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Sportbuzzer „Auf ihn kann ich mich immer verlassen“
Sportbuzzer „Auf ihn kann ich mich immer verlassen“
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14:48 19.08.2009
"Der erste, der immer vorneweglief": Antje Bredehöft und ihr Tvistur sind seit zehn Jahren gemeinsam unterwegs - die Reiterin brachte ihren Isländer von der Insel mit. Quelle: Uwe Dillenberg
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Mit Island ist Antje Bredehöft das erste Mal in der Nordheide in Berührung gekommen. Damals war sie acht Jahre alt. Ihre Eltern hatten im Wald zufällig eine Gruppe Islandpferde beim Ausritt getroffen und ihre Tochter gleich auf dem benachbarten Reiterhof zum Unterricht mit den urwüchsigen Kleinpferden angemeldet. Aus dieser Zufallsbegegnung entwickelte sich bei der Norddeutschen nicht nur eine bis heute andauernde Liebe für die zuverlässigen und robusten „Isis“, sondern auch ein tiefes Interesse für Land und Leute.

Die heute 30-jährige Antje Bredehöft hatte etwa in der Schule einen isländischen Freund, mit dem sie dann 1998 nach dem Abitur ein Jahr lang auf dem Hof seiner Eltern in Südisland arbeitete – und dabei sogar genug Isländisch lernte, um sich mit den Einheimischen zu verständigen. „Die Leute dort sind sehr aufgeschlossen und hilfsbereit. Es duzen sich alle, und es wird immer gleich Kaffee und Kuchen serviert“, sagt Antje Bredehöft. Und auch an das isländische Essen mit viel geräuchertem Lamm und Fisch gewöhnte sie sich.

Anders als in der Nordheide war es auf der rauen, von Felsen, heißen Quellen und Vulkanen geprägten Insel trotzdem. „Am Anfang fand ich es ganz schön einsam“, erinnert sich die 30-Jährige an den kilometerweit von den nächsten Nachbarn entfernten Hof, auf dem sie arbeitete. „Aber gleichzeitig hat mich diese Weite fasziniert.“ So wie die Pferde sie fasziniert haben: Die leben auf Island fast wild in großen Herden und sehen vor ihrem vierten oder fünften Lebensjahr kaum einen Menschen. Entsprechend scheu und vorsichtig sind sie im Umgang – ganz anders als manche in Deutschland am Haus aufgezogene Fohlen, die auf der Suche nach Leckereien frech an Ärmeln und Jackentaschen knabbern.

Antje Bredehöft hat während ihres Aufenthalts bei den isländischen Landwirten von Anfang an kräftig mit angepackt: Pferde getrieben, Schafe gefüttert, aus Gras Silage gemacht – und schon nach zwei Monaten festgestellt, dass ihr ein eigenes Pferd fehlt. Denn ihren Isländer Sindri, den sie seit ihrem 16. Lebensjahr erfolgreich auf Turnieren ritt, hatte sie vor der Abreise verkauft, damit er nicht ein ganzes Jahr lang auf sie auf sie warten muss.

Nun sollte es wieder ein Islandpferd sein. Lediglich zwei angerittene Jungpferde gab es auf dem Hof: eines, das Sindri ähnelte, und den wuscheligen braunen Tvistur mit dem weißen Fleck auf der Oberlippe. „Der war immer der Erste, der in der Herde vorneweg lief“, erinnert sich die Reiterin. Auch von seinen Gängen war sie angetan – besonders von dem lockeren Tölt, einer angeborenen Spezialgangart dieser Rasse, die es den Inselbewohnern erlaubt, stundenlang zu Pferd zu sitzen, ohne groß durchgeschüttelt zu werden. „Bei einem Ausritt hat es dann einfach ,klick‘ gemacht – und ich wusste: Das isser!“, sagt Antje Bredehöft. Den Braunen nahm sie nach ihrem Islandjahr mit nach Deutschland.

Inzwischen hält die Verbindung zwischen Frau und Pferd rund zehn Jahre – länger als manche Ehe. Ihre Entscheidung für Tvistur, der mittlerweile die ersten grauen Haare auf der Stirn bekommt, hat die 30-Jährige nie bereut. „Er ist ein Allrounder, mit dem man Dressur ebenso reiten kann wie Distanzritte oder Geschicklichkeitsaufgaben“, sagt sie. „Und auf ihn kann ich mich immer verlassen.“ Besonders vorsichtig ist der gebürtige Isländer übrigens mit dem Nachwuchs: Wenn Antje Bredehöft den Kindern von Freunden Unterricht gibt, bleibt der Wallach sofort stehen, bevor sein Reiter ernsthaft ins Rutschen gerät.

Für die zupackende Blondine ist ein Leben ohne Islandpferd inzwischen nicht mehr denkbar. Nach ihrer Ausbildung zur Industriekauffrau hat sie ihre Leidenschaft sogar mehr als zwei Jahre lang zum Beruf gemacht und dabei den Ausbildungsschein zum Trainer C des Islandpferdereiter- und Züchterverbandes (IPZV) erworben, bevor sie sich dann doch für ein naturwissenschaftliches Studium entschied. Tvistur ist jedoch während der ganzen Zeit nie zu kurz gekommen. „Lieber stehe ich um sechs Uhr morgens auf, damit ich noch eine Runde reiten kann“, sagt Antje Bredehöft.

Seit die Tage dunkler werden, freut sie sich auch schon auf den ersten Schnee. „Ich liebe es, frühmorgens mit Pferd und Hund die ersten Spuren auf der weißen Decke zu hinterlassen“, sagt sie. „Und auch Tvistur ist bei Schnee ganz in seinem Element.“

von Nicola Zellmer

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