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Sportbuzzer Amateur-Reiter schlägt alle Profis
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10:57 19.05.2015
„Niemand hat reell an ihn geglaubt“: Der Adelheidsdorfer Christian Glienewinkel bejubelt den größten Erfolg seiner Karriere. Quelle: dpa
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Hannover

Ein hannoverscher Reiter hat das 86. Deutsche Spring-Derby in Hamburg gewonnen. Okay, das ist ein kleines bisschen übertrieben, aber wirklich nur ein kleines bisschen. Aber seine ersten Sporen hat er sich schon hier verdient. Bis vor Kurzem ist Christian Glienewinkel nämlich noch für den RV Wilkenburg gestartet. Jetzt reitet der mittlerweile 30-Jährige für den RFV Nienburg – und hat in Klein Flottbek für eine faustdicke Überraschung gesorgt. Als Amateur düpierte er die gesamte Profischar, darunter Stars wie Carsten-Otto Nagel, Christian Ahlmann oder Janne-Friederike Meyer.

Glienewinkel schaffte Großartiges. Dem Altenpfleger aus Adelheidsdorf-Großmoor im Kreis Celle gelang mit seinem Aircare in der 95-jährigen Derby-Geschichte der erst 151. fehlerfreie Ritt. Das Paar blieb als Einziges ohne Abwurf, feierte damit den völlig unerwarteten Sieg in dem erstmals mit 120 000  Euro dotierten Springen. „Toll, genial, einfach super“, sagte Glienewinkel überwältigt, „Das ist unglaublich. Ich kann es einfach nicht fassen. Vom Siegen habe ich nicht einmal geträumt.“

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Auf einen vorderen Platz hatte er mit seinem „Ernie“, wie er den 14-jährigen Wallach Aircare nennt, schon gehofft. In den beiden vergangenen Jahren war er bereits Achter und Neunter geworden; bei seinem vierten Derby-Start war sein Wunsch, Dritter oder Vierter zu werden. Aber gewinnen?

Wallach "Ernie" wächst über sich hinaus

Im Moment seines großen Triumphes vergaß er nicht, dass „Ernie“ einen Großteil dazu beigetragen hat. „Das hat er super gemacht“, lobte Glienewinkel. Er habe den Wallach selbst ausgebildet. „Niemand hat reell an ihn geglaubt, weil er nicht so schön springt“, sagte er. Nun zeigten die beiden, was in ihnen steckt, und flogen schier über die Hindernisse. Weder vor noch nach ihm schaffte es ein Paar, ohne Abwurf über den 1230 Meter langen Parcours zu kommen.
Hinterher hat der Überraschungssieger mit einem Alster auf seinen Coup angestoßen. Viel mehr ging nicht, schließlich stand noch die Rückfahrt nach Adelheidsdorf an. Dort hat er dann mit seiner Frau Ilka, die er vor zwei Wochen geheiratet hat, und seiner Mutter noch etwas gefeiert. Übertrieben hat Glienewinkel es nicht, auch wenn er allen Grund dazu gehabt hätte.
Gestern Morgen musste er nämlich wieder in seinem Job ran; er ist ja kein Profireiter. Um 7 Uhr begann die Arbeit im familieneigenen Altersheim. Acht Stunden später ging es dann auf dem eigenen Hof weiter – die Pferde mussten versorgt werden. Glienewinkel bildet mit großem Elan Springpferde aus.

Adelheidsdorf kannte man bisher hauptsächlich, weil dort die Hengstprüfungsanstalt des Landgestüts beheimatet ist. Jetzt kennt man es auch als Heimatort des deutschen Spring-Derby-Siegers. Seine neue Bekanntheit hat Glienewinkel gestern gleich zu spüren bekommen: Per Telefon meldeten sich viele Gratulanten, und es gab noch mehr und Freundschaftsanfragen bei Facebook, sagte er.

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