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WM 2010 Mertesacker zeigt sich als Problemlöser der deutschen Mannschaft
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20:41 08.06.2010
Von Heiko Rehberg
Schlagfertig bei Schlaglöchern: Per Mertesacker (r.) und Arne Friedrich auf dem Podium. Quelle: ap
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Die Liste mit Tätigkeiten, die ein erstklassiger Abwehrspieler können muss, ist lang. Sie fängt beim guten Kopfballspiel an und hört beim geschickten Stellungsspiel nicht auf. Der eine ist da besser, der andere dort. Eines aber muss jeder herausragende Abwehrspieler beherrschen: Er muss Probleme lösen können, möglichst sofort und effektiv. Per Mertesacker, der deutsche Nationalspieler, ist in dieser Hinsicht der Wunschtraum eines jeden Trainers; der 25-Jährige löst sogar Probleme, die andere zur Verzweiflung bringen. Zum Beispiel Arne Friedrich, Mertesackers Partner in der Innenverteidigung. Ein Beispiel? Bitte sehr!

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat extra für die Weltmeisterschaft die 23 Profis mit südafrikanischen Handys ausgestattet, in jedem Gerät sind bereits die Telefonnummern der Kollegen abgespeichert, „so etwas gab es bei uns noch nie“, sagt Mertesacker. Friedrich hat nun in den beiden ersten Tagen im
WM-Quartier in Erasmia die Erfahrung gemacht, dass er mit dem neuen Handy zwar problemlos seine Freundin in Berlin anrufen kann, aber nicht den Kollegen Stefan Kießling, um ihn beispielsweise zu fragen, ob er ihm einen Wechsel von Hertha BSC zu Bayer Leverkusen empfehlen würde. Nun kann man darüber diskutieren, warum sich Spieler, die sich den ganzen Tag sehen, mit dem Handy anrufen müssen, aber irgendetwas wird sich der DFB schon dabei gedacht haben.

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An dieser Stelle kommt Problemlöser Per ins Spiel. Als Mertesacker am Dienstag auf dem Podium im Teamquartier mit den Handyproblemen von Friedrich konfrontiert wurde, verbunden mit der Frage, ob es ihm auch so ergehe, sagte er: „Kann sein, spielt aber keine Rolle. Wenn ich etwas will, rufe ich denjenigen mit dem Hoteltelefon auf dem Zimmer an.“ Gelächter im Saal. Wer solche Schwierigkeiten meistert, der wird doch wohl auch mit australischen oder serbischen Stürmern klarkommen!

Wenn einer wie Mertesacker Späßchen macht, ist das ein gutes Zeichen für die Stimmung und die Konzentration in der Nationalmannschaft. Mertesacker hatte auf dem Flug nach Johannesburg wenig geschlafen, „Per ist selbst für die Sitze in dem Riesen-Airbus zu groß“, sagte Friedrich. Doch am zweiten Tag in Südafrika ist der 1,98-Meter-Mann in jeder Hinsicht ausgeschlafen. Er erzählte von seinen ersten Eindrücken von dem WM-Land, „die ich erst einmal verarbeiten muss und die zum Nachdenken anregen“. Die kurze, 20-minütige Busfahrt vom Trainingsquartier ins Stadion in Atteridgeville genügt, um zu sehen, wie nahe Arm und Reich in Südafrika beieinanderliegen. Das deutsche Hotel liegt an einer staubigen, mit Schlaglöchern versehenen Straße im Niemandsland im Westen von Pretoria, aber Mertesacker war klug genug, um zu wissen, dass jeder nicht ganz so freundliche Satz über das WM-Land viel kaputt machen könnte. Als ihn ein Reporter auf die Straße vom Johannesburger Flughafen nach Pretoria ansprach und wissen wollte, wie ihm denn die Gegend gefallen habe, sagte Mertesacker: „Ich habe im Bus geschlafen, ich hatte vom Flug noch etwas nachzuholen.“ Er formulierte dann noch den schönen Satz, dass „es was anderes ist als in Deutschland“, und machte einen kurzen Abstecher auf die Urlaubsinsel Fuerteventura, der nicht so abwegig war, wie er zuerst schien. Mertesacker erzählte von der dortigen „Mondlandschaft. Aber ich habe dort auch schöne Ecken entdeckt.“ Die südafrikanischen Reporter im Saal hörten die Übersetzung des DFB-Dolmetschers und nickten zustimmend. Sie hatten verstanden, was Mertesacker ausdrücken wollte.

Blieb noch ein Problem für den Problemexperten. Bis Dienstag gab es keinen Kontakt zu den Eltern in Pattensen. „Meine Eltern sind wahrscheinlich perplex, dass ich eine andere Nummer habe.“ Mertesacker versprach, die Eltern zu Hause auf den neuesten Stand zu bringen.

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