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WM 2010 Südafrika will mit Hilfe der Vuvuzelas gewinnen
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14:11 09.06.2010
Bunt und laut: Vuvuzelas gehören in Südafrika zur Fanausstattung dazu. Quelle: afp
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Auch wenn Südafrika seit zwölf Spielen nicht mehr verloren hat - Nationalcoach Carlos Parreira setzt im Auftaktmatch gegen Mexiko nicht so sehr auf Spielkunst und Kampfkraft seiner Mannen. „Laut muss es sein, so laut wie nur möglich“, betont er immer wieder. Er vertraut dem einschüchternden Gedröhn der Vuvuzelas, dem Lieblingsinstrument der südafrikanischen Fans.

Der Brasilianer grinst wie ein Honigkuchenpferd, wenn er auf kritische Kommentare wegen des ohrenbetäubenden Lärms der Plastiktröte angesprochen wird. Er glaubt, dass der Fußball-Underdog Südafrika, nur 83. der Weltrangliste, irgendwie ein moralisches Anrecht darauf hat, mit Vuvuzelas bewaffnete Heerscharen von Fans als „zwölften Mann“ einsetzen zu dürfen.

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„Zehntausende von Vuvuzelas werden die normalerweise unerschütterlichen Mexikaner zu Pudding machen“, erwartet die „Times“. „Der wirkliche Vorteil der Bafana Bafana werden die Vuvuzelas sein.“ Diese Ansicht teilen viele Südafrikaner. Die FIFA hat ein Tröten-Verbot zunächst ausgeschlossen.

Allerdings könnten die Spekulationen der Gastgeber über die segensreiche Wirkung der Vuvuzelas auch zur Milchmädchenrechnung werden. Denn vielleicht gewinnt die Bafana Bafana das eine oder andere Spiel auch dank der infernalischen Geräuschkulisse - aber vielerorts könnte das Südafrika auch Sympathien kosten. Und selbst wenn das Team ausscheiden würde und die lokalen Fans andere afrikanische Mannschaften mit eintönig-tosenden Vuvuzela-Konzerten anfeuern würden: Sie könnten damit den Sehnsüchten Südafrikas nach mehr Anerkennung und besserem Image einen Bärendienst erweisen.

Noch sind die kritischen Stimmen eher verhalten, niemand möchte die stolzen und begeisterten Gastgeber beleidigen. Auch im deutschen WM-Quartier ist das nachweislich lauteste Fan-Instrument der Welt ein Thema: „Mir gefällt es nicht so, es ist sehr laut“, meinte Nationalspieler Arne Friedrich nach den ersten Live-Erlebnissen mit der Tröte. Dabei waren beim öffentlichen Training des deutschen Teams im Stadion von Atteridgeville gerade mal ein paar hundert Plastiktröten zu hören - im Soccer City Stadion könnten es leicht 50 000 oder mehr werden. Beim DFB wurde ernsthaft diskutiert, den Spielern Ohrstöpsel zu verpassen - nur können sie dann auch nicht mehr ihre Nebenleute verstehen.

Inzwischen ist unbestritten, dass die Vuvuzela, die Dezibelwerte von über 123 erreicht, nicht ganz ungefährlich sind. „Wer sich länger als 15 Minuten einem Lärmpegel von 100 Dezibel aussetzt, riskiert bereits eine Beeinträchtigung des Gehörs“, warnen Experten des Hörgerätehersteller Phonak in Fellbach bei Stuttgart. Sie verweisen auf Arbeitsschutzbestimmungen in Deutschland, denen zufolge sich kein Arbeiter ohne Gehörschutz dem Lärm von mehr als 95 Dezibel aussetzen dürfe. Und das höchstens eine Stunde lang.

Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen empfiehlt deshalb, Vuvuzelas bei Public Viewings zu verbieten. Die Tröten seien eindeutig zu laut, meinte Umweltminister Eckhard Uhlenberg. Den Südafrikanern ist noch gar nicht klar, in welches Dilemma sie geraten könnten. Denn die Tröte gilt schon jetzt als eines der Symbole der WM 2010. Niemand wünscht den Gastgebern, dass sie zum Symbol einer WM voller Misstöne wird.

dpa

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