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WM 2010 Löw vermeidet Kritik am unsicheren Innenverteidiger Mertesacker
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08:14 25.06.2010
Mit Müh und Not: Per Mertesacker hatte im Ghana-Spiel nicht nur gegen Sulley Muntari einen schweren Stand. Quelle: afp
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Pretoria. Vor dem WM-Auftaktspiel gegen Australien (4:0) saßen Per Mertesacker und Arne Friedrich, das deutsche Innenverteidigerduo, gemeinsam auf dem Podium im WM-Quartier in Erasmia. Mertesacker, der Pattenser von Werder Bremen, ist seit der WM 2006 die feste Größe in der Abwehrzentrale, gesucht wurde in den Jahren danach immer nur ein Partner für Per; also der Mann, der neben dem als Stammkraft gesetzten Mertesacker die zweite Schlüsselposition besetzt. Bundestrainer Joachim Löw probierte es mit Christoph Metzelder, Heiko Westermann, Robert Huth oder Serdar Tasci und wurde nur mit Metzelder halbwegs glücklich. Für das Turnier in Südafrika stellte Löw den von ihm in der Vergangenheit meist als Rechtsverteidiger eingesetzten Arne Friedrich an Mertesackers Seite.

Als vor dem Spiel gegen Australien Friedrich gefragt wurde, ob Mertesacker sein Chef sei, antwortete er: „Per ist nicht mein Chef.“ Wer Mertesacker dabei anschaute, dem entging nicht: Amüsiert war er von dem Satz seines neuen Partners keinesfalls. Nach drei WM-Spielen hat sich in der deutschen Innenverteidigung einiges bewegt in eine Richtung, die nicht vorherzusehen war. Friedrich hat gegen Australien und Serbien (0:1) zweimal sehr ordentlich gespielt und zuletzt gegen Ghana (1:0) eine sehr starke Leistung geboten. Für Mertesacker war nach zwei durchwachsenen Vorstellungen das Spiel gegen Ghana ein Tiefpunkt; schwerfällig war er wiederholt der Ausgangspunkt von Fehlern, die man von ihm in der Häufigkeit nicht gewohnt ist.

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Löw und sein Assistent Hansi Flick stellten den 25-Jährigen am Tag danach quasi unter Artenschutz, allzu deutliche Kritik verkniffen sich beide mit einem durchaus einleuchtenden Argument: „Per hat bis jetzt 65 Länderspiele, in denen er stets ein großer Rückhalt war“, sagte Flick, „wir sind mit ihm sehr zufrieden, und wir gestehen ihm auch mal so ein Spiel zu. Er wird gegen England noch wichtig werden.“ Löw und Flick wissen, dass es mit Blick auf das Achtelfinale am Sonntag nicht sinnvoll wäre, die Baustelle in der Abwehr weiter aufzureißen, zumal es keine überzeugende Alternative zu Mertesacker gibt und links eine andere Baustelle durch den eher mutlosen Auftritt von Jerome Boateng (er zog sich gegen Ghana eine Wadenverletzung zu) nicht geschlossen werden konnte.

Unterstützung bekommt der ehemalige Profi von Hannover 96 auch von Partner Friedrich: „Per ist selbstkritisch genug und weiß, dass er bisher noch nicht sein Turnier gespielt hat“, sagte er, „für mich ist er ein überragender Spieler.“ Dass Mertesacker Probleme bekommt, wenn ihm der Gegner wenig Zeit lässt zum ruhigen Aufbauspiel, ist nicht neu und hat zuletzt im Frühjahr Argentinien beim Testspiel in München anschaulich vorgeführt. Dass er herausragend spielen kann, wenn es auf seine Kopfballstärke ankommt, ist ebenfalls nicht neu. Die Engländer arbeiten viel mit hohen Bällen, das dürfte ihm liegen. Vielleicht, das hoffen alle, beginnt im Achtelfinale Mertesackers Turnier.

Aus Pretoria berichtet Heiko Rehberg