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WM 2010 Mesut Özil - der Ballkünstler mit schüchterner Seite
Sportbuzzer Themen WM 2010 Mesut Özil - der Ballkünstler mit schüchterner Seite
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07:22 25.06.2010
Immer am Ball: Mesut Özil. Quelle: afp
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Eine Expertenkommission des Weltfußball-Verbandes FIFA wählt nach jedem Spiel einen „Man of the Match“, den Spieler des Spiels. Im Soccer-City-Stadion von Johannesburg fiel die Wahl nach dem deutschen 1:0-Sieg gegen Ghana auf Mesut Özil, der gewiss nicht der beste Mann des Abends war, aber als einziger Torschütze der entscheidende.

Zum Glück hat Özil keiner verraten, dass der „Man of the Match“ stets eine traditionell hässliche Trophäe bekommt und vor der Weltpresse exakt zwei Fragen beantworten muss. Für Trophäen, die nicht der WM-Pokal sind, hat der 21-Jährige nicht viel übrig. Für Fragen noch weniger, denn Özil, der leichtfüßig wie kein anderer deutscher Spieler durch Abwehrreihen dribbeln kann, redet nicht besonders gerne. Der junge Mann, der mit dem Ball am Fuß ein Frechdachs ist, verwandelt sich mit dem Mikrofon vor seinem Mund zu einem schüchternen Abschlussball-Absolventen.

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Als er sein „Traumtor“ gegen Ghana beschreiben sollte, machte das Özil im Stenogrammstil, dann geht es schneller: „Ball von Müller bekommen, angenommen, Lücke gesehen, draufgehalten.“ Alles drin, alles korrekt beschrieben; dass es ein sehr schönes Tor war aus 17 Metern in einer Situation, in der die deutsche Elf bedenklich wackelte, darf hinzugefügt werden.

In der 26. Minute hatte Özil eine viel bessere Möglichkeit vergeben, als er – allein auf Ghanas Schlussmann Richard Kingson zulaufend – den Ball nicht im Tor unterbrachte. Es wäre der frühe Treffer gewesen, der allen das Leben leichter gemacht hätte. „Die Mannschaft hat mich danach unterstützt“, erzählte Özil, „die Spieler haben zu mir gesagt: ,Kopf hoch, den Nächsten machst du rein‘. Das gibt Selbstbewusstsein.“ Özils Kollegen wissen, was sie an dem Mann von Werder Bremen haben. „Er hat das Zeug, ein ganz großer Spieler zu werden“, sagte Arne Friedrich. Auch der Bundestrainer ist froh, einen wie Özil zu haben. „Er hat ein unglaublich hohes Niveau“, sagte Joachim Löw, der an ihm besonders schätzt, dass Özil kann, was nur wenige beherrschen: Wenn er den Ball annimmt, bleibt das Spiel im Fluss; er nimmt ihm nicht das Tempo.

Ist Özil mit 21 Jahren schon weltklasse? Für Löw ist die Frage nicht schwer zu beantworten: Ist er nicht. Noch nicht: „Weltklasse beinhaltet Entwicklung und Konstanz über Jahre, wer weltklasse ist, muss viele Spiele auf diesem Niveau machen. Da hat Mesut noch einen langen, steinigen Weg vor sich.“ Dass der Bundestrainer sicher ist, dass Özil diesen Weg gehen wird, musste er nicht betonen. Und man muss es Özil ja nicht gleich auf die Nase binden.

Aus Pretoria berichtet Heiko Rehberg

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