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WM 2010 Löw rüffelt sein Sorgenkind Podolski
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13:23 10.05.2010
Bundestrainer Joachim Löw
Bundestrainer Joachim Löw Quelle: dpa
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Joachim Löw hat Lukas Podolski nach dessen Katastrophen-Saison beim 1. FC Köln kurz vor dem Start der WM-Vorbereitung eindringlich ermahnt. „Er muss jetzt wirklich in allen Bereichen was tun, um innerhalb kürzester Zeit auf ein hohes Niveau zu kommen“, sagte Löw am Montag in einem „kicker“-Interview.

Kein Grund zur Hektik bestehe dagegen bei der Entscheidung über die deutsche Nummer 1 bei der Fußball-Weltmeisterschaft. „Wir haben in dieser Frage noch keinen Fahrplan verabschiedet“, sagte Löw zur brisanten Torwart-Frage. Ob Schalkes Manuel Neuer, Bremens Tim Wiese oder am Ende doch noch Bayern-Routinier Hans-Jörg Butt das Rennen macht - „da warten wir mal ab“, äußerte der DFB-Chefcoach gelassen.

Bei Podolski dagegen macht Löw Dampf. Der 24 Jahre alte Stürmer steht ab Mittwoch, wenn sich zunächst 15 von 27 Nationalspielern aus dem vorläufigen WM-Aufgebot in Düsseldorf treffen, unter besonderer Beobachtung. „Er wird ein spezielles Programm bekommen und von uns täglich angetrieben“, kündigte Löw Sonderschichten für Podolski an. „Ganz konsequent und detailliert“ müsse mit dem Stürmer gearbeitet werden nach einer Saison, „mit der er nicht zufrieden sein kann“. Nur zwei Treffer erzielte Podolski für Köln in 27 Bundesliga-Partien.

Löw rüffelt Podolski öffentlich, aber er setzt auch darauf, dass auf dem langen Weg nach Südafrika wieder der „Deutschland-Poldi“ zum Vorschein kommt. „Lukas ist der Spieler mit dem größten Potenzial in der Offensive“, schwärmte Löw. Und in der Nationalelf habe der Kölner seine Qualitäten stets „sehr gut umgesetzt“ und sei „hochmotiviert“ gewesen. 37 Tore in 70 Länderspielen sind ein beachtliches Pfund, bei der WM 2006 und der EM 2008 traf Podolski jeweils dreimal.

33 Tage hat Löw, um Sorgenkind Podolski bis zum WM-Ernstfall am 13. Juni gegen Australien in Form zu bringen; viel mehr Zeit als bei den schwächelnden Bayern-Angreifern Miroslav Klose und Mario Gomez, die erst nach dem Champions-League-Finale (22. Mai) zu ihm stoßen.

Erst nach und nach werden die sieben Bayern-Akteure, die vier Bremer Pokalfinalisten und Kapitän Michael Ballack in den beiden Trainingslagern in Sizilien (14. bis 21. Mai) und Südtirol (21. Mai bis 2. Juni) eintrudeln. „Das macht die Gestaltung des Trainings nicht einfacher“, gestand Löw.

Beim ersten von drei WM-Testspielen muss er am Donnerstag (18.00 Uhr/ARD) in Aachen gegen Malta seinen WM-Rumpfkader sogar mit den fünf Perspektivspielern Kevin Großkreutz, Mats Hummels (beide Dortmund), Stefan Reinartz (Leverkusen), Marco Reus (Gladbach) und Tobias Sippel (Kaiserslautern) auffüllen. „Wenn möglich, kommen auch fast alle zum Einsatz“, kündigte Löw an.

Der 50-Jährige muss für seine Titel-Mission in Südafrika zahlreiche Baustellen schließen, wie er zugab: „Es gibt in der Tat einige Fragen, die erst noch beantwortet werden müssen in der Vorbereitung, vielleicht auch erst im Laufe der WM.“ Löw sagt dies noch ohne Sorge, „denn ein Gerüst ist vorhanden“. Michael Ballack, Bastian Schweinsteiger, Per Mertesacker und Miroslav Klose bilden in seinen WM-Plänen die zentrale Achse des Teams. Zu den „Säulen“ seiner WM-Wunschelf gehört außerdem noch Philipp Lahm.

Beim erfahrenen Münchner allerdings will Löw „noch einmal überlegen und mit ihm besprechen“, ob Lahm auf der rechten oder linken Außenbahn wertvoller ist. „Es hängt vielleicht auch davon ab, wie Marcell Jansen als erfahrener Linksfuß wieder in Form kommt.“ Der Hamburger hat nach einer Fußverletzung gerade erst wieder mit dem Training begonnen; bis zur endgültigen Meldung des 23-Mann-Kaders an die FIFA am 1. Juni muss Jansen seine WM-Tauglichkeit nachweisen.

Das spannende Nummer-1-Rennen könnte sogar noch länger laufen. Bundestorwarttrainer Andreas Köpke habe die Saison von Neuer, Wiese und Butt „analysiert, ihre Stärken und Schwächen parat“, berichtete Löw. „Aber weder heute oder morgen noch in zwei Tagen werden wir da eine Entscheidung herbeiführen müssen“, verkündete der Bundestrainer.

dpa