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WM 2010 Südafrika träumt von den Olympischen Spielen 2020
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12:30 24.06.2010
Gut aufgelegt: Die südafrikanischen Fans haben bislang Lust auf mehr gemacht. Quelle: afp
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Noch ist noch nicht mal Halbzeit der Fußball-WM und schon greifen die Südafrikaner wieder nach den Sternen: Südafrika will sich um die Olympischen Spiele 2020 bewerben. Die kühne Idee spiegelt den Stolz des Landes über den bisher glanzvollen und reibungslosen Verlauf der Fußball-WM wieder. Lob kommt von allen Seiten, nicht nur FIFA-Präsident Blatter äußert sich begeistert über die erste WM in Afrika. „Südafrika macht das Klasse“, würdigte auch Ex-US-Präsident Bill Clinton bei seinem Besuch in Pretoria die WM-Gastgeber.

Die Südafrikaner spüren, dass sich die öffentliche Meinung vielerorts verändert hat. „Die WM ist sehr gut organisiert, auch die großen Befürchtungen wegen der Gewalt haben sich nicht bestätigt“, formulierte Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) in Johannesburg treffend den Tenor der Urteile über die WM. Selbst die gefürchteten englischen Boulevardzeitungen, die vor der WM noch den Fans das Tragen von schusssicheren Westen empfohlen hatten, haben das „Südafrika-Bashing“, das Draufschlagen auf den Gastgeber, aufgegeben, wie die „Cape Times“ zufrieden kommentierte.

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Während zum WM-Start noch Raubüberfälle auf Fans düstere Vorahnungen weckten, haben im weiteren Verlauf der ersten zwei Wochen Verbrechen kaum noch Schlagzeilen gemacht. Es gab zwar Probleme und Pannen: Ein englischer Fan drang gar bis zur Mannschaftskabine seiner Idole vor. Die Stadionordner in mehreren Städten gingen wegen niedriger Löhne auf die Barrikaden, die Polizei musste die Verantwortung für die Stadion-Sicherheit übernehmen. Auch beim Transport klappte nicht immer alles - aber das waren Vorfälle, die bei einer solchen Mega-Veranstaltung auch in anderen Ländern nie auszuschließen sind.

Entgegen allen Unkenrufen waren die meist wunderschönen Stadien bei den Vorrundenspielen gut gefüllt, auch wenn sich die meisten Fans aus aller Welt kaum an das Vuvuzela-Gedröhn gewöhnen konnten. Die Begeisterung der Südafrikaner und ein buntes Rahmenprogramm mit viel Musik verwandelte vor allem in den Metropolen wie Johannesburg und Kapstadt die Fanparks in rauschende WM-Partys. Weder Streiks noch soziale Proteste schmälerten das große WM-Fest.

Auch das frühe Ausscheiden der südafrikanischen Nationalmannschaft scheint den Stolz und die Freude der Gastgeber nicht zu schmälern. Präsident Jacob Zuma, begeistert über „den Erfolg dem WM und den Geist der Einheit im Land“, war eine der ersten, der noch während der WM den Gedanken an eine Olympia-Bewerbung aufgriff. Südafrika besitze geeignete Sportstätten, „und diejenigen, die die Entscheidungen treffen, kennen Südafrika jetzt“, meinte er. „Wir haben gezeigt, was Südafrika leisten kann. Wenn es eine südafrikanische Bewerbung gäbe, ...würde sie sicher sehr, sehr ernst genommen“, sagte auch Organisationschef Danny Jordaan.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat inzwischen Wohlwollen für eine solche Bewerbung signalisiert. „Es ist eine gute Nachricht, dass Südafrika über die Zukunft nach der WM und die Olympischen Spiele nachdenkt“, sagte IOC-Präsident Jacques Rogge am Mittwoch in Lausanne. Er will bei einem Treffen am Rande des WM-Endspiels am 11. Juli in Johannesburg mit Zuma über das Thema sprechen.

Interesse für die Sommerspiele 2020 haben bisher Rom, Madrid und Tokio angemeldet. Bewerbungen werden ebenso in der Türkei, Marokko und Dubai erwogen. Südafrika hatte sich mit Kapstadt bereits um die Sommerspiele 2004 beworben. Es scheiterte bei der IOC-Vollversammlung 1997 in Lausanne erst im vierten Wahlgang an Rom und dem späteren Sieger Athen. Eine bis zum Ende erfolgreiche WM würde die Chancen einer südafrikanischen Stadt (in Frage kommen Johannesburg, Durban und Kapstadt) sicher erhöhen - wären es doch die ersten olympischen Spiele auf afrikanischem Boden.

dpa

24.06.2010
24.06.2010