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Sportbuzzer Bei den Special Olympics mit Spaß um Gold streiten
Sportbuzzer Bei den Special Olympics mit Spaß um Gold streiten
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12:00 10.06.2010
Vanessa Giesenberg trainiert für die Special Olympics National Games. Quelle: dpa
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Vanessa Giesenbergs Augen leuchten. Die junge Frau sprüht vor Bewegungsdrang. In der kleinen, fensterlosen Turnhalle der Diakonischen Stiftung Friedehorst im Norden Bremens feuert sie ihre Mannschaftskameradinnen an. Die 24 Jahre alte geistig behinderte Sportlerin bereitet sich auf die Special Olympics National Games in der Hansestadt vor. Zusammen mit mehr als 4500 anderen Athleten will sie in der Woche vom 14. bis 19. Juni in den Arenen der Stadt um Medaillen kämpfen und dabei Spaß haben.

„Das Mitmachen zählt, nicht das Gewinnen“, sagt Giesenbergs Betreuerin und Delegationsleiterin der Stiftung Friedehorst, Silvia Petrovic. „Vanessa hat vor zwei Jahren mit dem Sport angefangen und erst Laufen ausprobiert“, sagt die 42-Jährige. „Fahrrad war dann ihr Ding.“ Und so wird die 24-Jährige bei den Spielen auf ihrem 21-Gang-Mountainbike „Hugo“ im Zeitrennen an den Start gehen.

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Mit Sportlern, Trainern, Betreuern und Familienmitgliedern werden mehr als 12.000 Menschen zu den Wettkämpfen in der ganzen Stadt erwartet. Special Olympics ist die weltweit größte vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) anerkannte Sportbewegung für Menschen mit geistiger Behinderung. Alleine in Deutschland gehören derzeit rund 38.000 Menschen zu dem Verein.

Bereits seit zwei Jahren werden die alle zwei Jahre stattfindenden Sommerspiele nach Angaben des Präsidenten des Organisationskomitees, Hans-Jürgen Schulke, geplant. Fünf hauptamtliche Mitarbeiter würden von 20 Praktikanten unterstützt. Während der Wettkämpfe verstärken rund 2300 ehrenamtliche Helfer das Team. Fußball, Boccia, Reiten, Radfahren oder Roller Skating, insgesamt sollen 1650 Gold-, 1640 Silber- und 1606 Bronzemedaillen vergeben werden. Hinzu kommen mehr als 4100 Schleifen für die 4. bis 8. Plätze.

Für den Sportbeauftragten der Vereinten Nationen, Wille Lemke, haben die Spiele in Bremen eine besondere Bedeutung. „Es macht in der Öffentlichkeit deutlich, dass die Arbeit mit Behinderten, das Leben von Behinderten ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft ist.“ Es zeige, dass die Menschen nicht ausgeschlossen würden wie in anderen Ländern. „Und es ist auch eine Frage der Anerkennung, der Würdigung ihrer Leistung.“

Der Ex-Werder-Bremen-Manager Lemke sieht auch in der parallel stattfindenden Fußball-Weltmeisterschaft keinen Grund, dass Zuschauer fernbleiben könnten. Trotz dieser großen Konkurrenz würden die Bremer viel Freude daran haben, dass die Spiele unter dem Motto „In jedem von uns steckt ein Held“ hier stattfinden. „Die Menschen werden erleben, wie die Athleten zu Werke gehen. Dass ist etwas ganz anderes und nicht vergleichbar mit dem Hochleistungssport, aber es ist unheimlich berührend.“

„Natürlich bin ich aufgeregt“, sagt dann auch Vanessa Giesenberg. „Aber ich habe richtig Lust zu trainieren und das macht richtig Spaß.“ Angst, auch nur ein wichtiges Spiel der Fußball-WM zu verpassen, hat der 24 Jahre alte Fan von Nationalspieler Bastian Schweinsteiger nicht. „Damit ich kein Spiel verpasse, nimmt meine Mutter alle auf.“

Ihre erste Medaille holte die Radfahrerin im vergangenen Jahr und auch in diesem Jahr möchte sie wieder erfolgreich sein. Für Bewegungsmuffel hat die junge Frau, die gerne Kinder- und Horrorfilme schaut und selbst gemachte Pizza backt, auch gleich einen Rat. „Ich kann nur jedem raten, Sport zu machen. Das macht einfach Spaß. Und es ist gut für die Fitness.“

dpa