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WM 2010 Schwitzen auf Sizilien: Nationalelf im Trainingslager
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20:44 18.05.2010
Von Stefan Knopf
Schwitzen auf Sizilien: Marcell Jansen (l.) und Stefan Kießling (M.) mit einem Fitnesstrainer.
Schwitzen auf Sizilien: Marcell Jansen (l.) und Stefan Kießling (M.) mit einem Fitnesstrainer. Quelle: dpa
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Deutschland hatte viel zu lachen damals. Die Bilder von den Nationalspielern, wie sie mit Gummibändern um ihre Beine über den Rasen watschelten, gingen zur allgemeinen Erheiterung durch die Republik; „Gummitwist“, spotteten die Kritiker und hielten die Übungen, die der damalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann über den neuen Fitnesstrainer Mark Verstegen in die Nationalelf brachte, für kalifornische Spinnereien. Deutsche Fußballspieler laufen vielleicht Treppen hoch und runter, aber sie machen keinen Ententanz, war damals die weitgehende Meinung.

„A crazy road“, ein verrückter Weg, sei das gewesen seit dieser Zeit, sagt Verstegens Kollege Shad Forsythe. „Als wir vor sechs Jahren angefangen haben, hatten vielleicht ein, zwei Bundesligavereine einen Fitnesstrainer“, erinnert er sich, „heute hat fast jeder Klub einen. Das ist schön zu sehen.“ Die Akzeptanz in der Liga hat sich in den vergangenen Jahren geändert, „die Arbeit in der Bundesliga ist immer besser geworden“, lobt Verstegen. „Die Spieler sind gut in Form, wenn sie zur Nationalmannschaft kommen.“ Als Trendsetter wollen sich die Amerikaner trotzdem nicht sehen. „Nein, das würde ich so nicht sagen“ meint Forsythe, „jeder hat da seinen eigenen Stil, und jeder Verein arbeitet anders.“ Nur keine Eitelkeiten verletzen, das Verhältnis zwischen Bundesligisten und Nationalelf ist ohnehin schon kompliziert genug. Wie oft haben sich die Verantwortlichen der Klubs nicht schon darüber beschwert, der Bundestrainer mit seinen Mitarbeitern wolle den Vereinen vorschreiben, wie sie zu trainieren hätten? Dabei haben doch alle dasselbe Ziel, findet Forsythe. „Wir wollen, dass der Spieler im Mittelpunkt steht und dass er sich verbessert.“ Seit anderthalb Jahren lebt er nun in München und steht in regelmäßigem Kontakt zu seinen Kollegen in den Klubs. Seither, hat Forsythe bemerkt, habe sich das Verhältnis zu den Bundesligisten sichtbar entspannt; Vereine wie Bayern München oder Werder Bremen übermittelten sogar regelmäßig die Daten ihrer Nationalspieler.

Das Anforderungsprofil an die Fitmacher hat sich in den vergangenen Jahren verändert, das haben auch viele Vereine erkannt. Die Zeiten der Tempomacher bei Wald- und Wiesenläufen sind vorbei. Fußballspieler sind längst zum gläsernen Athleten geworden: Leistungswerte werden permanent ermittelt, körperliche Schwächen werden schonungslos transparent gemacht. „Wir haben einen sehr deutschen Ansatz“, sagt Verstegen, „jeder Spieler bekommt sein individuelles Programm.“

Das heißt übersetzt nicht anderes, als dass Abwehrspieler andere Belastungen trainieren als Stürmer, weil ihre Bewegungsabläufe unterschiedlich sind. „Abwehrspieler brauchen Explosivität in den Zweikämpfen, Stürmer müssen explosiv sprinten können“, erklärt Assistenztrainer Hansi Flick. Individuelle Defizite werden darüber hinaus mit persönlichen Trainingsplänen aufgearbeitet. Bis zum ersten WM-Spiel der deutschen Elf gegen Australien am 13. Juni werde jeder der 23 WM-Fahrer topfit sein, verspricht Verstegen. Dass die Profis auf der riesigen Anlage des „Verdura Golf & Spa Resorts“ bequem mit dem Golfcart zum Trainingsplatz rollen, soll daran nichts ändern.