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Sportbuzzer Als Deutschlands Formel-1-Star in den Tod raste
Sportbuzzer Als Deutschlands Formel-1-Star in den Tod raste
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17:19 09.09.2011
Wolfgang Graf Berghe von Trips. Quelle: dpa
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Monza

Tod statt Titel: Wolfgang Graf Berghe von Trips hätte beim Großen Preis von Italien nur vor seinem Teamkollegen Phil Hill über die Ziellinie fahren müssen, um als erster Deutscher Formel-1-Weltmeister zu werden. Aber der sympathische und schnelle Rennfahrer aus dem Rheinland raste an jenem schwarzen 10. September 1961 auf dem Hochgeschwindigkeitskurs von Monza nach einem Unfall von der Strecke. Von Trips flog aus dem sich überschlagenden Ferrari und brach sich das Genick. Zudem starben 15 Zuschauer bei dem Horrorcrash, 60 zogen sich teilweise schwere Verletzungen zu.

Die Königsklasse des Motorsports stand unter Schock. Der 33 Jahre alte Renn-Graf, der lange mit dem Image eines «Crash-Counts» zu kämpfen hatte, galt in seiner vierten Grand-Prix-Saison als sicherer und zuverlässiger Pilot und war ein kommender Star der Szene. Sein Titeltriumph schien nur noch Formsache zu sein, da die Scuderia aus Kostengründen beim Saisonfinale in den USA nicht starten wollte und nur die besten fünf von acht WM-Läufen zählten.

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«Trips war ein sehr sauberer und sicherer Fahrer, der sich grundsätzlich nie zu unfairen Aktionen hinreißen ließ», lobte Rivale Stirling Moss seinen adligen Kollegen. «Taffy war ein Gentleman im wahrsten Sinne des Wortes. Er kam aus einer guten Familie, war aber kein Snob.» Der Brite schilderte als Augenzeuge den schrecklichen Unfall, der sich an diesem Samstag beim Großen Preis von Italien zum 50. Mal jährt: «Ich lag irgendwo mitten im Feld. Das Einzige, was ich erkennen konnte, war eine große Staubwolke, und im Vorbeifahren sah ich überall Wrackteile.» Rekord-Weltmeister Michael Schumacher würdigte seinen Landsmann in Monza vor dem Großen Preis von Italien.

«Er hat den Motorsport auch in Deutschland bekanntgemacht, als er mit Ferrari um die WM fuhr.» Mit von Trips verbinde ihn der Kart-Club, der vor 50 Jahren in Horrem gegründet worden sei. Selbst Sebastian Vettel ist der erste deutsche Grand-Prix-Sieger ein Begriff, obwohl der aktuelle und wohl auch künftige Champion erst 26 Jahre nach von Trips' Tod geboren wurde. «Trips hatte die Kartbahn in Horrem bauen lassen, und weil die zu klein war, wurde sie nach Kerpen verlegt», sagte der Red-Bull-Pilot dem Fachmagazin «auto, motor und sport»: «Ganz hinten im Wald gab es eine Haarnadelkurve, die seinen Namen trug. Da hörte ich das erste Mal von ihm.»

Wolfgang Alexander Graf Berghe von Trips kam am 4. Mai 1928 auf Burg Hemmersbach bei Horrem zur Welt. Ende der 40er-Jahre begann er mit dem Motorradsport, verheimlichte das aber vor seinen Eltern. Nach verschiedenen Erfolgen auf zwei Rädern kaufte er sich 1954 einen Porsche. Da in erster Linie sein Vater gegen sein Motorsportengagement war, startete von Trips zunächst unter dem Pseudonym Axel Linther. Auch auf vier Rädern bewies von Trips sein Talent mit Siegen bei der legendären Mille Miglia 1954 in der GT-Klasse oder beim 500-km-Rennen auf dem Nürburgring ein Jahr später. Mercedes-Rennleiter Alfred Neubauer holte von Trips ins Werksteam. Nach dem Rückzug der Silberpfeile nach dem schweren Unfall in Le Mans fand er ein Cockpit im Porsche-Werksteam.

Dank Siegen in der Sportwagen-WM bei den Klassikern in Sebring, Le Mans und auf dem Nürburgring sowie weiteren Erfolgen wurde Ferrari auf von Trips aufmerksam. Trotz eines schweren Unfalls beim ersten Test - auch in Monza -, den der Deutsche aber fast unverletzt überstand, engagierte der legendäre Firmenpatriarch Enzo Ferrari den mutigen und vielversprechenden Rennfahrer 1957.

Weil in den ersten beiden Jahren von Trips' Formel-1-Resultate Ferraris hohen Erwartungen nicht entsprachen, verlor er seinen Platz zunächst. Der Commendatore begnadigte «Taffy» vor dem Saisonfinale 1959 wieder. 1961 sollte dann seine Saison werden: von Trips lag nach Siegen beim Großen Preis von Holland - dem ersten Formel-1-Erfolg eines Deutschen - und in England sowie zweiten Plätzen in Belgien und Deutschland klar auf Titelkurs.In Monza holte er sogar seine erste Pole-Position, so dass alles für den WM-Titel sprach. Aber statt des Triumphes folgte die Tragödie.

«Trips war ein liebenswerter, gut erzogener Kerl. Ein echtes Idol, das die Massen begeistern konnte», sagte sein Teamkollege und Rivale Hans Herrmann. Wie beliebt und geachtet von Trips war, zeigte auch seine Auszeichnung zum «Sportler des Jahres». Eine Ehre, die zuvor keinem Athleten nach seinem Tod zuteilgeworden war.

dpa