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WM 2010 Spanien gegen Portugal: Zwei Fußball-Welten prallen aufeinander
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15:33 29.06.2010
Wollen ins Viertelfinale: Die Spanier Villa, Alonso, Torres, Pique und Co. Quelle: dpa
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Es ist ein ungleiches Duell. Auf der einen Seite der Europameister Spanien, bei dem trotz überragender Einzelkönner wie Xavi, Fernando Torres, David Villa oder Andres Iniesta in erster Linie die Mannschaft zählt. Auf der anderen Seite die Portugiesen, bei denen sich alles um die männliche Diva Cristiano Ronaldo dreht. Im Achtelfinal-Knüller zwischen den beiden iberischen Nachbarn prallen trotz der geografischen Nähe zwei Fußball-Welten aufeinander.

Ein Schlüsselrolle kommt dem spanischen Abwehrstrategen Gerard Pique zu. Er soll versuchen, Ronaldo weitgehend zur Wirkungslosigkeit zu verurteilen. In den bisherigen Duellen mit dem teuersten Fußballer der Welt, für den Real Madrid 94 Millionen Euro zahlte, hat der „spanische Beckenbauer“ diese schwierige Aufgabe stets bravourös gemeistert. In der Primera Division konnte der portugiesische Weltklasse-Stürmer gegen Pique, der beim FC Barcelona spielt, noch nie ein Tor erzielen. Jetzt geht es für Ronaldo und „Piquenbauer“, wie spanische Medien den Innenverteidiger respektvoll nennen, beim ersten Aufeinandertreffen auf Auswahlebene gleich um alles oder nichts.

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„Das wird ein schweres Spiel, aber ich freue mich darauf“, sagte Pique. Vicente del Bosque warnt seit Tagen eindringlich: „Portugal ist nicht nur Ronaldo“, sagte der spanische Trainer – wies aber auch auf den Sonderstatus des Super-Stars von Real Madrid hin. „Portugal ist sehr stark und hat zudem noch Ronaldo. Also praktisch er – und dahinter ein starkes Team.“ Entsprechend groß ist der Respekt. „Das ist einer der schwersten Gegner bei dieser WM.“

Doch gegen den will die „Seleccion“ nach der unerwartet holprig verlaufenen Gruppenphase endlich ihrem Favoriten-Status in Südafrika gerecht werden. Dazu bedarf es gegen den hoch eingeschätzten Kontrahenten einer deutlichen Steigerung. Zudem bangt del Bosque wegen einer Knöchelverstauchung um Mittelfeldmann Xabi Alonso, über dessen Einsatz kurzfristig entschieden wird. Für ihn könnten Cesc Fabregas oder Javier Martinez in die Startelf rücken.

Nicht von ungefähr herrscht bei den Portugiesen Zuversicht. „Ich habe das Gefühl, dass das Beste für uns noch kommt“, sagte Coach Carlos Queiroz. „Angst haben wir nicht“, versicherte Außenstürmer Simao Sabrosa. Man wolle den Spaniern mehr Schwierigkeiten bereiten, „als es zum Beispiel Brasilien getan hätte“, versprach der Profi von Atletico Madrid. Die Portugiesen kennen den Gegner bestens, da insgesamt sieben Akteure des WM-Vierten von 2006 in der spanischen Primera Division spielen.

Mehr als der Gegner bringt Queiroz das „Gelbfieber“ zum Zittern. Nicht weniger als sieben Spieler der „Lusos“ sind vorbelastet, darunter Ronaldo. „Ich muss sagen, die Schiedsrichter bereiten mir schon etwas Angst“, sagte der portugiesische Coach. Doch ein wenig Respekt scheinen ihm die Spanier dann doch zu machen: Am Sonntag trainierten seine Schützlinge erstmals seit WM-Beginn hinter verschlossenen Türen.

Paraguay - Japan: Selbstbewusst ins Achtelfinale

Fußballfieber in Tokio, Ausnahmezustand in Asuncion – aber beim Achtelfinale zwischen Japan und Paraguay blickt auch der Rest der Fußballwelt nach Pretoria. Im heutigen Achtelfinale können beide Teams WM-Geschichte schreiben. Niemals zuvor standen die „Blauen Samurai“ oder die „Guaranis“ in der Runde der letzten acht Mannschaften. Die unglaubliche Euphorie in der Heimat empfindet Paraguays Stürmer Roque Santa Cruz (früher FC Bayern München) als Ansporn und Verpflichtung zugleich: „Wir sind in einer historischen Epoche. Alles was unter Viertelfinale ist, ist zu wenig für uns.“ Nicht minder selbstbewusst gab sich Japans Kunstschütze Keisuke Honda: „Wir sind hier noch lange nicht fertig.“

Die WM schlägt die Fans, aber auch die Spitzenpolitiker beider Nationen in ihren Bann. „Das ganze Land zieht aus dieser Leistung Stolz und Energie“, lobte Japans Premierminister Naoto Kan. Noch pathetischer sprach Paraguays Staatspräsident Fernando Lugo über den Achtelfinaleinzug gegen Japan: „Das Volk will mit dieser Nachricht alle Spieler umarmen, die ihre Trikots mit Hingabe durchgeschwitzt und sich die Zuneigung und den Respekt aller erarbeitet haben.“ Für den Fall weiterer Heldentaten der Spieler stellte er einen Besuch in Aussicht: „Wenn sie ins Halbfinale oder ins Finale kommen, werde ich ernsthaft darüber nachdenken hinzufahren.“

Anders als in den Jahren 1986, 1998 und 2002 soll das Achtelfinale für das Team um die Bundesliga-Legionäre Lucas Barrios, Nelson Valdez (beide Borussia Dortmund) und Jonathan Santana (VfL Wolfsburg) nicht die Endstation sein. Der Sieg in der Gruppe F deutlich vor dem schon ausgeschiedenen Weltmeister aus Italien schürte in Paraguay die Hoffnung auf mehr. Doch Routinier Denis Caniza, der seine bereits vierte WM bestreitet, warnte vor allzu großem Übermut. „Wenn wir Geschichte schreiben wollen, haben wir noch nichts erreicht. Erst jetzt kommt die wichtigste Phase des Turniers.“

Diesmal muss Paraguay nicht gegen Fußball-Großmächte wie England (1986), Frankreich (1998) oder Deutschland (2002) antreten, sondern geht als Favorit in die Partie gegen den in der FIFA-Weltrangliste um 15 Plätze schlechter eingestuften Gegner. Zudem hat Japan noch nie ein WM-Spiel gegen Südamerikaner gewonnen.

Der vermeintliche Außenseiter, der bisher vor allem durch sehenswerte Freistoßtore und immense Laufarbeit von sich reden machte, gibt sich ungewöhnlich forsch. Vor allem das 3:1 im letzten Gruppenspiel über Dänemark sorgte für Rückenwind. Die mutige Zielsetzung von Trainer Takeshi Okada vor dem WM-Start, das Halbfinale ins Visier zu nehmen, wird mittlerweile nicht mehr belächelt.

Die Kritik an Okadas Arbeit nach vier Testspielniederlagen vor der WM ist längst in Respekt übergegangen. „Gott, Buddha und Seine Hoheit Okada“ titelte die Zeitung „Nikkan Sports“ voller Euphorie. Nach dem WM-Aus von Südkorea gegen Uruguay sieht der Fußballlehrer sein Team ganz besonders in der Pflicht: „Als einzige verbliebene asiatische Mannschaft müssen wir jetzt mit Stolz spielen.“ Diese Botschaft hat Verteidiger Yuji Nakazawa verinnerlicht: „Ich bin hungriger als jemals zuvor.“

dpa

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