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WM 2010 Zwanziger: Löw-Vertrag nicht von WM abhängig
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11:08 16.05.2010
Verbandschef Theo Zwanziger Quelle: dpa
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Rückendeckung vom Präsidenten, klare Frist vom Generalsekretär: Die ungeklärte Zukunft von Bundestrainer Joachim Löw beschäftigt auch zum Auftakt der WM-Vorbereitung die Führungsspitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Verbandschef Theo Zwanziger würde den Vertrag mit Löw sogar bei einem Scheitern in der WM-Vorrunde verlängern wollen. „Ich kann mir das sehr gut vorstellen“, sagte der Verbandspräsident in einem Interview. „General“ Niersbach nannte derweil erstmals den Zeitrahmen für die Entscheidung in der vor dem Jahres-Highlight ungelösten Bundestrainer-Frage. “14 Tage nach WM-Schluss brauchen wir Klarheit“, erklärte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach am Samstag in Berlin.

Zwanziger machte exakt vier Wochen vor dem WM-Auftakt gegen Australien deutlich, dass er am liebsten mit Löw weiterarbeiten will - und verzichtete ungewohnt deutlich auf Erfolgsvorgaben: „Mein Wunsch wäre es schon, mit ihm weitermachen zu können, auch nach der WM, unabhängig vom Abschneiden“, sagte Zwanziger. „Fest steht, dass es noch keine Entscheidung gibt“, betonte Niersbach.

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Trotz der mit vielen Indiskretionen und gegenseitigen Beschuldigungen verbundenen gescheiterten Vertrags-Verlängerung am Anfang des Jahres sehen sowohl der DFB als auch Löw die Chance, auch nach Südafrika zusammen weiterzuarbeiten. „Das Vertrauen ist da. Ich weiß, das ist schwer zu glauben“, erklärte der DFB-Generalsekretär und fügte deutlich an: „Es gibt keinen Plan B.“ Löw hatte das Thema kategorisch auf die Zeit nach der WM vertagt: „Es ist alles offen.“

Im Gegensatz zu seinem Top-Angestellten Löw setzte Zwanziger die gerade auf Sizilien in die Turniervorbereitung gestartete DFB-Auswahl unter Zugzwang. „Aber du musst dort hinfahren mit dem Willen zum Sieg“, betonte er. „Just for Fun, in Südafrika eine schöne Meisterschaft erleben, das kann es nicht sein, und das wird es auch nicht geben.“

Zwanziger forderte ein Umdenken auch beim mächtigen Fußball- Verband. „Unsere Arbeit wird nicht immer auf ein Turnier bezogen sein. Da müssen wir uns auch als DFB ein Stück anders verhalten. Wir haben viele Erfolge gehabt die letzten Jahre mit der Nationalmannschaft. Wir können die Vertragsverlängerung mit dem Trainer daher nicht allein vom Abschneiden bei dieser WM abhängig machen“, sagte er.

Auf eine Fortsetzung des Löw-Engagements festlegen wollte sich Zwanziger natürlich nicht. „Aber wir haben in den vergangenen Jahrzehnten immer gesehen, dass ein solches Turnier Veränderungen bringen kann. Das kann man heute nicht absehen.“

In Südafrika hofft Zwanziger auf den erneuten Vorstoß unter die besten vier Teams der Welt, zumal die Ausgangslage besser sei als bei der Heim-WM 2006. „Ich denke mal, dass unser Ziel sogar noch ein bisschen weiter geht als das Viertelfinale. Das heißt aber nicht, dass es unbedingt so sein muss. Der Erfolg des Turniers hängt auch davon ab, wie die Mannschaft spielt und ob der Funke überspringt“, sagte er. „Wir können etwas erwarten von dieser Mannschaft und ich bin überzeugt, dass sie ein gutes Turnier spielen wird“, attestierte der Verbandschef dem dreifachen Weltmeister gute Chancen.

Gleichzeitig mahnte Zwanziger, die ersten drei Gegner nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Die Gruppe D mit den Kontrahenten Australien, Serbien und Ghana sei „kein Spaziergang“. „Ich will davor warnen, diese Vorrunde zu unterschätzen. Du hast keinen Gegner, bei dem du sagen kannst, da kann ja gar nichts schiefgehen. So wie es beispielsweise Costa Rica 2006 gewesen ist.“ An einem schlechten Tag, könne es „daneben gehen“.

Zwanziger, der am 11. Juni - 5 Tage nach seinem 65. Geburtstag - gemeinsam mit Bundespräsident Horst Köhler das Eröffnungsspiel zwischen Südafrika und Mexiko im Soccer City Stadion von Johannesburg verfolgen wird, hofft für den Gastgeber auf eine erfolgreiche WM- Organisation. „Die Menschen sind über Jahrhunderte ausgebeutet und gedemütigt worden. Ich weiß, dass Afrikaner stolz sind. Dass sie nun in diesem Stolz mal bestätigt werden, ist wichtig“, sagte der Jurist.

Der DFB-Chef warb trotz der Sicherheitsproblematik am Kap um Vertrauen in die WM-Veranstalter: „Ich denke, das darf man auch nicht schönreden. Man muss aber auch gleichzeitig sagen, das Ganze ist beherrschbar. Es macht keinen Sinn, jetzt anhand der Statistiken, die es gibt, ein Szenario zu eröffnen, das jeder Angst haben muss, dorthin zu gehen. Die Südafrikaner haben sich vorbereitet auf diese Situation“, sagte er.

Zwanziger hofft für sich selbst auf einen langen Südafrika-Törn. Bis zum Achtelfinale bleibt er in jedem Fall, kehrt nach einem kurzen „Heimaturlaub“ aber nur zurück, wenn das DFB-Team das Viertelfinale erreicht. “...und dann bleibe ich bis zum Turnierende. Bis wir hoffentlich den Pokal in den Händen halten“, sagte er.

dpa