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WM 2010 Weltmeisterschaft gibt Löw den „Kick“
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10:06 13.06.2010
Bundestrainer Joachim Löw Quelle: dpa
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Als kleiner Knirps bewunderte Joachim Löw seine Idole Uwe Seeler und Gerd Müller als Fernseh-Fan bei der WM 1970 in Mexiko, jetzt steht er selbst auf der größten Fußballbühne. „Ich freue mich, dass ich mittendrin bin bei so einem Weltereignis“, bekannte der 50 Jahre alte Schwarzwälder kurz vor dem Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft in Südafrika und verriet: „Die großen Wettkämpfe geben mir den Kick. Ich liebe die Turniere, die Alles-oder-Nichts-Spiele, wo es um unheimlich viel geht.“

Auf 50 Länderspiele kann Löw nach dem Australien-Match in Durban zurückblicken - aber womöglich kommen nicht mehr viele hinzu. Der Abpfiff für Deutschland bei der Weltmeisterschaft am Kap könnte auch das abrupte Ende der Ära Löw beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) bedeuten. Nach der unter großem Getöse und internen Verwerfungen gescheiterten Vertragsverlängerung zu Jahresbeginn ist eine Scheidung vom Verband gut vorstellbar. Eine Entscheidung werde es aber erst nach Turnierende geben, bekräftigte Löw im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. „Wir werden uns zeitnah zusammensetzen nach dem Turnier und analysieren, was geschafft worden ist und wie man weitermachen möchte“, kündigte der 50-Jährige an.

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Löw macht kein Hehl aus der Tatsache, dass er seinen aktuellen Job gerne ausübt und dieser ihm mehr Freude als Ärger bereitet. “Überwiegend macht der Job viel Spaß“, bestätigte er, gerade jetzt, da er sich rund um die Uhr auf seine Arbeit mit der Mannschaft konzentrieren kann. Ein normaler Arbeitstag in Südafrika hat für ihn 16 Stunden, angefangen vom Aufstehen morgens um acht über das Training und Sitzungen mit seinem Trainerstab, den Spielern und Manager Oliver Bierhoff, der seit 2004 eng an seiner Seite ist.

Ob das System Löw auch ohne den ehemaligem DFB-Kapitän Bierhoff funktionieren könnte, ist eine Kardinalfrage. Viele Beobachter geben dem Manager über die WM 2010 hinaus keine Zukunft im Verband. Löw dagegen streicht die „hohe Verantwortung“ heraus, die er zusammen mit Bierhoff für das große Ganze trägt: „Alleine würde das nicht funktionieren“, erklärte der Chefcoach, der sich ausdrücklich als Teamplayer bezeichnet. Bierhoff hatte, angesprochen auf seine ebenfalls offene Zukunft, vielsagend erklärt: „Vielleicht brauchen wir nach der WM gar nicht zu diskutieren.“ Es könne sein, dass es gar kein neues Angebot des Verbandes gebe, bemerkte der 42-Jährige.

Die Verknüpfung Löw/Bierhoff muss kein Automatismus für die Zukunft sein. Löw übt seinen Job gerne aus, auch wenn es immer wieder „schwierige Phasen“ zu bestehen gebe, „in denen man das Gefühl hat, alle wissen die Dinge besser als der Bundestrainer selbst“. Am wohlsten fühlt er sich vor und während eines Turniers, wenn er seine Rolle als Fußball-Lehrer ausleben kann: „Weniger Spaß macht es, wenn man nur zwei Tage Vorbereitung hat auf ein Spiel.“

Ein Überraschungserfolg mit dem zweitjüngsten deutschen WM-Team aller Zeiten in Südafrika würde ihn nicht nur in eine hervorragende Verhandlungsposition befördern. Es könnte auch Motivation sein, um eine Mannschaft, der „die Zukunft gehört“, auf den Gipfel zu begleiten. „Ich sehe diese Mannschaft für noch mehr entwicklungsfähig an als die von 2006 und 2008“, sagte Löw. Bis auf zwei, drei Spieler des WM-Kaders wie Torhüter Jörg Butt (36) und Stürmer Miroslav Klose (32) sei das Team „in der Lage, noch über längere Zeit zu spielen“. Ein „Wandel“ müsse darum nach der Weltmeisterschaft nicht vollzogen werden, betonte Löw, den auch die Spieler gerne behalten möchten.

Beim Rückblick auf seine ersten 50 Länderspiele und die zwei Jahre davor als Assistent von Jürgen Klinsmann erinnert Löw selbst nur an die schönen Momente. Bittere Niederlagen wie 2008 im EM-Finale gegen Spanien (0:1) blendet er lieber aus. „Ich erinnere mich an das Elfmeterschießen gegen Argentinien bei der WM 2006, an die Spiele bei der EM vor zwei Jahren. Der Sieg gegen Portugal war ein Klassespiel. Auch die beiden Siege in der WM-Qualifikation gegen Russland sind haften geblieben. Vor 80.000 Zuschauern in Moskau zu bestehen, das macht den Fußball aus.“ Ähnlich große Stunden möchte Löw auch in Südafrika erleben - und es wird für ihn alles ganz anders sein als vor 40 Jahren als kleiner Bub: „Als Zehnjähriger hat man die ganze Dimension so einer WM weniger realisiert.“

dpa