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Sportbuzzer 3000 Läufer trotzen am Maschsee in Hannover dem Winter
Sportbuzzer 3000 Läufer trotzen am Maschsee in Hannover dem Winter
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20:41 02.01.2011
Von Gabriele Schulte
Eine gute Stimmung herrschte beim Massenlauf rund um den Maschsee. Quelle: Florian Petrow
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Diesmal waren die traditionellen Gewinner Dirk Schwarzbach und Thomas Bartholome wegen Urlaubs und Knieoperation nicht mit von der Partie. Da schien der 1. Platz dem bis kurz vor Schluss führenden „ewigen Zweiten“ Reichert schon sicher. Doch der sechs Jahre jüngere Mittelstreckler Champignon zeigte bei der 14. Auflage am Maschsee die eindeutig bessere Sprintqualität. „Sprints von 30, 40 Metern habe ich zuletzt besonders trainiert“, sagte der 22-Jährige strahlend. „Ich wusste, dass ich gut drauf bin.“ Mit 18:16 Minuten lag er letztlich drei Sekunden vor Reichert; Dritter wurde Timo Kuhlmann von der LG Hannover in 18:36 Minuten.

Bei den Frauen ging die Sache eindeutig aus: Favoritin Ulrike Dreißigacker von Hannover 96 verbuchte in 21:13 Minuten einen klaren Vorsprung vor Triathletin Lena Brunkhorst und der früheren Profiradfahrerin Eva Lutz. Die Medizinstudentin Brunkhorst hatte sich im vergangenen Vierteljahr auf ihre Prüfungen konzentriert, ihr machte der 56-Sekunden-Rückstand daher offensichtlich nichts aus. „Es ist immer wieder schön, hier zu laufen“, sagte sie am Siegertreppchen. „Das gehört zu Silvester einfach dazu.“ Das finden auch der von einer Mandelentzündung genesene hannoversche Radprofi Grischa Niermann (22:53 Minuten) und Oberbürgermeister Stephan Weil, mit 28:40 Minuten erneut gut in Form.

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Den widrigen Wegverhältnissen, die Streckenrekorde nahezu unmöglich machten, hatten am letzten Tag des Jahres an die 3000 Läufer und Walker getrotzt; außerdem liefen 133 Kinder am Ostufer um die Wette. Mit dem Winter hatten die Hobbysportler in den vergangenen Wochen reichlich Erfahrung gesammelt, die Unsicherheit ließ einige auf eine Anmeldung verzichten. Im Gegensatz zu den Vorjahren, wo die zu einem der größten deutschen Silvesterläufe aufgerückte Maschseerunde früh ausgebucht war, blieben 100 Startnummern ungenutzt.

Ein bisschen mulmig war auch vielen Angemeldeten zumute, als sie sich am letzten Morgen des Jahres zum Maschsee aufmachten: Es taute, schneebedeckte Bürgersteige waren über Nacht zu Rutschbahnen geworden. „Spiegelglatt“ sei es vor seiner Haustür in Bothfeld gewesen, erzählte Hobbyläufer Frank Wagner (48). „Ich dachte, die sagen den Silvesterlauf ab.“ Doch anders als die Veranstalter etwa in Osnabrück oder Emmerthal kamen die Organisatoren von der „Agentur eichels: Event“ zum Ergebnis, die Teilnehmer sicher auf die 5,8 Kilometer lange Strecke schicken zu können. „Wir haben mit der Stadt und ,aha‘ die Wege überprüft“, sagte Sprecher Michael Kramer. „Grund zur Sorge gibt es hier nicht.“

Immerhin: Es war angenehm mild. Und ohnehin kommt zum Silvesterlauf kaum jemand, um Hochleistung zu zeigen. Im Vordergrund stehen der Spaß und das gute Gefühl, das Jahr sportlich ausklingen zu lassen. So traf Moderator Christoph Dannowski mit seiner Aufforderung, der Gesundheit den Vorrang vor Schnelligkeit zu geben, auf offene Ohren. „Just for fun“ sei er dabei, sagte vorne im Startfeld der Arzt und Laufbuchautor Matthias Marquardt, er hatte sich noch am Vortag mit einem Kollegen durch knietiefen Schnee in der Heide gekämpft. „Das ist keine Jahreszeit für die Topform.“ Den Maschsee hatte der 33-Jährige zum ersten Mal für seinen Silvesterlauf ausgesucht – sonst war er immer bei familiären „Dorfläufen“ angetreten.

Die gute Stimmung beim Massenlauf um den See hat sich weit über die Stadtgrenzen hinaus herumgesprochen. „Ich bin gekommen, weil ein Bekannter davon geschwärmt hat“, sagte Friedrich Gärling (48) aus dem schaumburgischen Auetal. Lisa Krage aus Hildesheim hoffte nicht zuletzt auf besseren Windschutz als ein Jahr zuvor beim Schneetreiben in der Haseder Feldmark. Vorsichtshalber hatte die 16-Jährige Spikes mitgebracht. Die musste sie nicht einsetzen, denn die Läufer konnten häufig auf unerwartet schneefreie Radwege ausweichen. Besondere Obacht war eigentlich nur im Startgedränge, in den Kurven am Strandbad und beim Zieleinlauf am Nordufer geboten. Vorsicht ließen alle Teilnehmer walten: Kein einziger musste von den Johannitern verarztet werden.

Stattdessen strömten die Läufer nach ihrem sportlichen Jahresabschluss fröhlich zu Krapfen- und Sektständen. Auch mehr als drei Dutzend Teilnehmer der HAZ-Vorbereitungsgruppe für den Hannover-Marathon im Mai hatten am Maschsee Wettkampfatmosphäre geschnuppert. Trainer Markus Pingpank bilanzierte erfreut: „Alle sind gut und mit einem Lächeln ins Ziel gekommen.“