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WM 2010 Lahm trägt Kapitänsbinde, Neuer ist Nummer 1
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11:43 29.05.2010
Von Heiko Rehberg
Wird die DFB-Elf als Kapitän durch das Turnier führen: Philipp Lahm. Quelle: dpa
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Als Joachim Löw gestern zum Beginn seiner Pressekonferenz eine absichtliche Kunstpause einbaute, um die Spannung ein bisschen zu erhöhen, musste er selbst lachen. Der Bundestrainer wusste, dass die Fußballnation auf zwei Namen wartete, die keine Überraschung mehr sein würden, aber ganz so schnell wollte er nicht zur Sache kommen. Löw baute erst ein paar Umwege ein, referierte über die Besetzung und Wichtigkeit des Mannschaftsrates (Miroslav Klose, Per Mertesacker, Arne Friedrich, Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger), ehe er sich zur K-Frage, der Frage nach dem neuen Kapitän der deutschen Nationalelf, vorantastete.

Ein kleines Ablenkungsmanöver noch mit Schweinsteiger, „der auf dem Platz die Rolle von Michael Ballack einnehmen soll“, dann war es endlich raus: „Philipp Lahm wird das Amt des Kapitäns übernehmen.“

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Die Klärung der T-Frage überließ der Chef dem Bundestorwarttrainer Andreas Köpke, der anders als Löw offensichtlich nichts von künstlichem Spannungsaufbau hält. Kurze Anmoderation, dann sagte Köpke: „Nach längeren Diskussionen haben wir uns entschieden, mit Manuel Neuer in die WM zu gehen.“ Beide Personalentscheidungen hatten Löw und sein Trainerteam nach eigenen Angaben erst gestern Vormittag in Einzelgesprächen zuerst mit den Betroffenen diskutiert, danach dem Rest der Mannschaft vorgestellt und eine Stunde später der Öffentlichkeit.

Dass die Wahl auf Lahm und Neuer fallen würde, war erwartet worden, von überraschendem Neuigkeitswert waren nur noch die Details. Eines davon verriet Köpke: Jörg Butt, der für Rene Adler nachnominierte Torwart des Doublegewinners Bayern München, hatte in der Torwartfrage keine Rolle gespielt. „Die Entscheidung ist zwischen Tim und Manuel gefallen“, sagte Köpke, gab aber der künftigen Nummer 2 aus Bremen und der routinierten Nummer 3 den Ratschlag, „sich weiter reinzuhängen. Wir erwarten, dass sie allzeit bereit sind.“ Butt soll dabei eine Art „Ruhepol“ spielen, dem 24-jährigen Neuer Rückendeckung geben und beruhigend auf den enttäuschten Wiese wirken.

Neuer reagierte zurückhaltend, sagte, was man halt so sagt („Freue mich natürlich“), wenn man plötzlich auch mit amtlichem Segen vom Bundestrainer Deutschlands Torwart Nummer 1 ist. Zumindest eine kleine Überraschung war, dass nicht der von Löw hoch geschätzte und mit den meisten Länderspielen ausgestattete Miroslav Klose zum Stellvertreter von Lahm benannt wurde, sondern Schweinsteiger, den Löw „unseren emotionalen Leader“ nannte, was nicht schön klingt, aber nett gemeint ist.

Dass der Bundestrainer mit Lahm zwar einen ruhigen und sachlichen Vertreter als verlängerten Arm auf dem Spielfeld bekommt, aber gewiss keinen Duckmäuser, weiß Löw: „Philipp hat schon seit zwei, drei Jahren in der Mannschaft immer ganz klar, deutlich und korrekt seine Meinung gesagt. Wenn er Probleme sieht oder Konfliktpotenzial, dann spricht er das an.“ Die Vereinsführung seines Klubs FC Bayern, der Lahm im November vergangenen Jahres in einem Interview kräftig die Meinung gesagt und dafür sogar eine hohe Geldstrafe in Kauf genommen hatte, kann Löw davon berichten, dass sein neuer Kapitän nicht nur auf dem Platz notfalls in die Offensive geht.

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