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WM 2010 Medientag auf Sizilien für die deutschen Nationalspieler
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20:52 19.05.2010
Von Stefan Knopf
Zeit für Klönschnack und Schabernack: Die beiden Werder-Profis Marko Marin (links) und Tim Wiese am Interview-Tisch im Quartier der Nationalelf.
Zeit für Klönschnack und Schabernack: Die beiden Werder-Profis Marko Marin (links) und Tim Wiese am Interview-Tisch im Quartier der Nationalelf. Quelle: dpa
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Die Zeit ist begrenzt, einige Kollegen hetzen von Tisch zu Tisch, um möglichst viele Zitate für möglichst viele Artikel zu ergattern. Medientag beim Deutschen Fußball-Bund ist aber auch ein Stimmungsbarometer: Das Gedrängel an den Tischen ist ein schöner Indikator dafür, wie hoch die einzelnen Profis und ihre Geschichten, die sie hoffentlich zu erzählen haben, gerade im Kurs stehen.

Die Journalisten sind schon vor den Spielern da, auf den Tischen mit den Schildern deponieren sie ihre Blöcke und ihre Diktiergeräte wie sonst die Touristen ihre Handtücher auf den Liegen der Hotelpools von Mallorca. Bei Lukas Podolski deutet das Barometer auf strahlenden Sonnenschein hin, was so gar nicht zu seiner Saison passen will. Gleich ein halbes Dutzend Kameras ist um ihn herum aufgebaut. Heiko Westermann sitzt in einer Ecke und blickt verloren vor sich hin; irgendwann erbarmt sich ein Kollege und schaut kurz beim Schalker vorbei. Einer fehlt in der Runde. Aber Michael Ballack ist ja auch nur als Privatperson auf Sizilien, und hätte sich der verletzte Kapitän an einen Tisch gesetzt, wäre es für all die übrigen Spieler eine sehr, sehr langweilige Stunde geworden.

Also müssen andere für die Schlagzeilen sorgen. Jerome Boateng berichtet von der schwierigen ersten Begegnung mit Ballack, als dieser im Mannschaftsquartier ankam. „Es tut mir leid, wir hätten ihn dringend gebraucht“, sagt Boateng, aber ein persönliches Problem mit Ballack gebe es nicht, obwohl es sein Bruder Kevin-Prince war, der den 33-Jährigen so brachial umgetreten hatte. Drei Tische weiter sitzt Tim Wiese; der Torwart von Werder Bremen nimmt den Rummel betont, ja geradezu aufreizend gelassen zur Kenntnis. Die Beine übereinandergeschlagen, der Blick gelangweilt, so erzählt er von den Vorbildern seiner Jugend, Toni Schumacher zum Beispiel, oder Oliver Kahn. Vor ein paar Tagen hat er mit Werder das Pokalfinale gegen Bayern München verloren und dabei vier Tore kassiert. Aber das, beteuert der nicht eben für seine Zurückhaltung bekannte Schlussmann, habe er schon eine Stunde später abgehakt gehabt.

Das nimmt ihm nicht mal sein Mannschaftskollege Per Mertesacker ab, der wissend lacht, als er darauf angesprochen wird. Vor vier Jahren, auf Sardinien, war Mertesacker noch ein Nebendarsteller, jetzt hat ihn Bundestrainer Joachim Löw wiederholt zum Führungsspieler ausgerufen, also gibt es auch um den Pattenser Gedrängel. „Da wundern sich einige, was Regeneration heißt“, sagt er über die anstrengenden Trainingseinheiten der vergangenen Tage und grinst. „Ich wusste das ja schon.“ Ein Kapitän werde doch noch gesucht, will jemand wissen, ob er sich dabei auch als Kandidat sehe? „Das ist im Moment kein großes Thema. Michael fällt ja nur für das Turnier aus“, sagt Mertesacker und freut sich über seinen kleinen Scherz, den er noch hinterherschickt. „Er kann sich mit seinem Gips halt nicht so gut bewegen, wie wir uns das gewünscht hätten.“

Stefan Knopf 18.05.2010
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