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14:49 19.08.2009
Große Ziele vor Augen: Christin Tidow mit ihrem Lascardo Quelle: Martin Steiner
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Mitmachen bei den German Classics. Sie sind das Hallenreitturnier schlechthin in Norddeutschland; und viele, besonders junge Leute, träumen davon, in der Messehalle 2 in Hannover vor ausverkauften Tribünen mitmachen zu dürfen. Für Christin Tidow aus Springe-Boitzum ist dieser Wunsch Wirklichkeit geworden, sie darf diese einmalige Atmosphäre sogar schon zum zweiten Mal genießen. „Das ist atemberaubend“, sagt die 17-Jährige, „mit den großen Leuten auf der Tribüne sitzen zu dürfen, dieses Feeling, die volle Halle. Einfach atemberaubend.“

Christin hat sogar die Chance, auf der Teilnehmertribüne neben ihrem großen Vorbild Meredith Michaels-Beerbaum zu sitzen, kann vielleicht sogar das eine oder andere Wort mit der Weltklassereiterin wechseln. Aber deshalb kommt die Gymnasiastin nicht nach Hannover, zumindest nicht vorrangig. Sie möchte vor großem Publikum beweisen, dass sie selbst schon eine Klassereiterin ist. Morgen beim Hermann-Schridde-Gedächtnispreis, einem nationalen Stilspringen der Klasse M für Junioren und Junge Reiter, rechnet sie sich mit ihrem elfjährigen Lascardo beste Chancen aus. „Mein Ziel ist es schon, zu gewinnen“, sagt Christin. Dass sie das Zeug dazu hat, hat sie oft genug bewiesen, und 2007, bei ihrer Premiere bei den German Classics, ist sie bereits Fünfte geworden. Sie weiß auch, dass sie sich auf ihren Partner verlassen kann. „Wenn das absolut gegenseitige Vertrauen herrscht, dann geht das“, sagt sie.

Das hört sich alles toll an, und es sieht auch toll aus, wenn man Christin im Parcours sieht, mit welchem Talent, mit welch scheinbarer Leichtigkeit sie ihre Pferde lenkt. Doch die wenigsten Beobachter wissen, welch harte Arbeit und Mühe, welcher Stress und Verzicht bei allem Spaß hinter diesem Erfolg steckt. Christin ist weit davon entfernt, sich auch nur im Geringsten zu beklagen – dafür sind ihre Leidenschaft und ihre Freude am Reiten einfach zu groß. Doch wer diesen Weg einschlägt, der muss genau wissen, worauf er sich einlässt. Ein Pferd ist kein Gegenstand, den man einfach in die Ecke stellen kann.

Und solch ein Weg geht nur, wenn die Familie mitzieht und hilft. Egal, ob Christins Bruder Mark oder besonders ihre Mutter Ingelore und ihr Vater Georg – sie alle fassen mit an, nicht nur, wenn es sein muss wie jetzt vor den Classics. „Ohne ihre Unterstützung ginge nichts“, sagt die junge Reiterin.

Für die Eltern ist die „Reiterei“ ein ähnliches Abenteuer wie für Christin; erst mit dem jüngsten ihrer fünf Kinder haben auch sie ihre Affinität zu den Pferden entdeckt. „Wir hatten zwar immer ein Pferd und ein Pony bei uns stehen“, sagt Ingelore Tidow, „doch unsere Kinder haben damit eigentlich nur herumgetollt.“ Ihre älteste Tochter Britta sei nur spaßeshalber ein wenig geritten. „Mit dem Turnierreiten haben wir uns gar nicht beschäftigt“, sagt die Mutter. Die Tidows hatten auch gar keine Zeit dazu: „Bis zur Wende hatten wir eine Bullenaufzucht, die wir dann von einem zum anderen Tag wegen der Subventionen aufgegeben haben.“ Die Ställe standen leer, es musste etwas passieren – also baute Familie Tidow Pferdeboxen; der Zulauf war groß. Inzwischen gibt es auf dem Hofgelände in Boitzum eine Reithalle, einen Springplatz – und ein Dressurplatz ist im Entstehen.

Christin ist also mit Pferden in ihrer Umgebung groß geworden – und schloss die Vierbeiner schnell in ihr Herz. „Schon auf Babyfotos bin ich im Sattel zu sehen“, sagt sie schmunzelnd. Zunächst habe sie aber wie ihre Geschwister die Ponys mit ihren Freundinnen zum „Cowboy-und-Indianer-Spielen“ verwendet. Erst mit dem Erwerb von Valerie, einem Endmaß-Pony, wurde mehr daraus; seit 2002 mischt Christin im Turnierzirkus mit – und ist wahrlich durchgestartet. Ihre Eltern haben den landwirtschaftlichen Betrieb an Sohn Mark abgegeben und kümmern sich jetzt noch mehr um die jüngste Tochter, um ihr den weiteren Aufstieg in der Reiterei zu ermöglichen.

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Dazu gehört einiges. „Wir sind die TT, die Turniertrottel“, sagt Ingelore Tidow. Es ist spaßig gemeint und sagt doch so vieles aus: Hilfe beim Füttern und bei der Pflege der Pferde – Christin reitet regelmäßig fünf Tiere. Nicht zu vergessen die psychologische Unterstützung der Eltern: „Den Druck wegnehmen, trösten, wenn es mal nicht so gelaufen ist, und, und, und“, sagt Ingelore Tidow. Dazu kommt die Fahrerei; allein dreimal in der Woche geht es auswärts zum Training, etwa nach Pattensen zum Dressurexperten Fritz Fricke oder nach Springe zu Springcoach Herbert Rathgeber, die Christins Talent schnell erkannt haben. Darüber hinaus stehen Lehrgänge in Dressur, Springen und Vielseitigkeit an und etliche Turniere. „TT“ wird somit nahezu zum Vollzeitjob.

Zumal Christin in allen drei Sportarten überaus erfolgreich ist. Dementsprechend ehrgeizig sind ihre Ziele. 2009 will sie die Europameisterschaften und die deutsche Meisterschaft in der Vielseitigkeit sowie die nationalen Titelkämpfe im Springen mitreiten. Doch heute will sie erst einmal bei den German Classics zeigen, was in ihr steckt.

von Jörg Grußendorf

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