionalen Brandrede zum Weinen gebracht - und die Medien der „Grande Nation“ stehen hinter ihr. „Roselyn National-Trainerin“, forderte am Dienstag gar die Zeitung „Ouest-France“.

Nach den Vorfällen beim Vizeweltmeister war die 63 Jahre alte Ministerin am Montagabend am Rande der WM in Südafrika ungewöhnlich hart mit den Profis um Franck Ribéry ins Gericht gegangen. „Es ist ein moralisches Desaster für den französischen Fußball“, sagte sie auf einer Pressekonferenz in Blomfontein. Wenige Stunden zuvor hatte Bachelot den Profis hinter verschlossenen Türen ins Gewissen geredet. „Sie haben applaudiert und geweint“, verriet sie nun.

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Im Auftrag von Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatte die Ministerin ihren Aufenthalt in Südafrika verlängert, um dem Chaos beim Weltmeister von 1998 ein Ende zu setzen. „Gebt alles, setzt euch ein“ - in bester Trainermanier appellierte sie vor dem letzten Vorrundenspiel am Dienstag gegen Gastgeber Südafrika an die daheim von Politikern und Medien, aber auch von Vertretern der Fußballszene scharf angeprangerten Profis. „Die Spieler haben das Image Frankreichs angekratzt. Sie können nicht länger die Helden unserer Kinder sein.“ Sie müssten „den guten Namen des französischen Teams wiederherstellen“.

Nach Angaben von Bachelot kamen den Nationalspielern die Tränen, als sie ihnen vom französischen Rugby-Star Raphaël Ibanez erzählte. Vor einem Spiel gegen die als nahezu unschlagbar geltenden „All Blacks“ aus Neuseeland habe er seinen Kameraden folgende Botschaft geschrieben. „Wie wollt ihr, dass man uns in Erinnerung behält?“ Daraufhin habe Frankreich dieses „nicht zu gewinnende Spiel“ doch gewonnen. Gegen Südafrika müssten die Franzosen nun in erster Linie „mit Herz und Seele spielen“.

Auch Nationaltrainer Raymond Domenech kritisierte sein Team hart. „Das war eine unbeschreibliche Dummheit“, sagte er vor dem Duell mit Südafrika über den Trainings-Boykott vom Sonntag. Er schloss nicht aus, dass der eine oder andere Spieler von sich aus nicht antreten wolle. Nur mit einem Sieg gegen Südafrika und Schützenhilfe von Mexiko oder Uruguay konnte der Ex-Weltmeister am Dienstagabend noch das Achtelfinale der WM erreichen.

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