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WM 2010 Lob von allen Seiten für Sami Khedira
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21:12 16.06.2010
Von Heiko Rehberg
Sami Khedira (vorn) kämpft mit dem Australier Scott Chipperfield um den Ball. Quelle: dpa
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Also, Sami Khedira. Wie fühlt sich denn eine Fußball-Weltmeisterschaft an? Khedira lässt die Frage ein wenig wirken, dann sagt er: „Es kribbelt mehr als sonst!“ Kribbeln? „Ja, das ist unglaublich.“ Es kribbele auch in der Champions League, in der er für den VfB Stuttgart gespielt habe. Aber mit der Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika, das kribbele halt intensiver. Andere macht das möglicherweise nervös, Khedira „macht das stolz, weil ich weiß: Ich bin da angelangt, wo ich immer hinwollte.“

Khedira ist mit der „U 21“ Europameister geworden, er war der Kapitän der Mannschaft. Morgen gegen Serbien bestreitet er in Port Elizabeth sein sechstes Spiel für die A-Mannschaft. Sein erstes Länderspiel hat er am
5. September vergangenen Jahres in Leverkusen gemacht. Der Gegner hieß damals Südafrika (2:0). Zufälle gibt’s …

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Khedira, Vater Tunesier, Mutter Deutsche, sagt, dass er früher nicht besonders gern geredet habe. Bei der „U 21“ sei er in die „Chefrolle ein bisschen hineingezwungen worden“. In Südafrika würde er vermutlich über Kurzeinsätze nicht hinauskommen, hätte sich Michael Ballack nicht verletzt. Noch Anfang des Jahres sagte Bundestrainer Joachim Löw über den 23-Jährigen: „Seine Zeit kommt spätestens nach der WM.“ Nach dem 4:0-Auftaktsieg gegen Australien sagte Löw: „Sami Khedira hat gespielt wie der junge Michael Ballack.“ Es war ein großes Kompliment für den einen – und ein sportlicher Nachruf auf den anderen.

Der junge Ballack. Der Stellvertreter Ballacks. Die Kopie von Ballack. Khedira mag diese Vergleiche nicht besonders. „Ich habe meinen eigenen Stil“, sagt er. „Ich kopiere keinen anderen Spieler, schon gar nicht Weltklassespieler. Aber ich schaue mir etwas ab, von Xavi, von Steven Gerrard und auch von Ballack.“

Durch Ballacks Fehlen ist Khedira in den Mittelpunkt gerückt, auch auf dem Spielfeld. Bis vor Kurzem war im Grunde unklar, was dieser 1,89 Meter große, junge Mann eigentlich ist: ein Spielmacher, der auch die Defensive beherrscht? Oder ein defensiver Mittelfeldspieler, der offensive Akzente setzen kann? Rainer Adrion, sein Trainer in der „U 23“ des VfB Stuttgart, bezeichnet ihn als „idealen Mischtyp. Er ist ein multipler Spieler, er kann alles interpretieren.“

In der Nationalmannschaft teilt sich Khedira gemeinsam mit Bastian Schweinsteiger die Zone zwischen der Viererkette in der Abwehr und dem offensiven Mittelfeld. Der Fußballfachmann spricht da gerne vom „Sechser“, aber bei Löw gibt es keine „Sechser“ oder „Zehner“ (Fußballfachsprache für Regisseur). „Ich will keinen, der nur Feuerwehr spielt oder nur das Spiel macht“, sagt Löw. Also teilen sich Khedira und Schweinsteiger die Aufgaben. Gegen Australien war der Stuttgarter der offensivere, der Münchener hielt sich dafür mehr zurück. Morgen gegen Serbien kann das bereits andersherum aussehen, „es ist nicht festgelegt, wer von uns offensiv und wer defensiv spielt“. Das sei von Situation zu Situation verschieden. Das Motto in der deutschen Schaltzentrale lautet „Mal so, mal so“. Löws Taktik erfordert ein hohes Maß an Flexibilität und Eigenverantwortung – und normalerweise intensives Einstudieren. Doch dazu hatten Khedira und Schweinsteiger kaum Zeit. „Etwas mehr Gelegenheiten zum Zusammenspielen wären schön gewesen, aber wir sind beide intelligente Fußballer“, sagt Khedira.

Mit Spielintelligenz zum Titel? Da wird Khedira dazwischengrätschen, denkt man. Doch er sagt: „Die WM ist für mich nur erfolgreich, wenn wir den Titel holen. Du kannst ehrenvoll im Viertelfinale ausscheiden, das zählt aber nicht.“