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WM 2010 Südafrika fürchtet nach WM die Rückkehr des Rassenhasses
Sportbuzzer Themen WM 2010 Südafrika fürchtet nach WM die Rückkehr des Rassenhasses
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14:10 30.06.2010
Sag nein zum Rassismus: Beim Confederations Cup 2009 zeigten die Mannschaften von Südafrika und Brasilien Flagge. Quelle: dpa
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„Nein, ich habe keine Angst“, versichert Andre Nvoubo lachend. Dann aber fügt der Kongolese in der proppenvollen Kapstädter Kneipe etwas ernster hinzu: „Es gibt natürlich schon üble Leute hier.“ Der 32 Jahre alte Koch, seit fast drei Jahren am Kap, kennt wie die über sechs Millionen anderen Ausländer in Südafrika auch die bedrohlichen Vorzeichen für den Ausbruch neuen Ausländerhasses.

Sie alle haben die Bilder aus dem Mai 2008 im Kopf, als wütender Mob und brutale Banden 62 Ausländer töteten, manche lebendig anzündeten oder mit Macheten zerstückelten. Hunderte wurden verletzt, Fast 100 000 wurden aus ihren Häusern vertrieben. Nun wächst die Angst vor dem 12. Juli, dem Tag nach dem Endspiel der Fußball-WM. „Wenn die ausländischen Fans gehen, sollen auch die anderen gehen“ lautet die derzeit verbreitete Parole in den Townships, berichten Bewohner.

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Die Ausländerfeindlichkeit in Südafrika sei unverändert stark, berichtete kürzlich Prof. David Averatt in Gauteng bei der Vorstellung einer Studie. Demnach glauben 69 Prozent der Einheimischen, „dass Ausländer sich Leistungen erschlichen, die für Südafrikaner bestimmt seien“.

68 Prozent aller Ausländer haben in den vergangenen Wochen Drohungen erhalten, berichtete das Scalabrini Zentrum in Kapstadt, das sich um Flüchtlinge und Einwanderer kümmert. Ausländische Geschäftsbesitzer werden laut des „Mail&Guardian“ massiv bedroht, viele hätten ihre Geschäfte geschlossen. Inzwischen haben der „Cape Times“ zufolge bereits Zehntausende Ausländer Südafrika aus Furcht vor neuen Gewalttaten verlassen. In vielen Schulen des Landes seien ausländische Schüler abgemeldet worden.

Der Gärtner David L. aus Simbabwe und seine schwangere Frau Regina haben im vornehmen Vorort in Tokai schon Vorsorge getroffen: Der wohlhabende Südafrikaner, der David beschäftigt, hat ihnen erlaubt, ihr Hab und Gut aus ihrer kleinen Hütte in einem Township in der Garage zu bunkern, notfalls dürfen sie dann auch dort für einige Zeit whnen, „ich baue ihnen noch eine Dusche ein“, berichtet der Villenbesitzer. So wie er wollen viele vermögende Südafrikaner ihre Angestellten vor ausländerfeindlichen Aktionen schützen.

An der drohenden Gefahr gibt es kaum Zweifel. Kirchen, Institutionen und Menschenrechtsorganisationen warnen seit Wochen vor Gewaltausbrüchen nach der WM. „Wir werden keine ausländerfeindlichen Aktionen erlauben“, warnte Regierungssprecher Themba Masekokurz vor dem WM-Start. Die Polizei werde hart gegen jeden vorgehen, der sich an Ausländern vergreife.

Schon vor zwei Jahren aber hatten die Sicherheitskräfte nicht verhindern können, dass Einwanderer aus Mosambik, Malawi and Simbabwe angegriffen worden. Der dumpfe Vorwurf lautet damals wie heute, dass Ausländer Südafrikanern Arbeitsplätze wegnehmen würden. Die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt in einem Land mit einer offiziellen und damit unterschätzten Arbeitslosenrate von 25 Prozent ist tatsächlich erbittert. „Alle wissen, dass die Leute aus Simbabwe oder Malawi fleißiger und zuverlässiger sind als die einheimischen Arbeitskräfte“, verweist eine Unternehmerin in Constantia auf einen Aspekt, der die Lage für Südafrikaner noch erschwert.

„Niemand hasst Ausländer mehr als wir - Südafrika ist offiziell die ausländerfeindlichste Nation der Welt“, hatte schon vor zwei Jahren die „Sunday Times“ getitelt - und auf entsprechende internationale Studien verwiesen. Derzeit zeigt sich Südafrika den ausländischen Gästen als blendender und freundlicher Gastgeber. Die im Land lebenden Ausländer fürchten, das sei nur eine Maske, die am 12. Juli fällt.

dpa

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